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Im Gespräch mit Chefarzt Mohmmad Hamadneh

Mohmmad Hamadneh, Chefarzt unserer Klinik für Innere Medizin, ist der Kultur-Botschafter für sein Heimatland Jordanien. Im Interview nimmt er uns mit in ein Land voller Geschichte, verrät, warum ein endloses Kaffeetrinken für Lacher sorgte und erklärt, was das Nationalgericht Mansaf mit echtem Zusammenhalt zu tun hat.

Heimat & Wurzeln: Im Herzen des Nahen Ostens

Woher genau kommen Sie?


Ich komme aus Irbid, der zweitgrößten Stadt Jordaniens, im Norden des Landes. Irbid ist eine Stadt mit einer langen Geschichte – in der Antike trug sie den Namen Arabella, und archäologische Funde belegen, dass die Region bereits seit der Bronzezeit besiedelt war. Nicht weit entfernt liegen die antiken Stätten Pella und Umm Qais, die mich schon als Kind fasziniert haben. Aber Jordanien insgesamt ist ein Land, das auf kleinem Raum Jahrtausende von Zivilisationen vereint: die Nabatäerstadt Petra, in Felsen gehauen, das Tote Meer als tiefster Punkt der Erde oder die fast außerirdisch anmutende Wüste Wadi Rum. Neben diesen antiken Wundern stehen moderne Städte wie Amman, in denen Tradition und Gegenwart selbstverständlich nebeneinander existieren.


Was macht das Land für Sie persönlich aus?
 

Was Jordanien für mich besonders macht, ist nicht nur die Geschichte – sondern vor allem die Menschen. Sie sind es, die Fremde wie Familie behandeln und die Kultur der Gastfreundschaft mit jeder Faser leben.

Kultur & Geheimtipps: Von stillen Ruinen und sprechendem Kaffee

Haben Sie einen persönlichen Geheimtipp für uns?

 

Mein persönlicher Geheimtipp ist Umm Qais, das antike Gadara, ganz im Norden Jordaniens. Von dort blickt man gleichzeitig auf drei Länder: Jordanien, Syrien und Palästina. Die alten römischen Ruinen liegen ganz ruhig auf einem Hügel, umgeben von Olivenbäumen und einem weiten Himmel. Für mich ist dieser Ort besonders, weil er Stille, Geschichte und eine unglaubliche Weite verbindet – ein Platz, an dem man spürt, wie klein der Mensch und wie groß die Welt ist.

 

Gibt es eine Tradition, die Sie besonders schätzen?

 

Die Kultur der Gastfreundschaft ist tief in uns verwurzelt. Niemand verlässt ein Haus, ohne dass ihm Tee, Kaffee oder etwas zu essen angeboten wird. Eine typische, fast schon humorvolle Situation ist die Kaffee-Tradition: Wenn Besuch kommt, wird sofort arabischer Kaffee serviert. Solange die Tasse nicht leicht geschüttelt wird, um zu signalisieren, dass man genug hat, schenkt der Gastgeber immer weiter nach. Ich erinnere mich an einen Gast, der das nicht wusste und aus Höflichkeit die Tasse nie schüttelte. Am Ende hatte er so viel Kaffee getrunken, dass alle lachen mussten. Er sagte nur: „Ich wollte nicht unhöflich sein – jetzt brauche ich für eine Woche keinen Schlaf mehr!“ Diese kleine Szene zeigt viel über unsere Kultur: Respekt, Höflichkeit und Humor.

Kulinarik: Mansaf – Das Gericht des Zusammenhalts

Wenn Sie an das Essen in Jordanien denken, was kommt Ihnen sofort in den Sinn?

 

Ganz klar: Mansaf. Es ist das Nationalgericht Jordaniens und steht für Familie, Großzügigkeit und Zusammenhalt. Es besteht aus Lammfleisch, das in einer besonderen Soße aus getrocknetem Joghurt (Jameed) gekocht wird, serviert auf Reis und dünnem Fladenbrot. Für mich ist es mehr als nur ein Gericht: Es ist das Essen, das bei Hochzeiten, Festen und den wichtigsten Momenten des Lebens auf den Tisch kommt. Wenn ich Mansaf rieche, denke ich an Zuhause, Familie und Wärme – egal, wo auf der Welt ich gerade bin.

Brücken bauen: Zwischen zwei Welten

Was sind für Sie die prägnantesten Unterschiede zwischen der jordanischen und der deutschen Kultur?

 

Ein großer Unterschied ist der Umgang mit Zeit. In Jordanien ist Zeit oft flexibel – der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht der Terminplan. In Deutschland habe ich gelernt, wie wichtig und auch wohltuend Pünktlichkeit, Struktur und Verlässlichkeit sind. Auch die Kommunikation ist anders: In Jordanien sprechen wir oft emotionaler, in Deutschland klarer, direkter und sachlicher. Beides hat seinen Wert, und ich habe gelernt, zwischen diesen Welten zu wechseln.

 

Was vermissen Sie an Ihrer Heimat – und was schätzen Sie an Kronach?

 

Manchmal vermisse ich das laute, spontane Leben, die ständigen Besuche, das Gefühl, dass immer jemand da ist. An meiner neuen Heimat Kronach schätze ich besonders die Ruhe, die Natur und die Ehrlichkeit der Menschen. Kronach ist vielleicht klein – aber das Herz der Menschen hier ist groß.