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Frühlingssonne mit Risiko: Warum der UV-Schutz jetzt zählt

Die Temperaturen sind noch mild, die UV-Belastung aber längst relevant. Warum die Haut gerade jetzt besonderen Schutz braucht, und welche einfachen Gewohnheiten vorbeugen, erklärt Dr. med. Kira Süßmuth, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, an der Helios Poliklinik Berlin-Buch.

30.04.2026 Lesedauer: - Min.
Woman breaths fresh air on the beach

Nach dem langen Winter ist die Sonne endlich wieder da und lockt nach draußen. Doch was dabei häufig übersehen wird: Nicht die Temperatur entscheidet, wie stark UV-Strahlung auf die Haut wirkt. Schon jetzt kann die Strahlungsintensität ausreichen, zumal die Haut nach dem Winter ihre Schutzgewöhnung weitgehend verloren hat. Zudem ist auch die Ozonschicht, die ebenfalls UV-Strahlung filtert, im Frühling noch sehr dünn.

Ein guter Orientierungspunkt ist der UV-Index. Er beschreibt, wie intensiv die UV-Strahlung an einem Tag ist. Schon ab einem Wert von 3 sollte man an Sonnenschutz denken. Wer mehr über den UV-Index und aktuelle Werte erfahren möchte, findet Informationen beim Deutschen Wetterdienst und beim Bundesamt für Strahlenschutz.

Helios Poliklinik Berlin-Buch

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Viele verlassen sich auf ihr Gefühl – und das trügt gerade im Frühjahr. Denn die Strahlenbelastung ist längst da.

Das zeigt sich besonders im Alltag: beim Spaziergang, beim Radfahren, bei der Gartenarbeit. Die Sonnenphasen wirken harmlos, summieren sich aber schneller, als man denkt.

Eine feste unbedenkliche Tagesgrenze in Minuten gibt es dabei nicht. Entscheidend sind unter anderem UV-Index, Tageszeit, Hauttyp, genetische Vorbelastung und die Frage, ob die Haut geschützt ist. Gerade die Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr gilt als besonders kritisch.

Hautschäden entstehen meist unbemerkt

Sonnenbrand ist das sichtbare Warnsignal – aber nicht das einzige. UV-Strahlung greift Hautzellen auch dann an, wenn keine Rötung entsteht. Über Jahre hinweg beschleunigt das die Hautalterung und erhöht das Krebsrisiko spürbar. Das Heimtückische: Die Schäden entstehen still und schleichend.

Helios Poliklinik Berlin-Buch

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Die Haut vergisst nichts. Jede Portion Sonne hinterlässt eine Spur – auch wenn man friert und diese Spuren nicht weh tun.

Besonders aufmerksam sollten Menschen mit heller Haut, vielen Muttermalen oder einer familiären Vorbelastung sein. Grundsätzlich gilt aber: Einen vollständigen Schutz vor UV-Schäden bietet kein Hauttyp.

Schutz im Alltag: wenig Aufwand, große Wirkung

Guter Sonnenschutz braucht keine Vorbereitung und kein Ritual. Wenige Gewohnheiten reichen, um die Haut dauerhaft zu entlasten: die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden. Freie Hautstellen sollten mit Sonnencreme mit UVA- und UVB-Schutz eingecremt werden. Mindestens Lichtschutzfaktor 50 ist sinnvoll, bei Menschen mit erhöhtem Hautkrebsrisiko – etwa nach einer Hautkrebserkrankung oder bei bekannten Vorstufen – auch ein höherer Lichtschutzfaktor.

Die Expertin empfiehlt deshalb, „wer jeden Tag draußen ist – zur Arbeit, zum Sport, im Garten – sollte den Schutz so selbstverständlich einplanen wie den Hausschlüssel.“

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Gesicht, Nacken, Ohren, Lippen und Hände. Stellen, die beim Eincremen leicht übersehen werden, aber besonders häufig von UV-Schäden betroffen sind.

Haut beobachten, Vorsorge nutzen

Zur Vorbeugung gehört auch der regelmäßige Blick auf die eigene Haut. Neue Flecken, veränderte Muttermale oder Stellen, die jucken, bluten oder nicht abheilen, sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Die Regel kann helfen, verdächtige Veränderungen früh wahrzunehmen, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung.

Was viele nicht wissen: Ab 35 Jahren haben gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening. Diese Untersuchung kann helfen, auffällige Hautveränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Frühjahr: der richtige Moment zum Umschalten

Mit dem Frühjahr beginnt für viele die aktivste Zeit des Jahres – mehr Bewegung, mehr Zeit im Freien, mehr Licht. Genau der richtige Moment, um Sonnenschutz wieder fest im Alltag zu verankern. Nicht als Einschränkung, sondern als Selbstverständlichkeit. Und bei aller Aufmerksamkeit für den UV-Schutz gilt dennoch: Sonne gehört zu einem gesunden Leben dazu. Sie unterstützt die Bildung von Vitamin D, wirkt auf den Schlaf-Wach-Rhythmus, beeinflusst unser Wohlbefinden und wird bei einigen Hauterkrankungen sogar gezielt therapeutisch genutzt. „Wir sollten die Sonne nicht meiden, sondern bewusst mit ihr umgehen“, betont Dr. Süßmuth. „Sie kann uns guttun – solange wir ihre positiven Seiten genießen, ohne die Haut unnötig zu belasten.“