„Frühzeitig gut behandelbar“© Foto: Quelle: Canva
Eine rechtzeitige Diagnose ist entscheiden für die Lebensqualität von Rheumapatienten

„Frühzeitig gut behandelbar“

Wiesbaden

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Rheuma ist eine Volkskrankheit, die als chronische Erkrankung das weitere Leben bestimmen kann. Ein Fakt, der vielen Patienten erstmal den Boden unter den Füßen wegzieht.

Wird die Autoimmunerkrankung jedoch rechtzeitig erkannt und therapiert, können Betroffene von einer effektiven Behandlung mit gewonnener Lebensqualität profitieren. Wie sehen die aktuelle Forschung, Behandlungsoptionen und die Versorgung von Rheumapatienten in Wiesbaden-Taunus aus?

Rheuma ist keine „Alte-Leute-Krankheit“, sondern betrifft auch Kinder und junge Erwachsene. Für Betroffene geht die Erkrankung häufig mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in den Gelenken einher. Ursache der Autoimmunerkrankung ist eine Entzündung, die Gelenke, Knochen und die inneren Organe angreift. „Hinter Rheuma verbirgt sich kein eigenständiges Krankheitsbild“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann, Chefärztin der Klinik für Rheumatologie, klinische Immunologie und Nephrologie an den Helios Dr. Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden. „Vielmehr verstecken sich dahinter mehr als 100 verschiedene rheumatische Erkrankungen mit ganz unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten.“

 

Unter dem Oberbegriff „Rheuma“ werden vier Hauptgruppen unterschieden: Entzündlich-rheumatische Autoimmunerkrankungen, degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Weichteilrheumatismus und Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden. Rheuma ist also nicht gleich Rheuma. Meist schleichend können im Krankheitsverlauf unbehandelt die Gelenke zerstört oder auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. Manche Autoimmunerkrankungen (Kollagenosen, Gefäßentzündungen/Vaskulitiden) betreffen sogar primär Nieren, Lunge, Darm, Haut, Herz oder die Augen. Die häufigste entzündlich rheumatische Erkrankung ist die Rheumatoide Arthritis, ca. 550.000 Menschen in Deutschland sind davon betroffen.

Je früher die Diagnose, desto größer die Langzeiterfolge

Neue Klassifikationskriterien ermöglichen es, eine Rheumatoide Arthritis heute früher zu erkennen. Ziel der Rheumatherapie ist ein entzündungsfreier Zustand, auch Remission genannt, der dank der zur Verfügung stehenden hochwirksamen Medikamente besser erreicht werden kann. „Heilbar ist die Erkrankung jedoch in den meisten Fällen nicht“, betont die Rheumatologin ausdrücklich. „Ziel ist primär der entzündungs- und schmerzfreie Zustand ohne Funktionseinschränkungen, in manchen Fällen muss eine Rest-Krankheitsaktivität akzeptiert werden.“ Wird Rheuma diagnostiziert, ist ein rascher Therapiebeginn entscheidend. „Heute werden keine reinen symptomlindernden Medikamente mehr eingesetzt. Stattdessen startet man frühestmöglich mit der immunmodulierenden „Basistherapie“, um eine Rückbildung der Gelenkentzündung und damit den Erhalt der Gelenkfunktion zu bewirken. Die Zerstörung der Gelenke wird so verhindert“, sagt Prof. Märker-Hermann. Die häufig bei Rheumaerkrankten begleitend auftretenden Herzkreislauferkrankungen seien durch die Behandlung der Grunderkrankung besser behandelbar und die Lebenserwartung der Betroffenen entspricht mittlerweile der der allgemeinen Bevölkerung.

Wenn die konservative Therapie ausgeschöpft ist

Zeigen die medikamentöse Basistherapie und regelmäßige Physiotherapie nicht den gewünschten Erfolg, sollte über eine orthopädisch-operative Behandlung nachgedacht werden. „Wichtig ist es, den Zeitpunkt zu erkennen, wann operative Maßnahmen notwendig sind. Wenn es bereits zu bleibenden Schäden gekommen ist, kann etwa die Entfernung einer entzündlich veränderten Gelenkschleimhaut befallene Gelenke oder Sehnen schützen. Manchmal bringen auch wiederherstellende Eingriffe oder sogar ein Gelenkersatz eine deutliche Besserung“, erklärt Prof. Märker-Hermann