EM 2021 - Die Top 5 der häufigsten Fußballer-Verletzungen© Foto: iStock-1211111762

EM 2021 - Die Top 5 der häufigsten Fußballer-Verletzungen

Hünfeld

Wussten Sie, dass sich bei einer Fußballpartie durchschnittlich zwei Spieler verletzen? Dr. Andreas Rügamer, Chefarzt der Unfallchirurgie, Orthopädie, Sporttraumatologie der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld, erklärt, welche fünf Verletzungen vom Muskelfaserriss bis zur Gehirnerschütterung typisch für Profifußballer sind.

„Es sind verschiedene Einflüsse, die die Verletzungshäufigkeit beim Fußball maßgeblich beeinflussen“, sagt Dr. Andreas Rügamer, Chefarzt der Unfallchirurgie, Orthopädie, Sporttraumatologie der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld. So ist die Verletzungswahrscheinlichkeit während eines Wettkampfspiels etwa vier- bis sechsfach höher als im Training und steigt mit dem Alter. Rein statistisch verletzen sich pro Spiel zwei Fußballer, in der Hälfte der Fälle durch gegnerische Einwirkung. Rund ein Viertel der Verletzungen betreffen eine im Vorfeld bereits schon einmal betroffene Körperstruktur.

Die häufigsten Verletzungen im Profifußball sind Prellungen (50%), Verstauchungen (20%) und Muskelverletzungen (10%). Mit einem Viertel der Fälle ist der Oberschenkel das meist betroffen Körperteil. Zu den häufigsten spezifischen Verletzungen zählen:
 

Muskelzerrung / Muskelfaserriss: In der Bundesligasaison 2019/2020 waren Muskelverletzungen mit 30,6 Prozent aller Verletzung für rund ein Drittel aller Ausfalltage verantwortlich. Typischerweise werden diese Verletzungen nicht etwa durch ein Foul, sondern durch Richtungswechsel oder plötzliches Abstoppen verursacht. Aus einer entsprechend starken Überdehnung der Muskulatur resultieren Muskelfaserrisse, meist in den Waden oder Oberschenkeln. Zerrungen treten oft im Bereich der Adduktoren (Muskelgruppe zwischen Schambein und Oberschenkelinnenseite) auf. „Aufgrund der guten Durchblutung ist die Heilungstendenz der Muskulatur hoch und eine operative Therapie nur in Ausnahmefällen indiziert“, meint Dr. Rügamer. Das „RICE“-Schema (Rest, Ice, Compression, Elevation) sollte in der Akutphase angewendet werden. Die Rekonvaleszenz beträgt bei Zerrungen meist nur ein bis zwei Wochen, bei ausgeprägten Muskelfaserrissen regelhaft bis zu zwei Monate.
 

Bänderläsion im Sprunggelenk: Unabhängig von der Verletzungsart ist das Sprunggelenk aufgrund des häufigen Umknickens das meistverletzte Einzelgelenk. Im Vordergrund stehen hier Bandverletzungen, insbesondere der drei Außenbänder und des sogenannten Syndesmosebands zwischen Schien- und Wadenbein (Michael Ballack litt darunter vor der WM 2010 in Südafrika). Echte Frakturen am Sprunggelenk sind wesentlich seltener, allerdings finden sich nach wiederholten Umknickereignissen und/oder zunehmender Laxizizität der Bandführung oft Knorpelschäden und arthrotische Veränderungen im Verlauf. Die Ausfallzeiten bei Außenbandverletzungen weisen eine hohe Spannbreite von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten auf. Bei Rupturen (Bänderrissen) beläuft sich die Genesungszeit im Gegensatz zu Dehnungen in der Regel auf drei bis vier Wochen. „Eine komplette Ruptur der Syndemose wird aufgrund der drohenden dauerhaften Instabilität im Sprunggelenk operativ versorgt und erfordert etwa drei Monate Pause“, so Chefarzt Rügamer. Die Therapie von Außenbandverletzungen erfolgt in erster Linie konservativ mittels Stützschiene und Training der Muskulatur. Auch wenn Bandverletzungen in der Summe nur etwa 4,8 Prozent aller Verletzungen der Bundesligasaison 2019/2020 ausmachten, waren sie für 15 Prozent. der Ausfalltage verantwortlich.
 

