Wenn andere den Herbst genießen, beginnt für Angela W. die wichtigste Zeit des Jahres. Dann reist die 62-Jährige mit ihren Schlittenhunden nach Skandinavien, trainiert über Monate im Schnee und fährt bei internationalen Rennen mit der Weltspitze. Für die passionierte Musherin ist Bewegung kein Hobby, es ist ihr Leben. Umso einschneidender war der Moment, als ihr rechtes Knie plötzlich nicht mehr mitspielte.
„Anfang Dezember 2025 hatte ich plötzlich so starke Schmerzen, dass gar nichts mehr ging. Ich habe wirklich alles versucht Spritzen, Hyaluronsäure, Kortison und viele andere konservative Behandlungen. Aber irgendwann musste ich mir eingestehen: So kann es nicht weitergehen“, erklärt Angela W.
Ein Leben in Bewegung
Die erfahrene Schlittenhundeführerin aus Dannefeld in der Altmark läuft täglich viele Kilometer, oft mehr als 20 Kilometer gemeinsam mit ihren 27 Hunden. Beim Schlittenhundesport ist das Knie permanent gefordert. Balance, Stabilität und schnelle Reaktionen entscheiden über Erfolg und Sicherheit. „Ein künstliches Knie kam für mich nie infrage. Ich bin jeden Tag aktiv, laufe unglaublich viel und möchte auch weiterhin Rennen fahren. Für meinen Lebensstil wäre das einfach nicht die Lösung gewesen“, erklärt die Sportlerin.
Premiere für eine besondere Operation
Auf der Suche nach einer Alternative stellte sich Angela W. in der Helios Fachklinik Vogelsang-Gommern vor. Dort erhielt sie eine Behandlung, die bislang noch nie an der Klinik durchgeführt worden war, eine Kniegelenkdistraktion.
Eine Investition in die eigene Zukunft
Die KneeReviver-Therapie ist in Deutschland bislang nur an wenigen spezialisierten Zentren verfügbar und gehört derzeit nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Deshalb wird Angela W. bei der Behandlung etwas zuzahlen. Eine Entscheidung, die sie dennoch bewusst getroffen hat. „Das verstehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Für mich war es die Chance, mein eigenes Knie zu behalten. Deshalb war das eben mein Geburtstagsgeschenk an mich selbst“, erklärt die 62-jährige.
Das Ziel: Zurück an den Start
Trotz der Herausforderungen blickt die Sportlerin optimistisch nach vorn. Bereits im Herbst stehen wichtige Entscheidungen an, denn dann beginnt die Vorbereitung auf die nächste Wintersaison. „Im Herbst muss ich wissen, ob ich wieder trainieren kann. Ich hoffe natürlich sehr, dass ich dann wieder auf den Beinen bin. Aufgeben war für mich jedenfalls nie eine Option“, erklärt Angela W.
Für Prof. Dr. Stärke ist die Premiere der Operation ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des Behandlungsspektrums der Fachklinik.
Internationale Studien zeigen, dass sich durch die zeitlich begrenzte Entlastung des Gelenks Schmerzen reduzieren und die Gelenkfunktion nachhaltig verbessern können. Die Behandlung ersetzt zwar nicht in jedem Fall eine spätere Endoprothese, kann deren Implantation jedoch oftmals um mehrere Jahre hinauszögern – ein wichtiger Vorteil insbesondere für sportlich aktive Menschen.
Ob Angela W. im kommenden Winter wieder mit ihrem Hundeschlitten durch die verschneiten Landschaften Skandinaviens fährt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Ihr Ziel hat sie dabei klar vor Augen. „Ich möchte einfach wieder schmerzfrei laufen und mit meinen Hunden unterwegs sein. Wenn das gelingt, hat sich jeder einzelne Tag dieser Therapie gelohnt“, erklärt die 62-jährige.