KI in der Diagnostik © Foto: Simon Erath
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Zukunftsvision

KI in der Diagnostik

Deutschland im Jahr 2040: In den Kliniken hat in der bildgebenden Diagnostik die Künstliche Intelligenz (KI) übernommen. Ein realistisches Szenario? Darüber sprachen wir mit IT-Spezialistin Dr. Anna Martina Bröhan und Chefarzt Prof. Dr. Marcus Katoh.

In welchen Bereichen unterstützt die KI bereits im Klinikalltag?

Mann in Arztkittel vor Computerbildschirm
Prof. Dr. Marcus Katoh ist sich sicher, dass KI sukzessive Einzug in die Kliniken halten wird | Foto: Simon Erath

Dr. Anna Martina Bröhan: Zunächst einmal heißt KI hier im Kontext, dass ein Algorithmus, also ein Stück Software, nicht explizit Schritt für Schritt von Programmierern programmiert wurde, sondern, dass der Algorithmus durch Beispiele gelernt hat. In einigen Teilen von Auswertesoftware für die Radiologie und bildgebende Diagnostik steckt auch bereits KI drin.

Prof. Marcus Katoh: Wir arbeiten bereits mit Computer-Aided Diagnosis (CAD) bei der Detektion von Lungenrundherden in der CT oder Mikrokalzifikationen in der Mammographie, die als „Vorgängerversion“ der KI-basierten Auswertung betrachtet werden könnte.

Wo wäre ebenfalls eine Unterstützung durch KI denkbar?

Frau mit blonden Haaren in schwarzem Blazer lächelt in Kamera
Laut Dr. Anna Martina Bröhan könnte eine KI-basierte Software zunächst Bilder vorklassifizieren | Foto: Helios

Bröhan: Der Aspekt der Filterung von sogenannten Normalbefunden wird zunehmend in den Vordergrund gestellt. Hier geht es darum, dass eine KI-basierte Software zunächst Bilder vorklassifiziert. Der Röntgenthorax ist zum Beispiel eine häufig durchgeführte bildgebende Untersuchung. Eine KI-basierte Software kann hier unterstützen und die Bilder, die aller Wahrscheinlichkeit nach keine krankhaften Veränderungen aufweisen, kennzeichnen. So kann der befundende Arzt seine Aufmerksamkeit auf die auffälligen Bilder lenken.

Katoh: Für mich wäre im Alltag auch denkbar, dass mittels KI eine Priorisierung durchgeführt wird, etwa: Notfälle first. Aber auch, dass ganze Datensätze analysiert und strukturierte Befunde automatisiert erstellt werden.

Wie bekommt man die KI in die Kliniken?

Bröhan: Das ist genau die Frage, mit der wir uns von Seiten der ZD IT bei Helios beschäftigen. Neben der Auswahl der richtigen KI-Software müssen wir auch dafür sorgen, dass sie den Ärzten im klinischen Ablauf so verfügbar gemacht wird, dass sie effizient genutzt werden kann.

Katoh: Ich bin mir sicher, die KI wird sukzessive Einzug in die Kliniken halten, sobald belastbare Lösungen zur Verfügung stehen.

Wo wird auch in Zukunft in der Klinik immer ein Mensch gebraucht werden?

Bröhan: Aus meiner heutigen Sicht kann eine Software sicherlich zukünftig eine bestimmte Messung oder Auswertung in einem medizinischen Bild in vielen Fällen präziser und schneller als der Mensch vornehmen. Doch das reicht nicht aus, um einen umfänglichen Befundbericht zu erstellen. Die Gesamtheit der Informationen zu einem schlüssigen Befundergebnis und einer sinnvollen Therapieempfehlung zusammenzubringen, wird so schnell keine Maschine übernehmen können.

Katoh: Ich bin davon überzeugt, dass ein Arzt weiterhin immer die Endverantwortung übernehmen muss. Er überprüft und verifiziert die gegebenenfalls durch KI erstellten Befunde, deutet sie und bringt sie in den klinischen Kontext. Und das Wichtigste: Er kommuniziert sie dem Patienten.