Einfach ruhig Blut bewahren
Wie messe ich meinen Blutdruck richtig?

Einfach ruhig Blut bewahren

München

Regen wir uns auf, kann der Blutdruck schon mal steigen. Ist er jedoch ständig erhöht, wird er gefährlich: Herzinfarkt und Schlaganfall sind lebensbedrohliche Folgeerkrankungen. Ein einfaches Mittel kann daher Leben retten: Blutdruckmessen.

Deutschland ist Spitzenreiter im Bluthochdruck: Fast ein Drittel der über 45-Jährigen haben hierzulande eine diagnostizierte Hypertonie. Ab 65 Jahren ist sogar mehr als jeder Zweite betroffen. Die Dunkelziffer liegt noch höher: Viele Menschen ahnen nicht, dass ihr Herz sich überanstrengt und die Arterien unter Hochspannung stehen. Der vermeintlich plötzliche Herzinfarkt oder Schlaganfall wird oft begünstigt von langjährigem Bluthochdruck. "Bluthochdruck tut erst mal lange nicht weh und wird deshalb nicht wahrgenommen", sagt Dr. med. Birgit Hildebrandt, Medizinische Leiterin der Helios Prevention Center (HPC). Die ersten Symptome wie Leistungsabfall, Kurzatmigkeit, Kopfschmerz, Schwindel, Tinnitus, Nasenbluten oder Nervosität sind unspezifisch und treten nicht immer auf.

Hochleitungsorgan Herz

Das Herz schlägt im Durchschnitt 70 Mal pro Minute. Bei jedem Schlag derselbe Kreislauf: Die linke Herzkammer zieht sich zusammen (Systole) und stößt Blut in die Hauptschlagader. Von hier verteilt sich das Blut über die Arterien im ganzen Körper. In der darauffolgenden Entspannungsphase dehnt sich die Herzkammer aus (Diastole) und füllt sich wieder mit Blut. Beim Stoß erhöht sich der Druck in den Blutgefäßen (systolischer Blutdruck), in der Entspannung sinkt er (diastolischer Blutdruck). Daher besteht der Blutdruckwert aus zwei Ziffern, gemessen in der Einheit Millimeter Quecksilbersäule, kurz mmHg.

Wann ist Blutdruck zu hoch?

"Ein Blutdruck unter 135/85 mmHg in Ruhe ist normal. Bei Werten über 140/90 mmHg spricht man von arterieller Hypertonie, und zwar unabhängig vom Alter", sagt Dr. Hildebrandt. Ist der Blutdruck dauerhaft erhöht, schädigt der hohe Druck die Arterienwände und begünstigt dort Ablagerungen. "Bestehen weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes oder eine Erhöhung der Cholesterinwerte, kommt das einem Frontalangriff auf die Arterien gleich", sagt Dr. Hildebrandt. In der Folge verlieren die Arterien ihre Elastizität und verengen sich weiter, was wiederum den Blutdruck steigen lässt und die Durchblutung der Organe verschlechtert. Lässt man den Herzmuskel langfristig gegen diesen hohen Widerstand arbeiten, verdickt er sich, kann nicht mehr ausreichend Blut in der Füllungsphase aufnehmen und pumpt nicht mehr so kräftig.

Ab 35 Jahren regelmäßig messen

Seinen Blutdruck zu beobachten, kann also das eigene Leben schützen. Das Messen tut nicht weh, ist einfach und schnell durchzuführen. "Ab Mitte 30 sollte jeder mindestens jährlich seinen Blutdruck bestimmen lassen oder selbst messen. Liegen Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes vor, dann sollte eine Messung monatlich erfolgen", empfiehlt Dr. Hildebrandt. Sind die Werte wiederholt erhöht, ist der Gang zum Arzt ratsam, der ein genaues Risikoprofil erhebt und weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine 24-Stunden-Blutdruckmessung, durchführt. Stress fürs Herz vermeiden Die beste Prävention gegen Bluthochdruck ist eine gesunde Lebensführung. "Dazu gehört eine alltagstaugliche Kombination aus gesunder, kochsalzbewusster Ernährung, regelmäßigem Sport, Entspannung und dem Pflegen von sozialen Kontakten und Hobbys", fasst Dr. Hildebrandt zusammen. Denn Bewegungsarmut schlechte Ernährung, Tabakkonsum, Übergewicht und dauerhafte Stressbelastung sorgen dafür, dass unser Herz unablässig auf Hochtouren gegen ein verengtes Gefäßsystem arbeiten muss.

Tipps fürs Blutdruckmessen

  • Lassen Sie sich beim Kauf eines Blutdruckgerätes hinsichtlich der Manschettengröße fachkundig beraten.
  • Messen Sie nicht in Hektik. Setzen Sie sich und nehmen Sie sich vor dem Messen mindestens fünf Minuten Zeit, um in Ruhe durchzuatmen.
  • Die erste Messung sollte an beiden Armen erfolgen. Sind die Werte in etwa identisch, dann bleiben Sie zukünftig bei dem Arm mit der geringeren Muskelmasse, bei Rechtshändern oftmals der linke Arm. Besteht auch in der zweiten Kontrollmessung ein großer Unterschied (über 20 mmHg) zwischen den Werten beider Arme, besprechen Sie diesen Befund mit Ihrem Hausarzt.
  • Sollten Sie Herzrhythmusstörungen haben, lassen Sie den Blutdruck beim Hausarzt messen – in diesem Fall liefern die handelsüblichen Geräte häufig falsche Werte.
  • Messen Sie möglichst zu festen Zeitpunkten, und immer dann, wenn Sie unklare Symptome wie Kopfschmerzen, Nervosität o.ä. bemerken.
  • Schreiben Sie die gemessenen Werte mit Kommentaren zu Ihrem Wohlbefinden auf - das sind für Ihren Hausarzt wertvolle Informationen

Tipps: Wie Sie Bluthochdruck vorbeugen

  • Treiben Sie regelmäßig Sport: mindestens drei Mal wöchentlich 30 Minuten, z.B. Rad fahren, Laufen, Tennis spielen, Rudern.
  • Steigern Sie die Bewegung im Alltag: Nehmen Sie die Treppe statt Aufzug oder Rolltreppe und steigen Sie wann immer möglich aufs Fahrrad statt ins Auto.
  • Gesunde Ernährung: Halten Sie feste Mahlzeiten ein. Meiden Sie Fastfood und Softdrinks – sie enthalten meist viel Fett, Salz oder Zucker. Verzichten Sie aufs Nachsalzen.
  • Normalgewicht halten: Der Bauchumfang in Nabelhöhe sollte bei Frauen nicht mehr als 80 Zentimeter, bei Männern nicht mehr als 94 Zentimeter betragen – oberhalb dieser Werte steigt das Herzinfarktrisiko.
  • Mit dem Rauchen aufhören: Da jede einzelne Zigarette die Gefäße für zirka acht Stunden verengt, bringt es wenig, die Tabakmenge nur zu reduzieren statt das Rauchen ganz aufzugeben.
  • Entspannen lernen: Bei dauerhaft erhöhter Stressbelastung sind Entspannungsübungen hilfreich.