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Ramadan Kareem-Fotografie, Laterne in Form einer Mondsichel am Strand vor Sonnenuntergang, Hintergrund für Eid Mubarak-Grüße 2024

Interview

mit Oberarzt Dr. Muhanned Alhussieni

Was bedeutet Ramadan für Sie ganz persönlich?


Gott sagt, alle Religionen sollen fasten – egal ob christlichen, jüdischen oder islamischen Glaubens. Und wir im Islam stellen Gott nicht in Frage. Wenn er sagt, wir sollen fasten, dann tun wir das. Der Ramadan ist unsere Prüfung, ob wir gehorsam sind.


Es gibt natürlich auch Benefits, also medizinische Vorteile für den Körper. Es ist gut für den Blutzucker, man verliert Fett. Aber in erster Linie geht es darum, das zu tun, was Gott uns sagt. Das ist die Philosophie unseres Glaubens, unser Grundsatz.


Was sich viele nicht vorstellen können: Der Ramadan ist für uns eigentlich der absolute Lieblingsmonat. Es ist eine ganz besondere, intensive Zeit mit Gott. Gott macht uns in dieser Zeit ganz besondere Geschenke, er erhört unsere Gebete und vergibt uns unsere Fehler. Wir warten also richtig auf Ramadan und diese intensive Zeit mit Gott.


Ramadan ist auch eine Zeit, in der wir noch mehr als sonst auf die Menschen achten, die Not leiden. Wenn jemand Hunger hat, weil er fastet, dann fühlt er das Gleiche, was arme Menschen jeden Tag unfreiwillig fühlen. So entsteht mehr Mitgefühl für sie. Wir sammeln im Ramadan außerdem Geld und geben es an die Armen. Ich habe mit meiner Familie einmal sehr viel Geld gesammelt. Wir haben Lebensmittel gekauft, Pakete gepackt und sie an Bedürftige verteilt. Auch das ist der Gedanke des Ramadan: für andere da sein, auf unsere Mitmenschen, denen es nicht so gut geht, achten. Unser Prophet war ein sehr lieber und großzügiger Prophet


Was sind die Herausforderungen für Sie in Deutschland?


Viele denken, dass es uns stört, wenn Menschen um uns herum essen. Sie entschuldigen sich sogar dafür. Doch das stört mich überhaupt nicht. Und es ist für mich auch nicht schwierig zu fasten. Tagsüber ist es einfach.


Aber wenn ich in Deutschland bin, bin ich abends oft allein. Ich telefoniere dann viel mit meiner Familie, aber es ist nicht das Gleiche, als wenn man zusammen ist. Deswegen fliege ich im Ramadan gern zu meiner Familie.


Es ist ein bisschen wie Weihnachten in Deutschland – alle kommen zusammen. Wir essen gemeinsam, wir feiern gemeinsam, wir verbringen Zeit miteinander. Das vermisse ich, wenn ich den Ramadan in Deutschland verbringe.


Lassen Sie andere an Ihrer Religion teilhaben oder leben Sie diese lieber im Stillen? Und wie reagieren die Menschen, wenn sie davon erfahren?


Eigentlich sagt unser Prophet: Bitte, sagt meine Botschaft auch allen anderen Menschen. Doch als ich nach Deutschland gekommen bin, wurde mir gesagt, man solle nicht über Religion reden. Also rede ich nur darüber, wenn ich gefragt werde.


Es gibt leider sehr viele Vorurteile über den Islam und auch über den Ramadan. Die Medien zeigen oft ein verzerrtes, falsches Bild. Sie machen uns zu Tätern, zu Dieben, zu Mördern – dabei sind wir ein sehr freundliches Volk. Den Menschen wird suggeriert, alle Muslime seien böse. Doch wir sind sehr weltoffen und tolerant.


Wir interessieren uns nicht dafür, ob oder welchen Glauben unser Gegenüber hat. Wir richten nicht darüber, welcher Glaube richtig ist. Das kann allein Gott. Überall auf der Welt gibt es gute und schlechte Menschen. Wir dürfen niemals generalisieren.