Burnout durch Schlafmangel?© Foto: Canva
Schlafstörung als Ursache

Burnout durch Schlafmangel?

Berlin

Schlechter Schlaf ist ungesund und kann sich in vielerlei Art auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit auswirken. Gerade Berufstätige, die länger unter Schlafstörungen leiden, sollten aufpassen.

Junge Frau hält Handy in der Hand
Es ist wichtig, nach dem Feierabend abzuschalten | Foto: Canva

Stress gilt als einer der Hauptgründe für das Auftreten eines Burnouts. Doch chronischer Schlafmangel sollte in diesem Zusammenhang nicht unterschätzt werden.

Wer nachts noch an die Arbeit denkt und gedanklich keinen Feierabend machen kann, den plagen meist schlaflose Nächte. Und das kann ein erstes Warnsignal für ein drohendes Burnout sein. Dr. Christian Lechner ist Chefarzt der Neurologie und Neurogeriatrie sowie des Schlafmedizinischen Zentrums im Helios Amper-Klinikum Dachau und ordnet ein, warum zu wenig Schlaf förderlich für das Burnout-Syndrom ist und was dagegen hilft.

Oft sind Menschen mit einer hohen Leistungsbereitschaft und Leistungsansprüchen an sich selbst betroffen.

Dr. Christian Lechner ist Chefarzt der Neurologie und Neurogeriatrie sowie des Schlafmedizinischen Zentrums | Helios Amper-Klinikum Dachau

Wie äußert sich das Burnout-Syndrom?

Mann auf Bett müde
Schlafstörungen sind ein Symptom von Burnout | Foto: Canva

Das Burnout-Syndrom ist eine nicht eindeutig fassbare Störung, die (meist) oft mit dem Arbeitsleben verbunden ist. Es äußert sich durch körperliche Beschwerden und seelische Erschöpfung. Zu den ersten Symptomen eines Burnouts zählen Schlafstörungen (Insomnie), Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und Verlust der Lebensfreude. Zudem kann es auch zu Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit bis hin zu Zynismus dem Arbeitgeber gegenüber kommen.

"Oft sind Menschen mit einer hohen Leistungsbereitschaft und Leistungsansprüchen an sich selbst betroffen", sagt Dr. Christian Lechner. Fehlende Bestätigung persönlicher Erfolge im Arbeitsumfeld oder auch fehlende Anerkennung durch den Arbeitsgeber spielen nicht selten eine große Rolle. Die zunehmende Arbeitsmenge, die geringe Fähigkeit, sich von beruflichen Anforderungen in der Freizeit zu distanzieren, eine ständige Erreichbarkeit aber auch das fehlende Können abzuschalten, erhöhen das Risiko eines Burnouts.

Wie äußert sich chronischer Schlafmangel?

Menschen schlafen in der Regel zwischen sieben und acht Stunden. Wenige kommen mit sechs Stunden pro Nacht aus, einige benötigen sogar neun bis zehn Stunden, um ausgeruht zu sein. "Der Schlaf spielt für unser Wohlbefinden sowie unsere körperliche und seelische Gesundheit eine wesentliche Rolle", so der Schlafmediziner aus Dachau.

Ein typisches Phänomen von Schlafmangel ist der vermehrte Appetit auf zuckerhaltige Lebensmittel, aber auch erhöhter Blutdruck. Eine verminderte Schlaftiefe und gestörte Schlafrhythmen bringen den Hormonhaushalt durcheinander. "Nicht selten haben Menschen mit Schlafmangel auch Probleme mit dem Gewicht und ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes und Unfälle.

Der Schlaf spielt für unser Wohlbefinden sowie unsere körperliche und seelische Gesundheit eine wesentliche Rolle.

Dr. Christian Lechner ist Chefarzt der Neurologie und Neurogeriatrie sowie des Schlafmedizinischen Zentrums | Helios Amper-Klinikum Dachau

Die Auswirkungen von Schlafmangel

Während der Mensch schläft, regeneriert sich vor allem das Gehirn. Der nächtliche Schlaf ist gekennzeichnet durch eine typische Abfolge von Schlafstadien, die unterschiedliche Funktionen erfüllen.

In der ersten Nachthälfte produziert der menschliche Körper Hormone, die wichtig für Wachstum, Wundheilung und Zellregeneration sind. Gleichzeitig nehmen die Stresshormone Cortisol und Adrenalin ab.

Die Tiefschlafphase dient vor allem der Entmüdung. Der Traumschlaf, auch REM- oder Rapid-Eye-Movement-Schlaf tritt vorwiegend in der zweiten Nachthälfte auf und dient dazu, wichtige Informationen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis zu übertragen.

