Oh es riecht gut, oh es riecht fein?
Pressemitteilung

Oh es riecht gut, oh es riecht fein?

Erfurt

Bei Verlust des Geruchsinns helfen verschiedene Tests und Operationen

Jeder Vierte über 50 Jahre und schon jeder zweite 80-Jährige hat in der besinnlichen Zeit nicht viel von Lebkuchen und Tannenduft: Sie können nämlich nicht mehr riechen. Mediziner sprechen beim Verlust des Geruchsinns von Anosmie. Dr. med. Nikolaus Kohles, Arzt in Weiterbildung in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des HELIOS Klinikums Erfurt, erklärt Ursachen und Therapiemöglichkeiten einer Erkrankung, über die im Alltag wenig gesprochen wird.

 

Wie merkt man, dass man nichts mehr riechen kann?
Die Erkrankung ist ein schleichender Prozess und macht sich auf sehr verschiedene Art bemerkbar. Ein typisches erstes Anzeichen ist, dass Betroffene über fade schmeckendes Essen klagen und in der Folge immer mehr Gewicht verlieren. Wer nichts mehr schmeckt, isst nämlich auch weniger. Manchmal fragt Mann sich, warum Frau den lieb gewonnenen Duft vermeintlich nicht mehr trägt. Aber auch Magenbeschwerden können auf eine Anosmie zurückzuführen sein. Wer nicht mehr gut riecht, merkt vielleicht nicht, dass er verdorbene Lebensmittel zu sich genommen hat, denn Brand- und Gasgeruch, Faulgase und Schimmelgeruch verlieren ihre warnende Wirkung. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Lebensmittelvergiftung.

 

Worin liegen die Ursachen einer Anosmie?
Die Ursachen sind sehr verschieden. Manchmal blockieren schiefe Nasenscheidewände, Polypen oder geschwollene Schleimhäute die Nase. Auch ein Trauma, virale Infekte der oberen Atemwege oder Medikamente wie Antibiotika können für ein schwindendes Riechvermögen verantwortlich sein. Sehr oft ist eine Anosmie das erste Anzeichen für neurologische Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer. Schon Jahre vor Auftreten von Bewegungsstörungen können Parkinsonpatienten nichts mehr riechen.

 

Wie helfen Hals-Nasen-Ohrenärzte?
In aller Regel forscht der Facharzt ambulant nach Ursachen. Er fragt nach möglichen vorangegangenen Traumata, nach Vor-Operationen, Infektionen und Entzündungen. Mit einem Nasenendoskop können HNO-Ärzte die Riechrinne zum Beispiel nach störenden Polypen absuchen. Auch Riechtests gehören dazu. Dem Patienten werden dann Stifte mit verschiedenen Düften unter die Nase gehalten. Dann zeigt sich schnell, ob Kaffee, Zitrone, etwas Blumiges oder andere Alltagsdüfte tatsächlich erkannt oder eher erahnt werden. Und natürlich helfen auch Neurologen ambulant bei der Abklärung erster Symptome.

 

Wann empfiehlt sich der Gang ins Krankenhaus?
Sind Polypen, eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung, eine verbogene Nasenscheidewand oder angeschwollene Nasenmuscheln die Ursachen für eine Anosmie, kann eine Operation helfen. Für die operative Verkleinerung der Nasenmuscheln bieten sich Operationstechniken mit Laser oder Radiofrequenz an. Dabei wird das Volumen der unteren Nasenmuschel verringert und so zugleich die Luftpassage erweitert. Häufig begradigen wir in einem zweiten Schritt noch die Nasenscheidewand, um freie Atemverhältnisse in der Nase zu schaffen. Eine Operation der Nasennebenhöhlen hat zum Ziel, die engen Gänge der Nasennebenhöhlen zu erweitern, eventuell werden dabei auch Polypen entfernt. Im Ergebnis verbessert sich der Luftaustausch zwischen den Nebenhöhlen und der Nase und Schleim kann besser abfließen.

 

Wie riskant ist dieser Eingriff?
Im HELIOS Klinikum Erfurt behandeln wir im Jahr bis zu 400 Patienten, also mindestens einen am Tag. Entsprechend routiniert ist das HNO-Team bei diesem Eingriff. Der erfolgt übrigens in aller Regel in Vollnarkose. Bei der Verkleinerung der Nasenmuscheln bietet sich auch eine örtliche Betäubung an.

 

Und danach duftet es wieder klar nach Weihnachten oder Frühling?
Ganz so schnell geht das leider nicht. Nur jeder Vierte mit Anosmie profitiert von einer Operation alleine. Meist schließt sich noch eine anti-entzündliche Therapie zum Beispiel mit kortisonhaltigen Tabletten oder Nasensprays an.

 

Was kann man sonst noch tun?
Neuere Untersuchungen erbrachten gute Ergebnisse bei einem intensiven Riechtraining über einen Zeitraum von mindestens vier bis sechs Monaten. Dabei musste der Patient täglich früh und abends an vier verschiedenen Düften riechen, und zwar an Zitrone, Eukalyptus, Nelke und Rose.

 

Das klingt aber anstrengend…
An dieser Stelle ist der Patient tatsächlich mehr gefordert. Doch der Aufwand lohnt sich. Nicht nur an Weihnachten oder im Frühling. Denn gut riechen zu können ist einfach ein großes Stück Lebensqualität.

 

Mit 1.282 Betten ist das HELIOS Klinikum Erfurt das größte Krankenhaus der Region und für die medizinische Versorgung der Bürger der Thüringer Landeshauptstadt und weit darüber hinaus verantwortlich. Das HELIOS Klinikum Erfurt ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung und Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Jena.

Zur HELIOS Kliniken Gruppe gehören 111 eigene Akut- und Rehabilitationskliniken inklusive sieben Maximalversorger in Berlin-Buch, Duisburg, Erfurt, Krefeld, Schwerin, Wuppertal und Wiesbaden, 52 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), fünf Rehazentren, zwölf Präventionszentren und 15 Pflegeeinrichtungen. HELIOS ist damit einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Deutschland und bietet Qualitätsmedizin innerhalb des gesamten Versorgungsspektrums. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
HELIOS versorgt jährlich rund 4,5 Millionen Patienten, davon 1,2 Millionen stationär. Die Klinikgruppe verfügt insgesamt über mehr als 34.000 Betten und beschäftigt rund 68.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2014 erwirtschaftete HELIOS einen Umsatz von rund 5,2 Milliarden Euro. Die Klinikgruppe gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

 

Pressekontakt:

Sylvia Kreyßel-Minar
Leiterin Unternehmenskommunikation und Marketing
HELIOS Klinikum Erfurt
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