Mythos Einweghandschuhe: Warum diese Schutzkleidung im Alltag nichts zu suchen hat© Foto: PD Dr. Irit Nachtigall von Helios Kliniken GmbH
Pressemitteilung

Mythos Einweghandschuhe: Warum diese Schutzkleidung im Alltag nichts zu suchen hat

Berlin

Die Corona-Pandemie hat das Bewusstsein für Hygienemaßahmen in der Bevölkerung deutlich erhöht. Neben den Gesichtsmasken oder der Händedesinfektion hat sich jedoch auch eine wenig sinnvolle Maßnahme etabliert: Einweghandschuhe. PD Dr. Irit Nachtigall, Helios Fachgruppenleiterin Infektiologie, erklärt, warum man Einweghandschuhe nicht im Alltag nutzen sollte.

Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie gehören Einweghandschuhe für viele zum Alltag. Vor allem im Lebensmittelbereich kommen sie zum Einsatz, um die Übertragung von Erregern zu verhindern. Der gut gemeinte Gedanke hinter der Verwendung der Handschuhe ist jedoch falsch, wie die Expertin PD Dr. Irit Nachtigall weiß: „Über Plastik- oder Einweghandschuhe übertrage ich Erreger genauso, wie über den direkten Hautkontakt. Wenn ich mit den Handschuhen Lebensmittel an einen Kunden reiche, anschließend mit den Handschuhen Bargeld entgegennehme und dann wieder das Essen für den nächsten Kunden anfasse, übertrage ich alle möglichen Erreger von A nach B. Der eigentliche Gedanke hinter den Einweghandschuhen ist – wie der Name schon sagt – sie nach jedem Kontakt zu wechseln. Mal davon abgesehen, dass wir damit Unmengen an Plastikmüll verursachen würden, ist die Verwendung der Handschuhe im Alltag oder im Umgang mit Lebensmitteln aus Hygienesicht unnötig. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen oder die Händedesinfektion bieten einen sehr guten Schutz.“

Über Plastik- oder Einweghandschuhe übertrage ich Erreger genauso, wie über den direkten Hautkontakt.

PD Dr. Irit Nachtigall, Helios Fachgruppenleiterin Infektiologie

Im medizinischen Bereich kommen Einweghandschuhe zur Infektionsprophylaxe sowie aus Gründen der Arbeitssicherheit zum Einsatz. Doch auch hier gilt: Unreflektiert benutzt, können sie zur wahren Keimschleuder werden. „Gedacht sind sie zum Schutz vor verunreinigten Gegenständen, aber sogar da sind sie nicht sicher, denn sie sind nicht zu 100 % dicht. Zudem haften Bakterien an Kunststoffen besser, als an menschlicher Haut – sie können sich über einen längeren Zeitraum ansammeln. Daher ist auch im medizinischen Bereich unter bestimmten Umständen die Arbeit mit bloßen, desinfizierten Händen sicherer als das Tragen von Handschuhen“, erklärt die Expertin.

Darüber hinaus können die Handschuhe sogar gesundheitliche Folgen für die Träger haben. Unter dem Plastik kann die Haut nicht gut atmen. Dadurch schwitzt die Haut und es entsteht ein feuchtes Klima in den Handschuhen. Das kann die Haut auf Dauer schädigen und zu unangenehmen Irritationen und Entzündungen führen.

„Es ist wichtig, dass wir richtig aufklären, damit die Plastikhandschuhe wieder aus dem Alltag verschwinden, denn hier haben sie wirklich nichts zu suchen. Eine gute Handhygiene ist viel effektiver und gesünder – für die Haut und die Umwelt“, fast PD Dr. Irit Nachtigall zusammen.