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Wenn beim Treppensteigen die Luft wegbleibt: Aortenklappenstenose erkennen

Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leben Schätzungen zufolge mit einer Aortenklappenstenose. Bis 2040 könnte ihre Zahl sich aufgrund der steigenden Lebenserwartung auf 3,3 Millionen erhöhen. Damit ist die Aortenklappenstenose der häufigste behandlungsbedürftige Herzklappenfehler. Dennoch bleibt die Erkrankung häufig lange unbemerkt: Luftnot, Erschöpfung oder eine nachlassende Belastbarkeit werden gerade im höheren Alter nicht selten für normale Alterserscheinungen gehalten.

01.10.2026 Lesedauer: - Min.
Wenn beim Treppensteigen die Luft wegbleibt: Aortenklappenstenose erkennen

„Die Treppe zur Wohnung war früher kein Thema. Heute ist das anders“: Das sagen die wenigsten Patientinnen und Patienten so direkt. „Viele Betroffene kommen mit Luftnot zu mir in die Sprechstunde, die meisten halten das jedoch für eine Alterserscheinung“, berichtet Dr. Lutz Lefringhausen, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie sowie Ärztlicher Leiter im Helios MVZ Kamp-Lintfort. „Dass möglicherweise eine behandelbare Erkrankung zugrunde liegt, daran denken die wenigsten. Stattdessen höre ich: Ich gehe halt langsamer oder ich mache auf dem Treppenabsatz eine kleine Pause. Genau das lässt mich jedoch aufhorchen."

MVZ für Kardiologie und Pulmologie

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Ärztlicher Leiter

Wer seinen Alltag umbaut, um Luftnot zu vermeiden, hat meistens längst ein Problem.

Wenn sich die Herzklappe nur noch einen Spalt öffnet

Die Aortenklappe liegt zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader. Bei jedem Herzschlag öffnet sie sich, damit das Blut in den Körperkreislauf gelangen kann. Ähnlich einem Ventil verhindert die Aortenklappe den Rückfluss des Blutes ins Herz.

Bei einer Aortenklappenstenose verdicken und verkalken die Klappensegel zunehmend. Die Klappe verliert an Beweglichkeit und öffnet sich nicht mehr vollständig, wie bei einem eingerosteten Ventil, das sich nur noch einen Spalt weit öffnen lässt. Damit trotzdem ausreichend Blut hindurchfließt, muss das Herz immer mehr Kraft aufbringen. „Das ist im höheren Alter meistens kein Zufall, sondern schlicht Verschleiß – die Klappe wird über Jahre hinweg steifer und enger, ganz ähnlich wie auch andere Gelenke oder Gefäße altern“, erklärt Lefringhausen.

Beschwerden zeigen sich häufig erst bei Belastung

Das Herz kann die zunehmende Verengung eine Zeit lang ausgleichen. Typische Beschwerden treten deshalb häufig erst im weiteren Verlauf auf. Dazu gehören Luftnot bei körperlicher Belastung, eine nachlassende Leistungsfähigkeit sowie Druck oder Schmerzen im Brustkorb. Auch Schwindel oder eine kurze Bewusstlosigkeit können auftreten, ebenso wie auffälliges Herzklopfen oder Herzrhythmusstörungen.

Diese Symptome können auch andere Ursachen haben, etwa eine Lungenerkrankung wie COPD oder Asthma. Neu aufgetretene oder zunehmende Luftnot und Leistungseinbußen sollten daher ärztlich abgeklärt werden. „Das Herzgeräusch gibt dem erfahrenen Untersucher einen ersten Hinweis auf den Schweregrad der Klappenerkrankung“, betont der Kardiologe. „Der Herzultraschall zeigt uns nicht nur, ob und wie stark die Aortenklappe verengt ist, sondern auch, ob sie noch richtig schließt oder undicht geworden ist und wie stark das Herz dadurch insgesamt belastet wird.“

Herzultraschall schafft Klarheit

Am Anfang der kardiologischen Untersuchung steht ein ausführliches Gespräch über familiäre Vorbelastungen, die Beschwerden und Veränderungen der körperlichen Belastbarkeit. Anschließend werden Herz und Lunge untersucht sowie Blutdruck und Puls gemessen.

