Suchen
Menü
Schließen
Botschafterin Interkulturelles Jahr Griechenland

Im Gespräch mit Dafni Antoniou

Dafni Antoniou, unsere OP-Leitung, ist die Kultur-Botschafterin für Griechenland. Im Interview verrät sie, warum eine normale griechische Unterhaltung für Deutsche wie Streit aussieht, wieso man sich vor nickenden Griechen in Acht nehmen sollte und was es mit dem geheimnisvollen Wort "Malaka" auf sich hat.

Heimat & Wurzeln: Wo die Götter Urlaub machen

Woher genau kommst du?

Meine Familie stammt aus der Nähe von Kalambaka, einem Ort bei den berühmten Meteora-Klöstern in Zentralgriechenland. Das ist eine UNESCO-Weltkulturerbestätte, wo die Klöster auf riesigen Sandsteinfelsen thronen – es sieht aus, als würden sie schweben. Ein wirklich magischer Ort!
 

Dein persönlicher Geheimtipp?

Mein absoluter Lieblingsort ist Koromilia. Das ist ein winziges, hochgelegenes Dorf mit nur einem einzigen Restaurant. Von dort hat man einen fantastischen Ausblick auf die Klöster, bekommt fantastisches Essen und kann handgefertigte Ikonen bewundern. Wenn man Glück hat, trifft man dort oben auch mal bekannte Gesichter aus Kronach – die Welt ist klein, selbst im Urlaub!

Kultur & Mentalität: Laut, herzlich und ohne Regeln

Was ist der größte Unterschied zwischen der griechischen und der deutschen Kultur?

(Lacht) Oh, da gibt es einige! Wir Griechen sind laut, wir gestikulieren viel und eine normale Unterhaltung kann für Deutsche schnell wie eine hitzige Diskussion oder sogar ein Streit aussehen. Aber keine Sorge, das ist bei uns ganz normal! Wir sind einfach sehr offen, herzlich und drücken viel über Körperkontakt aus. Eine Begrüßung kann da schon mal zwei Minuten dauern, inklusive vieler Küsschen und Umarmungen.
 

Und was ist mit der berühmten deutschen Pünktlichkeit?

Regeln sind für uns Griechen eher... eine Empfehlung. Wir sind nicht ganz so pünktlich und machen die Dinge eben auf die "griechische Art". Formulare und Dokumente sind verpönt – man hat einfach die richtigen Kontakte und kommt so ans Ziel. Chaos ist normal, Connections sind alles! Und ja, der Mittagsschlaf ist heilig, aber das liegt wirklich an der Hitze. Wer um die Mittagszeit auf der Straße ist, ist garantiert ein Tourist.
 

Gibt es eine Geste, die Deutsche oft falsch verstehen?

Ja, und die ist wichtig! Ein leichtes Nicken mit einem etwas schräg gehaltenen Kopf bedeutet bei uns "Nein". Das sorgt oft für Verwirrung!

Familie & Feste: 500 Gäste sind erst der Anfang

Welche Rolle spielt die Familie?

Die Großfamilie ist für uns heilig. Normalerweise leben mindestens drei Generationen unter einem Dach. Man hilft sich, kocht füreinander, findet gemeinsam Lösungen – keiner wird alleingelassen. Privatsphäre? Die gibt es dafür eher selten.
 

Wie feiert man in Griechenland?

Groß! Bei einer traditionellen Hochzeit feiert jede Familie – also die des Bräutigams und die der Braut – erstmal allein. Das sind dann schnell mal 500 Personen pro Seite. Erst danach findet die kirchliche Trauung statt. In den letzten Jahren hat sich das etwas aufgeweicht und man feiert zusammen. Dann verdoppelt sich die Gästezahl eben auf 1000.
 

Welches ist das wichtigste Fest?

Ostern ist das größte Fest, noch wichtiger als Weihnachten. Überall werden rote Tücher aufgehängt, als Zeichen der Trauer für das Leiden Christi, und natürlich gibt es die berühmten roten Ostereier. Weihnachten beginnt bei uns erst am 25. Dezember, da der Heiligabend noch zur 40-tägigen Fastenzeit gehört.


Gibt es eine besondere Tradition, die dir am Herzen liegt?

Ja, eine sehr schöne Geste am Faschingssonntag, dem letzten Tag vor der großen Fastenzeit. An diesem Tag findet das "Bereinigen" statt. Die jüngsten Familienmitglieder verbeugen sich vor den Älteren und entschuldigen sich für alles, was im letzten Jahr vielleicht nicht so gut gelaufen ist. Als Dank und Anerkennung dafür bekommen sie von den Älteren Geld geschenkt. So kommt es, dass die Jüngsten am Ende des Tages das meiste Geld in der Tasche haben – eine schöne Art, die Beziehungen zu pflegen und unbelastet in die Fastenzeit zu starten.

Kulinarik: Das Geheimnis der Pita

Dein absolutes Lieblingsgericht?

Pita! Das ist ein Gebäck aus hauchdünnem Blätterteig mit den verschiedensten Füllungen. Ob herzhaft mit Feta und Spinat oder süß – jede Tante hat ihr eigenes Geheimrezept und macht ihre ganz besondere Spezialität. Dazu gibt es bei uns oft Reis mit Zimt.  

Zwischen zwei Welten: Dafnis Weg nach Kronach

Du bist ja ein echtes Kind zweier Kulturen. Wie war dein Weg?

Ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern sind in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Mit 7 Jahren durfte ich dann aber zurück nach Griechenland, um dort die Schule zu besuchen – bis zum Abitur. Nach der Schulzeit kam ich wieder zurück nach Deutschland und habe am 1. April 1996 – kein Aprilscherz! – meine Ausbildung hier in der Klinik in Kronach begonnen. Seitdem bin ich hier, also schon fast 30 Jahre. Heute bin ich OP-Leitung und Koordinatorin. Ich trage also wirklich beide Kulturen in mir.

Dafnis ultimativer Tipp

"Um die griechische Seele zu verstehen, schauen Sie sich den Film 'My Big Fat Greek Wedding' an – und seien Sie sich bewusst: Das ist alles noch völlig untertrieben!"

Kurz & Knapp: Dafnis Zitate

  • Über das Leben: "Deutschland ist mein Zuhause, Griechenland meine Heimat."
  • Ein griechisches Sprichwort: "Hüte dich vor Griechen, die mit Geschenken kommen."
  • Über das Wort "Malaka": "Es kann eine üble Beleidigung oder ein liebevoller Kosename sein. Der Ton macht die Musik!"