Helios CEO Robert Möller im Interview

Robert Möller ist seit Februar Vorsitzender der Geschäftsführung von Helios Deutschland. Er bezeichnet sich selbst als echten Helios Fan und möchte, dass unser Unternehmen gesundheitspolitisch eine größere Rolle spielt. Ein Interview mit dem neuen CEO.

Ich möchte, dass Helios sich noch mehr als bisher an der Ausgestaltung der zukünftigen medizinischen Versorgung beteiligt.

Robert Möller, Helios CEO

Herr Möller, seit Februar 2022 lenken Sie als CEO, also als Vorsitzender der Geschäftsführung, die Geschicke von Helios Deutschland. Was hat sich seitdem in Ihrem Leben verändert?

Tatsächlich blicke ich auf sehr bewegte und turbulente Wochen zurück, die seit der Entscheidung für meine Berufung zum CEO vergangen sind – eine solche Anfrage ist ja etwas Außergewöhnliches.  Zunächst habe ich mich mit meinem persönlichen Umfeld und mit meiner Familie über die anstehenden Veränderungen abgestimmt. Dann galt es, die aus meiner Sicht notwendigen Strukturänderungen im Unternehmen zu definieren, vorzubereiten und umzusetzen und einen inhaltlichen Fahrplan für die kommenden Monate zu erstellen.

Und Ihre Region Süd?

Hier war mir natürlich besonders wichtig, die personellen Nachfolgefragen in meiner bisherigen Region möglichst zügig zu lösen. Und dann hieß es Abschied nehmen – von Wiesbaden und von der Region Süd. Das ist mir tatsächlich sehr schwer gefallen! Das Team der Region Süd ist eng zusammengewachsen, und neben der professionellen Zusammenarbeit sind persönliche Beziehungen entstanden, die zeitlich nun weniger intensiv gelebt werden können.

Auf der anderen Seite konnte ich nun meinen Dienstsitz wieder nach Hamburg verlegen – und das bringt mich persönlich wieder viel näher an meinen Lebensmittelpunkt, der ja schon in den letzten 30 Jahren Hamburg war. Hier bin ich in der ENDO-Klinik ausgesprochen freundlich empfangen worden, und künftig werde ich meine Tätigkeit dann zwischen Hamburg, Berlin und Bad Homburg aufteilen.

Um Sie als Privatperson und als neuer CEO etwas besser kennen zu lernen – verraten Sie uns die drei Worte, die Sie jeweils beruflich und privat am besten beschreiben?

Beruflich: teamorientiert, zielstrebig und initiativ – trotzdem besonnen, wertschätzend und integrativ.
Persönlich: kontaktfreudig, unternehmungslustig, familienorientiert.

Im aktuellen H-Magazin legen wir einen Schwerpunkt auf das Herz. Abgesehen davon, dass Sie auch in der Kardiologie tätig waren – was liegt Ihnen denn besonders am Herzen?

Ich bin schon seit vielen Jahren ein echter Helios-Fan. Für jeden, der sich mit der Krankenhausbranche auseinandersetzt, dürften die Gründe auf der Hand liegen: Der Anspruch, Medizin in bestmöglicher Qualität anzubieten, ist nach meiner Einschätzung nirgendwo so ernsthaft auf der täglichen Agenda wie bei uns. Zugleich ringen wir permanent um die bestmögliche Angebotsstruktur für die Patient:innen, und die Kombination aus beiden lässt uns oft den einen entscheidenden Schritt in Führung gehen.

Ich möchte, dass Helios sich noch mehr als bisher an der Ausgestaltung der zukünftigen medizinischen Versorgung beteiligt. Dass wir noch mehr Verantwortung für die Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems übernehmen als bisher. Wir haben sehr gute Beweggründe und Argumente dafür, künftig eine größere Rolle zu spielen.

Dann gleich noch ein Blick in die nahe Zukunft: Wenn Sie in die Glaskugel schauen, wie sieht Ende 2022 unser Leben mit Corona aus?

Ich glaube, dass wir weitestgehend unaufgeregten Umgang mit dem dann natürlich immer noch vorhandenen Virus pflegen werden – immer vorausgesetzt, es entwickeln sich keine bedrohlicheren Mutationen. Corona wird uns auch in Zukunft beschäftigen, aber immer weniger als Bedrohung wahrgenommen werden. Ich hoffe sehr, dass wir die pandemiebedingten gesellschaftlichen Spannungen dann überwinden werden. Und mit Blick auf unser Unternehmen hoffe ich natürlich, dass wir uns zunehmend wieder jenen medizinischen Fragestellungen widmen können, die sich außerhalb der Themen Pandemie, Krisenstab, Impfpflicht und Allgemeinverfügung bewegen.

Unsere Rolle in der Pandemie

Wir leben durch Corona seit nun zwei Jahren in einer außergewöhnlichen Situation. Wie hat Corona Ihren Alltag verändert und denken Sie, Corona hat auch Chancen für die Medizin gebracht?

Mein Alltag hat sich durch die Pandemie weniger verändert als vielleicht erwartet. Schon 2018/2019 hatten wir begonnen, digitale Meetingformate im Management etablieren, um weniger zu reisen und die Zeit besser zu nutzen. Skype war für mich also schon vor Corona beruflicher Alltag. In der Medizin hat die Bereitschaft, sich auf digitale Formate in der Patientenversorgung einzulassen, durch die Pandemie allerdings deutlich zugenommen. Für den allenthalben geforderten und auch notwendigen Digitalisierungsschub war Corona also ein echter Beschleuniger.

Was die Rolle der Krankenhäuser in der Pandemie angeht, haben diese aus meiner Perspektive sehr viel ruhiger, gelassener und professioneller agiert, als dies öffentlich diskutiert wurde. Dafür gilt mein Dank allen Mitarbeitenden, die sich mit beeindruckendem Engagement der bis dahin unbekannten und durchaus beängstigenden Herausforderung gestellt haben. Die von Ihnen geleistete Arbeit verdient größte Anerkennung und Respekt.

Die großen apokalyptischen Szenarien sind glücklicherweise ausgeblieben, auch wenn sie regelhaft heraufbeschworen wurden – überwiegend von bestimmten Interessengruppen außerhalb der Kliniken. Sie waren in meiner Wahrnehmung mehr von Einzelinteressen getrieben als von einer realistischen Beschreibung der tatsächlichen Situation. Als Unternehmen haben wir die Pandemie richtigerweise sehr ernst genommen, aber zu keiner Zeit überreagiert.

Was man sagen muss: Die öffentliche Wertschätzung der Leistungen der Krankenhäuser, hier speziell der Pflege, hat sicher zugenommen. Sie hat die Diskussion um Zentralisierung und Abbau von Überkapazitäten in den Hintergrund gedrängt. Ich bin mir jedoch sicher, dass diese Diskussion rasch wieder auf der gesundheitspolitischen und damit auch auf der gesellschaftspolitischen Agenda landen wird, sobald die Pandemie überwunden ist.