Auf die Freundschaft!

Auf die Freundschaft!

Leipzig

„Freunde verdoppeln die Freude und halbieren das Leid“ schrieb einst der englische Philosoph Francis Bacon. Die Beziehungsforschung kann das bestätigen und weiß heute noch mehr. Freundschaften sind gesund für unsere Seele und unseren Körper. Warum das so ist und warum man Freundschaften pflegen sollte, zeigen wir aus psychologischer und psychosomatischer Sicht.

Das ist Freundschaft

Fußball werden „Elf Freunde“ beschworen, in den Sozialen Medien hat man „Freunde“, die beste Freundin ist etwas anderes als die Freundin im Sinne einer Lebenspartnerin. Folgende Punkte kennzeichnen eine Freundschaft im wissenschaftlichen Sinn:

1. eine freiwillige Beziehung
2. eine persönliche Beziehung
3. gegenseitige Sympathie
4. Vertrauen
5. gegenseitige Unterstützung
6. kein sexuelles Verhältnis
7. kein verwandtschaftliches Verhältnis

Wenn alles zutrifft, haben wir es mit Freundschaft zu tun.

Freundschaften und das Zusammensein sowie der Austausch mit guten Freund:innen wirken positiv auf die seelische Gesundheit und auf unsere gesunde Beziehungsfähigkeit. Des Weiteren werden Hormone ausgeschüttet, die uns Wohlgefühl vermitteln und unseren Körper sogar schmerzresistenter machen.

Julia Baß, stellv. Pflegedirektorin Helios Park-Klinikum, Bereichsleitung Zentrum für seelische Gesundheit

Darum sind gute Freund:innen wichtig

Weniger Stress: Von guten Freund:innen bekommen wir soziale Unterstützung. Das minimiert unseren Stress.

Mehr Abwehrkräfte: Wenn Freundschaften unseren Stress abschwächen, werden seelische und körperliche Abwehrkräfte stärker.

Bessere Beziehungen: Durch Freund:innen bekommen wir andere Sichtweisen auf unsere Beziehungen und vor allem auf uns selbst vermittelt. Dadurch können wir lernen, gesünder mit uns und mit anderen Menschen umzugehen.

Bessere soziale Balance: Durch das Entwickeln und Pflegen von Freundschaften, können wir bereits früh lernen, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Selbständigkeit und gegenseitiger Beziehungsabhängigkeit zu schaffen.

Gute Gefühle: Wenn wir mit richtigen Freund:innen zusammen sind, fühlt es sich gut an. Das hebt unsere Stimmung und sorgt für mehr Zufriedenheit.

Weniger Schmerzen: Ja, ein großer Kreis echter Freund:innen kann körperliche Schmerzen lindern, weil unser Körper dann offenbar mehr schmerzstillende Endorphine ausschüttet. Je größer der Kreis, desto besser können wir Schmerzen aushalten. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher aus Oxford.

Mehr Wohlbefinden: Wenn wir Freund:innen treffen und Schönes erleben, sorgt unsere körpereigene Endorphinausschüttung für ein wohliges Gefühl.

Weniger psychosomatische Störungen: Unsere Psyche und unser Körper wirken wechselseitig aufeinander. Gute Freundschaften können zu einer gesünderen Psyche beitragen, die wiederum positiv auf den Körper wirkt und umgekehrt.  

Die Fähigkeit zu Freundschaften wird uns nicht in die Wiege gelegt. Wir beginnen sie ab der Kindheit zu entwickeln – durch soziale Interaktion,

unterstreicht Julia Baß.

Ob sich die Fähigkeit zu Freundschaften in unserer Kindheit gut entwickelt hat oder weniger: Das Pflegen von Freundschaften lohnt sich immer. Und sei es, dass wir dadurch erst später lernen, wie es geht und worauf es ankommt. Bei wem das Zwischenmenschliche stark problembeladen ist, der muss sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn ein Leben ohne Freunde ist nur schwer möglich und ein Leben mit Freunden ist gesund.