Welche Medikamente helfen am besten gegen die Schmerzen und den ständigen Harndrang? Wie lange dauert es, bis ein Behandlungstermin verfügbar ist? Hat ein Schmerzimplantat Auswirkungen auf eine mögliche Schwangerschaft? Diese und viele weitere Fragen stellten die zahlreichen Besucherinnen im Rahmen des Fachvortrags „Endometriose: Erkennen, verstehen, handeln – Behandlungsmöglichkeiten durch Neuromodulation“. Durch den Abend führten Dr. Cornelia Leißner, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie Uwe Mutter, Leiter des klinikeigenen Zentrums für Neuromodulation.
Endometriose ist eine chronisch entzündliche, häufig schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter vorkommt und dort Reaktionen, Verwachsungen und Schmerzen verursachen kann. Die Erkrankung gilt zwar als nicht heilbar, ist jedoch bei gesicherter Diagnose in vielen Fällen gut behandelbar.
Gerade die Diagnosestellung stellt für viele Betroffene eine große Herausforderung dar, wie Dr. Leißner erläuterte. Noch immer werden typische Symptome wie starke Schmerzen, Zyklusstörungen, Übelkeit oder Kreislaufprobleme nicht immer frühzeitig mit Endometriose in Verbindung gebracht. „Im Durchschnitt vergehen etwa sieben Jahre, bis Betroffene die richtige Diagnose und damit auch eine gezielte Therapie erhalten“, so die Chefärztin. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Ausprägungen werde Endometriose daher auch als „Chamäleon der Gynäkologie“ bezeichnet.
Mögliche Entstehung: Retrograde Menstruation
Eine mögliche Erklärung für die Entstehung von Endometriose ist die sogenannte retrograde Menstruation. Dabei fließt ein Teil des Menstruationsblutes durch die Eileiter in die Bauchhöhle, anstatt über die Scheide abzufließen. Gelangen dabei Schleimhautzellen in den Bauchraum, können sie sich dort fälschlich ansiedeln. Da dieses Gewebe ebenfalls auf den monatlichen Hormonzyklus reagiert, es jedoch keinen natürlichen Abfluss gibt, kann es zu chronischen Entzündungen, Narbenbildung und Schmerzen im Beckenbereich kommen. Neben starken Schmerzen können auch Probleme mit der Fruchtbarkeit, Blasen- oder Darmbeschwerden auftreten – erhebliche Einschränkungen, insbesondere für jüngere Frauen.
Um diesen komplexen Beschwerdekomplex richtig einzuordnen, sei laut Dr. Leißner eine gründliche Anamnese mit aktivem Zuhören entscheidend. Dazu gehörten unter anderem Fragen zum Menstruationsverlauf, zu Verhütungsmethoden sowie zu Darm- und Blasenfunktionen, da Endometriose auch Durchfälle, Verstopfung oder Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr auslöst.
Als Goldstandard unter den Untersuchungsmethoden gilt der transvaginale Ultraschall. „Damit lassen sich zum Beispiel sogenannte Endometriome, auch „Schokoladenzysten“ genannt, direkt erkennen, was einen wichtigen diagnostischen Hinweis liefert“, erklärte Dr. Leißner. Wenn die Sonografie noch keine finalen Erkenntnisse anzeigt, kann eine MRT ergänzend zum Einsatz kommen. Daneben sei auch die Bauchspiegelung (Laparoskopie), bei der Endometriose-Herde direkt sichtbar gemacht und gegebenenfalls histologisch untersucht werden können, hilfreich, so Dr. Leißner.
Neuromodulation als ergänzende Therapieoption
Neben medikamentösen Therapien und operativen Verfahren bietet die Helios Klinik Wipperfürth Betroffenen auch eine ergänzende Therapieoption in Form der Neuromodulation an. Uwe Mutter erläuterte, wie sogenannte Schmerzschrittmacher insbesondere bei chronischen, therapieresistenten Beckenbodenschmerzen eingesetzt werden können.
Bei diesem minimalinvasiven Verfahren wird über wenige kleine Schnitte ein Stimulator im Bereich des Gesäßes implantiert. Zusätzlich werden Elektroden an den Sakralnerven im Kreuzbein platziert. Diese senden kontinuierlich leichte elektrische Impulse, die die Weiterleitung von Nervensignalen beeinflussen. Ziel ist es, eine Fehlverarbeitung von Schmerzreizen im Nervensystem zu reduzieren. Neben der Schmerzlinderung kann die Neuromodulation auch bei Blasen- oder Stuhlinkontinenz positive Effekte zeigen.
„Die elektrischen Impulse verändern die Art und Weise, wie das Nervensystem Reize verarbeitet“, erklärte Mutter. „Dadurch kann sich beispielsweise die Häufigkeit der Blasenentleerung verringern und das Fassungsvermögen der Blase erhöhen.“
Zu den Vorteilen der Neuromodulation zählen laut Mutter, dass das System jederzeit anpassbar, abschaltbar oder entfernbar ist und die Therapie ohne Medikamente auskommt. Eingesetzt wird das Verfahren jedoch nicht ohne vorherige Prüfung: Zunächst erfolgt eine ein- bis zweiwöchige Testphase, in der temporäre Elektroden mit einer externen Stromquelle verbunden werden. Zeigt sich in dieser Zeit eine deutliche Besserung der Beschwerden, wird der Stimulator in einem zweiten Schritt dauerhaft implantiert.
Fazit
Endometriose ist kein unabwendbares Schicksal. Liegt eine gesicherte Diagnose vor, stehen heute zahlreiche konservative und operative Behandlungsoptionen zur Verfügung – bis hin zu innovativen Verfahren wie der Neuromodulation. Der Weg zur Diagnose ist jedoch für viele Betroffene noch immer lang, da das Bewusstsein für die Erkrankung im medizinischen Alltag nicht überall ausreichend ausgeprägt ist.
Die Gynäkologie der Helios Klinik Wipperfürth ist eine spezialisierte Anlaufstelle für eine umfassende Abklärung und individuelle Therapieplanung in der Region. Für eine Vorstellung in der gynäkologischen Sprechstunde ist eine Überweisung durch die Frauenärztin oder den Frauenarzt erforderlich.