Controlling der Patientensicherheit bei Helios

Helios-Patientensicherheitsindikatoren (Meldung bestimmter Schadensereignisse)

Zu den Helios- Patientensicherheitsindikatoren zählen bestimmte Schadensereignisse, die in anderen Ländern an Gesundheitsbehörden verpflichtend gemeldet werden müssen. Dort werden diese Ereignisse auch als ‚Never Events‘, ‚Adverse Events‘, ‚Sentinel Events‘ oder auch ‚Serious Reportable Events‘ bezeichnet. Einen tabellarischen Überblick mit weiterführenden Quellen über die in anderen Ländern verpflichtend zu meldenden Ereignisse in England (NHS), Australien, Neuseeland sowie den USA finden Sie hier.

Zu den Patientensicherheitsindikatoren bei Helios zählen neben ‚Never Events‘ wie Seitenverwechslungen, unabsichtlich im Körper belassenes OP-Material und schwerwiegende Medikationsfehler auch Fehldiagnosen in der Notaufnahme/Rettungsstelle und Stürze mit schweren Folgen. Nicht alle dieser Indikatoren sind vermeidbare (fehlerhafte) Ereignisse.

Unsere 2019 neu eingeführte Konzernregelung zum Umgang mit Schadensfällen verpflichtet alle Helios Kliniken, diese Indikatoren systematisch zu erfassen und zentral zu melden. Für diese schwerwiegenden Ereignisse bzw. Gesundheitsschäden wird zeitnah eine Rückmeldung eingefordert und zentral analysiert.

Im Rahmen der Patientensicherheitsindikatoren erfassen wir neben den durch die Kliniken selbst gemeldeten Fällen auch solche, die seitens der Patient*Innen im Rahmen von Haftpflichtansprüchen an uns herangetragen wurden.

Helios unterstützt die Forderung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (Positionspapier) nach der Einführung eines ähnlichen verpflichtenden Meldesystems auch in Deutschland.

Wir analysieren die länderspezifischen Berichte, um auch hier die Wirksamkeit unserer bisherigen Ansätze im internationalen Vergleich besser abschätzen und einordnen zu können.

Ausdrücklich ist aber darauf hinzuweisen, dass die Definitionen der Ereignisse in der Zusammensetzung der Kategorien sowie des Schweregrades vielfach unterschiedlich sind, so dass verlässliche Vergleiche mit anderen Ländern nur sehr schwer möglich sind. Für Deutschland liegen vergleichbare Daten bislang nicht vor.

Beispielsweise wurden vom britischen NHS in den finalen Daten für den Jahreszeitraum (April 2017 bis März 2018) 238 Fälle von Seiten- und Materialverwechslungen (Wrong site surgery/Wrong implant/prosthesis)  sowie 102 Fremdkörperereignisse (Retained foreign object post procedure) berichtet. Bezogen auf 16,6 Millionen sog. Finished Admission Episodes im gleichen Zeitraum würde dies eine Häufigkeit von etwa 1 zu 69.748 bei den Verwechslungen bzw. 1 zu 162.745 bei den Fremdkörpern bedeuten. Wendet man die etwas engere Definition des NHS auf die Helios Zahlen an, würde sich für das Jahr 2019 bei den Verwechslungsfällen eine Häufigkeit von 1 zu 46.410 (26 von 1.206.654 vollstationären Fällen) bzw. 1 zu 75.416 bei den verbliebenen Fremdkörpern (16 von 1.206.654 vollstationären Fällen) ergeben.

Haftpflichtansprüche (Patientensicht)

Die Kategorie Haftpflichtansprüche umfasst Schadenersatzansprüche dem Grunde und/oder der Höhe nach, Anträge bei Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, Ermittlungsverfahren gegen konkrete Personen, Stellungnahmen zu einem Behandlungsfehlervorwurf sowie Forderungen nach einem Verjährungsverzicht. Erfasst sind neben Vorwürfen die Behandlung betreffend auch allgemeine Haftpflichtschäden (z. B. Sturz auf dem Außengelände).

Haftpflichtansprüche umfassen in unterschiedlichem Maße alle Fachrichtungen und alle Stufen der Behandlung von Aufklärung, Diagnostik und Therapie bis zur Nachsorge.

Im vergangenen Jahr haben im Schnitt 9 von 10.000 vollstationären Patienten einen Behandlungsfehlervorwurf (berechtigt oder unberechtigt) gegen Helios-Kliniken geltend gemacht. In einer im Jahr 2017 publizierten repräsentativen Langzeitstudie über 220 Kliniken wurden rund 10 Haftpflichtansprüche je 10.000 Behandlungsfällen genannt. In Deutschland werden Statistiken zu Behandlungsfehlervorwürfen jährlich nur vom MDK/MDS sowie von den Ärztekammern (Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen) veröffentlicht. Regelmäßig veröffentlichte Statistiken von Leistungserbringern/Einzelklinikebene liegen in Deutschland bis dato nicht vor.

Helios bearbeitet und reguliert seine Haftpflichtfälle weitestgehend selbst, anstatt sie zur Bearbeitung und Regulierung an einen Versicherer abzugeben. Dies führt dazu, dass wir uns intensiv mit der transparenten Analyse unserer Haftpflichtfälle befassen und diese bei Auffälligkeiten in die Kliniken und medizinischen Fachgruppen zurückspiegeln können.

Sollten wir im Rahmen der Haftpflichtfallbearbeitung von Fällen Kenntnis erlangen, welche bereits von vornherein durch die Klinik als Patientensicherheitsindikator hätten gemeldet werden müssen, wird der Fall nachträglich als Patientensicherheitsindikator erfasst.

AHRQ-Patientensicherheitsindikatoren (Routinedaten)

Diese Indikatoren werden im Rahmen der Initiative Qualitätsmedizin in Kooperation mit der Hochschule Niederrhein aus den offiziellen Abrechnungsdaten (Routinedaten) berechnet.

Die AHRQ-Patient Safety Indicators stellen Informationen über potentiell vermeidbare, sicherheitsrelevante Ereignisse dar. Sie werden vor allem in US-amerikanischen Krankenhäusern erhoben und spielen in den USA teilweise (z. B. PSI90-Indikatorenset) eine große Rolle bei Qualitäts- und Sicherheitsrankings von Kliniken.

Die AHRQ-Indikatoren prüfen wir sukzessive auf Ihre Geeignetheit; bei Auffälligkeiten sind sie ebenfalls Aufgreifkriterium für eine interne Analyse. Aus Gründen der Transparenz stellen wir die für 2019 im Rahmen der Initiative Qualitätsmedizin berechneten Daten vollständig zur Verfügung.