Wie hilfreich sind Gesundheits-Apps wirklich?

Mit der App zum Arzt

München

Sie zählen unsere Schritte, messen unseren Puls, tracken unsere Fahrradstrecken oder helfen uns bei der Dosierung unserer Medikamente – Fitness- und Gesundheits-Apps gehören mittlerweile fest zu unserem Alltag. Wie diese Daten bei der Vorsorge helfen können, erklärt Präventionsmediziner Dr. Markus Moser.

Herr Dr. Moser beim Check-up

Über 300.000 sogenannte „Gesundheits-Apps“ sind Schätzungen zufolge in den App-Stores verfügbar, Tendenz steigend. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will im Rahmen des Digitalisierungsgesetzes die Krankenkassen sogar dazu verpflichten, die Kosten für bestimmte Gesundheits-Apps, wie z.B. digitale Tagebücher für Diabetes-Patienten oder Apps für Menschen mit Bluthochdruck zu übernehmen. Immer mehr Präventionsärzte bei Helios nutzen bereits heute im Rahmen von medizinischen Check-ups Daten aus den Gesundheits-Apps der Patienten. Dr. Moser erzählt im Interview, wie die digitalen Anwendungen bereits jetzt in der Praxis angekommen sind.

 

 

Beziehen Sie schon heute Daten aus Gesundheit-Apps in Patientengespräche mit ein?

Dr. Moser: Ja, in der Tat zeigen uns Patienten des Öfteren die Auswertungen ihrer Fitness- oder Tracking-Apps. Das geschieht natürlich freiwillig und wir schauen dann auch gern drauf.

Was für Apps sind das?

Das sind größtenteils Langzeitauswertungen zu Puls- und Bewegungsdaten. Die Patienten fragen dann oft „Ist dieser Puls auf Dauer normal?“ oder „Bewege ich mich ausreichend, um Krankheiten vorzubeugen?“

Und was antworten Sie in den meisten Fällen?

Meistens können wir beruhigen und alles als „normal“ bestätigen. In manchen Fällen zeigt sich jedoch auch einmal eine Auffälligkeit, hier kann uns so eine App wirklich als Indikator helfen.

Was für Patienten kommen zu Ihren Check-ups?

Wir haben das Glück, dass zu uns sehr aufgeklärte, an Prävention interessierte Patienten kommen. Die meisten sind wirklich motiviert, gesund zu bleiben.

Und entdecken Sie viele Krankheiten?

Immer wieder mal entdecken wir Symptome, die dann auf frühe Stadien von Erkrankungen hinweisen. Das können zum Beispiel beginnender Bluthochdruck sein oder erste Anzeichen einer Depression. Das frühe Entdecken gibt uns dann aber auch Handlungsspielraum: wir können dann ganz früh behandeln oder Risikofaktoren beseitigen. Auch hierbei können Apps unterstützen, indem sie zum Beispiel helfen, Ernährungsgewohnheiten sukzessive umzustellen oder zu mehr Bewegung anregen.

Haben Sie App-Empfehlungen für Ihre Patienten?

Alle Apps, die zum Beispiel das Thema Achtsamkeit fokussieren, können ein guter Schritt gegen Stress sein. Schon in den 50er Jahren ist der Begriff „Manager-Krankheit“ entstanden. Das meinte die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die wegen zu viel und dauerhaften Stress verursacht wurden. Das Bild hat sich mittlerweile etwas geändert: Auch Manager leben bewusster und werden mittlerweile sogar teilweise älter als die Vergleichspopulation. Nicht zuletzt auch wegen der Check-ups, die sie natürlich aufgrund von Zeitmangel etc. regelmäßig in ihre Terminkalender einplanen. Hier bekommen wir dann die Möglichkeit, beginnenden Erkrankungen entgegenzusteuern. Und dabei helfen dann gute Apps: Sie klären auf, unterstützen und begleiten auf dem Weg zu einem gesünderen Lebensstil und noch mehr Achtsamkeit.

Zuletzt: Was halten Sie von der App auf Rezept?

Finde ich eine gute Idee. Qualität bzw. Evidenz und Datenschutz sollten dabei jedoch oberstes Gebot sein.

Gesundheits-Apps

Zu unterscheiden sind die Apps durch ihre Klassifizierung: Erkennen, verhüten, überwachen, behandeln oder lindern sie z.B. Krankheiten, Verletzungen oder Behinderungen, unterliegen Sie den Regularien des Medizinproduktegesetzes und sind gesondert gekennzeichnet.

Unser Experte

Dr. med. Markus Moser begann seine medizinische Laufbahn vor 12 Jahren in der Anästhesiologie und Intensivmedizin. Nach der ersten Facharztausbildung schloss er eine weitere zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie an. Seit Anfang 2019 ist er im Helios Prevention Center Berlin als Präventivarzt tätig.