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Weil Frauenherzen anders schlagen

Am heutigen Go Red for Women Day haben die Teams der Kardiologie und Elektrophysiologie am Helios Klinikum Pforzheim mit roten Accessoires ein Zeichen für die Herzgesundheit von Frauen gesetzt. Die Chefärztin für Kardiologie Prof. Dr. Ilka Ott erklärt, warum Frauenherzen anders schlagen:

02. Februar 2024
HEL-pforzheim-GoRedforWomen2024

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen bei Frauen. Auch wenn Frauen- und Männerherzen funktionell gleich aufgebaut sind, unterscheiden sie sich anatomisch doch ein wenig. Diese geschlechter-spezifischen Unterschiede erstrecken sich sowohl über die Entwicklung des Herzens während eines Lebens, aber auch über den gesamten Verlauf einer eventuellen Herzerkrankung – von den Risikofaktoren, über die Symptome und die Diagnostik bis hin zur Therapie.

 

Die Risikofaktoren

Schon während der eigenen Schwangerschaft haben Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder Blutdruck Auswirkungen auf die Herzgesundheit der Frau. Nach den Wechseljahren steigt dann die Gefahr einer Herzerkrankung weiter an, weil das Herz dann nicht mehr durch das Hormon Östrogen geschützt wird.

Neben der Vermeidung von klassischen Risikofaktoren sollten Frauen deshalb unbedingt zu viel (emotionalen) Stress vermeiden. Die Klassischen Risikofaktoren, wie Rauchen, ungesunde Ernährung, Diabetes und Bluthochdruck beeinflussen die Herzgesundheit sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Deshalb wird beiden Geschlechtern ein gesunder Lebensstil und körperliche Fitness zwingend empfohlen.

 

Symptome bei Herzerkrankungen der Frau

Sogar die Symptome einer Herzerkrankung äußern sich bei Frauen anders. Während Männer bspw. bei einem Herzinfarkt typischerweise starke Schmerzen in der Brust mit Ausstrahlungen in den linken Arm bekommen, kämpfen Frauen eher mit Atemnot, Bauchschmerzen oder Erbrechen. Auch ein Ziehen zwischen den Schulterblättern kann ein Symptom sein, ebenso wie starke Schmerzen im Kiefer. Solche Symptome sollten unbedingt abgeklärt werden. „Meine Empfehlung unbedingt auch vermeintlich herzuntypischen Symptomen Beachtung zu schenken. Denn meist treten unspezifische Symptome auf, die jedoch auf eine Herzerkrankung hindeuten: Erschöpfung, Unwohlsein, Kurzatmigkeit, abnehmende Leistungsfähigkeit, Übelkeit sowie Rückenschmerzen. Diese atypischen Symptome werden häufig unterschätzt - ein drohender Infarkt kann so zu spät erkannt oder falsch gedeutet werden“, erklärt die Chefärztin für Kardiologie Prof. Dr. Ilka Ott.

 

Diagnostik und Therapie

Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge sollten Frauen regelmäßig ihr Herz untersuchen lassen – selbst ohne (typische) Symptome. „Mein Tipp: Sprechen Sie Ihren Haus- oder Facharzt auf ihre möglichen Beschwerden an, selbst wenn diese auf den ersten Blick nicht auf eine Herzerkrankung hindeuten“, empfiehlt Prof. Dr. Ilka Ott.

Erfordert die Herzerkrankung eine medikamentöse Therapie, ist es wichtig zu wissen, dass Herzmedikamente bei Frauen anders wirken können als bei Männern. Bei Frauen treten häufiger Nebenwirkungen auf, die genau beobachtet werden sollten. Ist eine operative Therapie erforderlich, sollte diese mit dem behandelnden Arzt besprochen und individuell auf die Patientin abgestimmt werden.

Fakten zum Frauenherz auf einen Blick

·       Frauenherzen sind leichter: 4,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht versus 5,7 Gramm bei Männern.

·       Frauenherzen haben weniger Muskelmasse (Testosteron).

·       Frauenherzen schlagen schneller, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen: 70 Mal pro Minute versus 60 Mal bei Männern.

·       Herzerkrankungen entwickeln sich durchschnittlich zehn Jahre später als bei Männern.

·       Etwa ab dem 50. Lebensjahr geht die Erkrankungskurve bei Frauen weit steiler nach oben.

·       In jüngeren Jahren ist das Frauenherz gut durch das Hormon Östrogen geschützt. Dieser Schutz fällt mit/nach den Wechseljahren weg.

·       Herzerkrankungen werden bei Frauen oft später entdeckt, weil die Symptome unspezifischer sind.

·       Durch Übergewicht erhöht sich das Herzinfarktrisiko bei Frauen um das Zwanzigfache.