Die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf eine Aortenklappenstenose ist zunächst die Echokardiografie. Dabei wird das Herz mit einem Ultraschallkopf von außen durch den Brustkorb untersucht. So lassen sich unter anderem die Beweglichkeit und Verkalkung der Aortenklappe, die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes sowie die Auswirkungen der Verengung auf den Herzmuskel beurteilen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Wanddicke und Pumpfunktion der linken Herzkammer. „Wir betrachten die Ultraschallergebnisse immer zusammen mit den Beschwerden und der körperlichen Belastbarkeit unserer Patientinnen und Patienten“, führt Lefringhausen aus. „Erst daraus ergibt sich ein verlässliches Gesamtbild.“

Bestätigt sich der Verdacht oder bleiben nach dem ersten Herzultraschall Fragen offen, kann eine transösophageale Echokardiografie, kurz TEE, folgen. Bei diesem sogenannten Schluckecho wird eine dünne Ultraschallsonde über die Speiseröhre eingeführt. Da diese unmittelbar hinter dem Herzen verläuft, lassen sich die Herzklappe und angrenzende Strukturen aus nächster Nähe betrachten. Ob die Untersuchung erforderlich ist, hängt von den bisherigen Befunden und der konkreten Fragestellung ab. Je nach Befund können außerdem ein EKG, Laboruntersuchungen oder weitere bildgebende Verfahren wie beispielsweise eine Herzkatheteruntersuchung hinzukommen.

Wie geht es nach der Diagnose weiter?

Nicht jede Aortenklappenstenose muss unmittelbar behandelt werden. Entscheidend sind der Schweregrad der Verengung, die Beschwerden und die Auswirkungen auf das Herz. Bei leichteren Befunden können regelmäßige ambulante Kontrollen ausreichen.

Medikamente können eine verkalkte und verengte Aortenklappe nicht wieder öffnen. Sie können jedoch Begleiterkrankungen behandeln und bestimmte Beschwerden lindern. Hat sich infolge der Herzbelastung Flüssigkeit im Körper eingelagert, können beispielsweise entwässernde Medikamente Atemnot oder geschwollene Beine verringern. Bei einer schweren Aortenklappenstenose müssen sie sorgfältig dosiert werden.

„Wir können Beschwerden medikamentös lindern und das Herz entlasten, die Engstelle selbst aber nicht beseitigen“, erklärt der Experte.

MVZ für Kardiologie und Pulmologie

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Ärztlicher Leiter

Deshalb ist es wichtig, den Verlauf regelmäßig zu kontrollieren und bei einem schweren Befund rechtzeitig die weiteren Behandlungsmöglichkeiten zu prüfen.

Verursacht eine schwere Aortenklappenstenose Beschwerden, verschlechtert sich die Prognose deutlich: Ohne einen Ersatz der Herzklappe überlebt nur etwa die Hälfte der Betroffenen länger als zwei Jahre. Der Klappenersatz kann operativ oder mithilfe eines Katheters erfolgen und sowohl die Beschwerden als auch die Überlebenschance deutlich verbessern. Welche Behandlung geeignet ist, wird nach weiterführender Diagnostik gemeinsam in einem spezialisierten Herzteam entschieden.

Das ambulante MVZ begleitet die Patientinnen und Patienten bei der Abklärung, koordiniert bei Bedarf die stationäre Weiterbehandlung und übernimmt anschließend wieder die kardiologische Betreuung.

Nicht jede Luftnot ist eine Alterserscheinung

Eine altersbedingte Verkalkung der Aortenklappe lässt sich durch Ernährung oder Sport nicht sicher verhindern. Ein gesunder Lebensstil unterstützt jedoch das Herz-Kreislauf-System und hilft, zusätzliche Belastungen zu reduzieren. Wer bereits Beschwerden hat oder wegen eines auffälligen Herzgeräusches überwiesen wurde, sollte stärkere körperliche Belastungen mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abstimmen.

„Die Patientinnen und Patienten kennen ihre persönliche Leistungsfähigkeit meist sehr gut“, sagt Lefringhausen. „Wenn der eigene Alltag spürbar anstrengender wird, ist das ein guter Grund, genauer nach dem Herzen zu schauen.“