Wahr oder falsch? Mythen rund ums Herz

Wahr oder falsch? Mythen rund ums Herz

Leipzig

Lebenswichtig für uns Menschen sind so einige Organe. Ohne z. B. die Leber oder die Nieren können wir nicht existieren. Und dennoch ist es das Herz, um das sich die meisten Mythen ranken. Nicht alle sind wahr. Wir haben uns im wahrsten Wortsinn ein Herz gefasst und starten eine Blog-Reihe, die sich mit eben diesen befasst.

Mythos Herz – Folge 1

Vom Herz erzählt man sich viel. Legenden, Überlieferungen, vermeintliche Fakten. Bei manch einem hüpft das Herz vor Liebe, während jemand anderem das Herz an trüben Tagen schwer wird. Redewendungen, Weisheiten, Gedichte – man macht sich so seinen Reim auf das Kraftwerk unseres Lebens. Hier kommt die erste Folge unserer Blog-Reihe rund um die Herzmythen.

Schlägt das Herz schneller, wenn wir verliebt sind?

Es ist wirklich interessant. Als wenn Freud und Leid enge Verwandte wären. Denn wenn wir verliebt sind, sorgt das Gehirn für die gleichzeitige Ausschüttung von Glücks- und Fluchthormonen. Die Mischung verursacht, dass unser Herz schneller schlägt und wir aufgeregt sind. Wir befinden uns dann sozusagen in Alarmbereitschaft und haben ähnliche Symptome wie in einem Zustand der Angst. Beim Verliebtsein verursachen die Fluchthormone Adrenalin und Noradrenalin Stress. Glücksgefühle vermitteln Dopamin, Endorphin und Serotonin. Fürs Verliebtheitsgefühl sorgt Oxytocin, das auf das Belohnungssystem im Gehirn wirkt. Hinzu kommen die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron, die das sexuelle Verlangen bestimmen. Wenn wir also verliebt sind, ist ein großer Hormoncocktail im Spiel. Ob es eine glückliche Liebe wird, liegt allerdings an uns und am Gegenüber. Wir drücken die Daumen!

Übrigens kennen Kardiolog:innen das gebrochene Herz als Erkrankung, als Broken-Heart-Syndrom. Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt, jedoch ist die Herzdurchblutung in den Herzkranzgefäßen intakt. Auslöser für die Erkrankung sind starke emotionale Belastungen. Warum Frauen häufiger vom Broken-Heart-Syndrom betroffen sind als Männer, ist unklar.

Das Herz reagiert sensibel auf emotionale Zustände. Sind die Zustände positiv geprägt, ist meist wenig zu befürchten. Wenn Emotionen belastend sind, vor allem über einen längeren Zeitraum, sollte man achtsam sein.

Dr. med. Hilka Gunold, Oberärztin der Universitätsklinik für Kardiologie Leipzig und Leiterin der Ambulanz Psychokardiologie

Ist das Herz der Sitz der Seele?

Na, das sind eigentlich zwei Fragen in einer. Um zu beantworten, ob das Herz der Sitz der Seele ist, müssen wir klären, was die Seele ist oder sein kann. Einfach, damit wir über dasselbe sprechen. Den Begriff Seele finden wir in der Religion, der Philosophie, in mythischen Traditionen und der Psychologie in teils unterschiedlichen Bedeutungen. Wir wollen uns auf Gefühlsregungen und geistige Vorgänge fokussieren, den psychologischen Zusammenhang also. Schließlich heißt das griechische Wort Psyche übersetzt Seele.

Im Herz kommen quasi Seele und Körper zusammen. Oder anders gesagt: Über das Herz ist die Seele spürbar. Denn wie schon beim Verliebtsein beschrieben, reagiert das Herz auf Gefühle. Starke positive aber vor allem negative Emotionen und emotionaler Dauerstress können Herzprobleme verursachen. Da macht der Satz, man solle auf sein Herz hören, doppelt Sinn. Denn wenn sich das Herz unangenehm meldet oder ins Stocken gerät, ist körperlich etwas im Argen und nicht zu selten auch seelisch etwas nicht im Gleichgewicht.

Aber wo wohnt jetzt die Seele? Im Gehirn vielleicht? Teilweise ja, denn das Gehirn sorgt für Hormonausschüttungen, die unsere Gefühlswelt beeinflussen. Umgekehrt leitet das Herz biochemische und physikalische Informationen aus dem Blut und den Zellen ans Gehirn weiter. Es fühlt, vereinfacht gesagt, schon einmal vor.

Wenn die Seele die Gesamtheit unserer Gefühlsregungen, geistigen Vorgänge, unseres Bewusstseins – letztlich unserer Persönlichkeit – ist, dann wohnt wenigstens ein Teil davon auch im Herz.

Für ein gesundes Herz sind ein ausgeglichener körperlicher Lebensstil aber auch ein ausgeglichenes Seelenleben von Bedeutung.

Dr. med. Hilka Gunold

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