Vordere Kreuzbandruptur: Bleibt das Bein im Rasen stecken und rotiert der Körper gegen den Unterschenkel, kommt es zum Distorsionstrauma des Kniegelenks, was bei Fußballern häufig vorkommt. Das vordere Kreuzband ist aufgrund seiner Funktion als Hauptstabilisator für die Innenrotation in Streckstellung besonders gefährdet. In einer gravierenderen Ausprägung kann die Ruptur (der Riss) des vorderen Kreuzbandes mit einer Verletzung von Innenband und Innenmeniskus kombiniert sein. Für den Sportler geht ein Kreuzbandriss mit einer langwierigen Rehabilitation einher. Rupturen des hinteren Kreuzbandes sind mit einem Verhältnis von 1:10 viel seltener. „Während die vordere Kreuzbandruptur noch in den 80er bis in die 90er Jahre oftmals konservativ mittels Muskelaufbau zur Kompensation und Vermeidung einer Instabilität auch beim Profi behandelt wurde, hat sich heutzutage die operative Rekonstruktion zur Vermeidung von Folgeschäden wie Meniskus- oder Knorpelläsionen durchgesetzt“, sagt der Unfallchirurg Dr. Rügamer. Diese OP erfolgt oftmals direkt nach der Verletzung. Die „optimale“ Rehabilitationszeit beträgt sechs bis neun Monate, bei komplikationslosem Verlauf kann der Profisport meist wiederaufgenommen werden. So hatte z.B. Niklas Süle vom FC Bayern München am 23.06.2020 nach ganzen 247 Tagen sein erfolgreiches Comeback in der Bundesliga.

 

Achillessehnenriss: Die Achillessehne sorgt als Verlängerung der Wadenmuskulatur dafür, dass sich der Fuß vom Boden abdrückt. Insbesondere Sprungbewegungen beanspruchen diese Sehne in einem hohen Maße, aber auch Sprints und schnelle Antritte. Neben der chronischen Reizung einer überbeanspruchten Sehne („Achillodynie“), die eine langwierige Behandlung nach sich zieht, kann es auch zur akuten Ruptur kommen. „Typischerweise hört der Spieler einen lauten Knall und verspürt einen stechenden Schmerz, als habe ihm jemand in die Wade getreten“, erklärt Dr. Rügamer. „Eine konservative Therapie ist grundsätzlich möglich, wenn sie zeitnah nach der Verletzung durch eine Ruhigstellung im Spitzfuß begonnen wird. Bei sportlich Aktiven erfolgt die Behandlung aber meist operativ. Es ist mit einer Ausfallzeit von etwa sechs Monaten zu rechnen.“
 

Gehirnerschütterungen und Kopfplatzwunden: Der Zusammenstoß mit dem Kopf ist Routine im Spielbetrieb. Nicht nur der Ball selber wird bei Annahme oder beim Kopfstoß zum Anprallobjekt, auch Körperteile des Gegners wir Kopf oder Ellenbogen oder der Aufschlag auf dem Boden nach einem Sprung gehören dazu. Die Langzeitauswirkungen dieser wiederholten Mikro-Gehirnerschütterungen sind Gegenstand wissenschaftlicher Studien. „Bereits bei dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung mit den klassischen Symptomen wie kurzzeitige Bewusstlosigkeit, Sehstörungen oder Übelkeit sollte der Spieler ausgewechselt werden“, sagt Unfallchirurg Dr. Rügamer. Je nach Ausprägung erfolgt dann eine Computertomographie des Kopfes. Platzwunden im Schädel- und Gesichtsbereich gehören ebenfalls zum Fußballer-Alltag und werden – teils spektakulär am Spielfeldrand – mitunter ohne Betäubung geklammert um ein Weiterspielen zu ermöglichen.

 

 

 

 

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