"Ein verkürzter Nachtschlaf betrifft vor allem die REM-Schlafphase. Das kann zu Störungen des Gedächtnisses, aber auch der Konzentration und Reaktionsfähigkeit führen", so Schlafmediziner Dr. Lechner.

Eine Schlafstörung erkennen

Junge Frau müde zwischen Bücher
Vor Prüfungen kann der Schlaf durchaus mal kürzer ausfallen | Foto: Canva

Die Gründe für Probleme beim Einschlafen, Durchschlafstörungen und folglich nicht ausreichend Schlaf sind vielseitig. Es kann einfach an falschen Gewohnheiten, Depressionen, Stress oder auch Medikamenten, Ernährungsstörungen und vielem mehr liegen.

Kurzandauernde Schlafstörungen, etwa vor einer Prüfung sind normal und nicht besorgniserregend. Betroffene können in solchen Fällen bereits mit kleinen Stellschrauben viel bewirken. 

"Von einer medizinisch relevanten Schlafstörung sprechen wir in der Schlafmedizin, wenn jemand über einen Zeitraum von drei Monaten mehr als drei Tage pro Woche unter Ein- und Durchschlafstörungen leidet", sagt Dr. Christian Lechner.

Von einer medizinisch relevanten Schlafstörung sprechen wir in der Schlafmedizin, wenn jemand über einen Zeitraum von drei Monaten mehr als drei Tage pro Woche unter Ein- und Durchschlafstörungen leidet.

Dr. Christian Lechner ist Chefarzt der Neurologie und Neurogeriatrie sowie des Schlafmedizinischen Zentrums | Helios Amper-Klinikum Dachau

Erhöhtes Risiko für Burnout durch Schlafmangel?

"Schlafmangel ist die Folge eines Burnout-Syndroms, aber gleichzeitig auch ein gravierender Risikofaktor", so der Chefarzt.

Durch Müdigkeit und fehlenden Antrieb sinkt die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sowie die Arbeitsgeschwindigkeit. Menschen mit hohen Ansprüchen an die eigene Leistung im Arbeitsleben werden dadurch extrem beansprucht und verunsichert. Zunehmende Zweifel an der Leistungsfähigkeit und das Unvermögen die aktuelle Situation zu verändern, können ein Burnout stark begünstigen.

Burnout-Symptome und Warnsignale sind:

  • zunehmende Reizbarkeit
  • Apathie
  • zunehmender Interessensverlust
  • bleierne Müdigkeit
  • Frustration
  • Gefühl der Hilflosigkeit

Schlafstörung durch Burnout – was hilft?

Um eine Insomnie durch Burnout zu behandeln, sind eine Analyse und Symptomsuche in der Arbeitswelt gefragt – nicht selten durch die zuständigen Arbeitsmediziner. Zudem sollten Betroffene auch psychotherapeutische Angebote und eine schlafmedizinische Beratung nutzen, um wieder zu einem gesunden Schlaf zu finden.

"Zwar können Medikamente Schlafstörungen lindern, von klassischen Schlafmitteln rate ich jedoch ab, da diese abhängig machen können", so Dr. Christian Lechner. Medikamente gegen Schlafstörungen sollten von einem Spezialisten verordnet werden. Die Dauer der Einnahme sollte zudem begrenzt sein und regelmäßig überprüft werden.

Tipps für einen erholsamen Schlaf

"Wichtig ist für Betroffene, dass sie das Privatleben und die Arbeitswelt trennen. Gerade in der aktuellen Welt des Home-Office und der psychischen Belastungen fällt das nicht immer leicht", so Schlafmediziner Dr. Lechner.

Fünf Tipps gegen Schlaflosigkeit:

  • privates Umfeld bewusst gestalten und mit Struktur versehen
  • körperliche Bewegung
  • regelmäßig Sport
  • Verzicht oder Reduktion von Alkohol
  • regelmäßige Erholungsphasen

Erholsamer Schlaf ist wichtig

Schlafstörungen können viele Auslöser haben. Sorgen, Stress und Kummer – auch um den Job – zählen zu den häufigsten Ursachen. Dabei ist gesunder Schlaf besonders wichtig und hat neben der Regeneration des Organismus noch viele weitere Funktionen. Etwa die Wiederherstellung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit und Gedächtnisbildung. Wichtig ist daher auch im Job "Nein" sagen zu können und die eigene Situation realistisch einzuschätzen, bevor das Abschalten nach Feierabend nicht mehr gelingt.