Arbeitsalltag Covid-19
Zwei Pflegefachkräfte des Eli erzählen von ihrem Einsatz auf der Corona-Station

Arbeitsalltag Covid-19

Bad Kissingen

Die Infektionszahlen im Landkreis Bad Kissingen muten gemessen an anderen Regionen schon fast moderat an. Dennoch liegt der 7-Tages-Inzidenzwert mit über 100 Neuinfektionen im dunkelroten Bereich, aktuell werden 17 Patienten mit der Diagnose Covid-19 des Helios St. Elisabeth-Krankenhauses medizinisch versorgt.

Zwei Pflegefachkräfte, die auf der Covid-Station und auf der Intensivstation des Hauses tätig sind, haben interessante Einblicke in ihren Arbeitsalltag gewährt und gezeigt, wie sie mit der täglichen Konfrontation mit der Krankheit umgehen.

Irina, Sie sind seit 42 im Beruf als Krankenpflegerin, seit fast 30 Jahren davon hier im Eli tätig. Jetzt kam der Einsatz auf der Corona-Station dazu. Haben Sie sich für diese Aufgabe freiwillig gemeldet?

Irina: Als in der ersten Welle die Vorbereitungen für diese Station getroffen wurden, habe ich geholfen und mich danach freiwillig zur Verfügung gestellt. In der zweiten Welle habe ich mich erneut gemeldet.

Pfleger Stefan, Sie arbeiten seit über 14 Jahren hier im Krankenhaus, sind Leitung und Fachkrankenpfleger der Intensivstation. Betreuen Sie aktuell ausschließlich Covid-Patienten?

Stefan: Wir teilen uns aktuell so auf, dass die einen Kollegen nach Möglichkeit und im Rahmen unseres Hygienekonzepts nur Patienten mit Covid betreuen, ein weiteres Team versorgt die nicht-Covid-Intensivpatienten.

Müssen Sie Ihre Kleidung immer wechseln, wenn Sie in Patientenzimmer gehen?

Stefan: Es ist Pflicht, bei jedem Covid-Verdacht bzw. bestätigten Fall die persönliche Schutzausrüstung zu tragen. Das fängt an mit der Kopfhaube, Schutzbrille, FFP2 oder FFP 3 – Maske, Gesichtsschild, einem Isolationskittel und natürlich noch die Handschuhe zuletzt.

Wie oft am Tag müssen Sie wechseln?

Stefan: Das zähle ich aktuell schon gar nicht mehr J

Wie viel aufwändiger ist die Pflege in Zeiten des aktuell geltenden Besuchsverbots?

Irina: Aufwändig ist, dass Angehörige oft Sachen vorbeibringen, die wir dann am Haupteingang abholen müssen. Auch sind Telefonate zeitintensiver als früher. Viele Patienten sind auch stark verunsichert und haben Angst, daher klingeln sie öfter nach uns. Das führt

dann auch dazu, dass wir häufiger als sonst vielleicht üblich ins Zimmer eilen und uns entsprechend mit Schutzkleidung ausstatten.

Stefan: Da wir aktuell keine Rücksicht auf Besuchszeiten nehmen müssen, können wir unsere Arbeit besser nach Notwendigkeit verrichten. Für die Patienten aber ist es sehr schwierig, da ein großer seelischer Beistand fehlt, den wir so gut es geht versuchen zu kompensieren. Das ist im Einzelfall auch mal schwierig.

In welchem Zustand befinden sich die Patienten in der Regel?

Irina: Das variiert stark. In der ersten Welle hatten wir viele ältere Patienten, inzwischen sind Jung und Alt gleichermaßen betroffen. Man könnte meinen, dass es den Älteren immer schlechter geht als den Jungen. Aber viele Jüngere kommen in einem guten Zustand an, haben nur Fieber und dann kann man fast zusehen, wie sich ihr Zustand trotz Sauerstoff- und Medikamentengabe rapide verschlechtert.

Stefan: Patienten kommen mit einem schweren fieberhaften Infekt und starker Atemnot und dadurch bedingt auch einer starken „Angst“ auf die Intensivstation. Die meisten Patienten sind schon stark vorerkrankt und dadurch eventuell auch empfänglicher für das Virus.

Haben Sie Angst, sich anzustecken?

Stefan: Wenn ich sagen würde nein, wäre es denke ich der falsche Weg. Eine gewisse Angst macht einen „wachsam“ und ist deshalb auch sinnvoll.

Irina: Wenn ich mich richtig verhalte und mich schütze, ist die Wahrscheinlichkeit mich auf der Arbeit anzustecken, sehr gering. Da ist das Risiko draußen z.B. beim Einkaufen sehr viel höher, weil einfach die Bevölkerung mit der Zeit vergessen hat, wie sie sich richtig verhalten soll.

Profitieren Sie von Erfahrungen, die Sie in der ersten Welle gemacht haben?

Irina: Wir lernen stets dazu und befinden uns im ständigen Austausch, aber aufgrund der Kürze der Zeit würde ich noch nicht von Erfahrung sprechen.

Stefan: Ich denke schon, dass sich die letzten Monate einiges getan hat, z.B. die bevorstehende Impfung gegen Covid-19. Auch Therapieansätze, die in der ersten Welle angewendet wurden, werden jetzt standardmäßig gemacht. 

Mit welchen Gefühlen gehen Sie täglich auf die Arbeit?

Irina: Ich mache die Arbeit trotz aller Herausforderungen nach wie vor gerne. Wichtig ist auch einfach, eine positive Einstellung zu bewahren und auch in diesen Zeiten den Humor nicht zu verlieren.