Wie die ständige digitale Erreichbarkeit unser Arbeitsleben verändert
Burnout
Digitaler Burnout

Wie die ständige digitale Erreichbarkeit unser Arbeitsleben verändert

Berlin

Sobald wir eine E-Mail, eine SMS oder eine Nachricht bei Whats App erhalten, sehen wir rot. Denn ob privat am Frühstückstisch als auch beruflich im Büro oder Homeoffice – neue Nachrichten werden uns oftmals mit Hilfe von kleinen Ziffern in roten Kreisen angezeigt.

Die Signalwirkung der roten Farbe kennen wir aus anderen Bereichen unseres Lebens. Meist wird sie in einem Kontext verwendet, in welchem wir Acht geben sollten oder uns eventuell sogar vor Gefahren schützen müssen. Begleitet wird das Eintreffen einer neuen Nachricht zudem häufig von einem Signalton, der uns zusätzlich dazu verleitet, die Benachrichtigung auf dem Handy oder dem Computer am besten sofort zu lesen. Die ständige Erreichbarkeit führt wiederum dazu, dass wir Sorge haben, etwas zu verpassen, sobald das Smartphone einmal nicht sofort griffbereit ist.

Die digitale, ständige Erreichbarkeit kann großen Stress verursachen | Grafik: Helios Gesundheit

Die Folge? Viele Menschen fühlen sich in der digitalen Welt zunehmend gestresst und unter Druck gesetzt – sowohl im Umgang mit Freunden und der Familie als auch am Arbeitsplatz. Zudem sind digitale Geräte wie Handy, Laptop und Tablet besonders während der anhaltenden Corona-Pandemie für eine Großzahl von Arbeitnehmern zu einem virtuellen Schreibtisch geworden – und befinden sich damit im Dauereinsatz. Wie die ständige digitale Erreichbarkeit unser Arbeitsleben verändert, lässt sich an der in vielen Unternehmen aktuell geltenden Homeoffice-Regelung besonders deutlich beobachten. Wir haben genauer hingeschaut. 

Home Office in Corona-Zeiten: Wenn aus dem Feierabend Bereitschaftsdienst wird 

Die Corona-Krise hat in vielen Unternehmen ein neues Bewusstsein für flexible Homeoffice-Lösungen herbeigeführt. Hätte das digitale Arbeiten eine Großzahl an Arbeitgebern vor einigen Jahren aufgrund fehlender technischer Voraussetzungen noch vor ein großes Problem gestellt, funktioniert die digitale Vernetzung durch Home Office-Arbeitsplätze heutzutage relativ problemlos. Führungskräfte und Mitarbeiter werden mit Smartphones, Laptops und entsprechenden Zugängen ausgestattet, sodass ein effektives Arbeiten fortan auch vom heimischen Schreibtisch aus jederzeit möglich ist.

Der Haken: das kleine, aber bedeutende Wort "jederzeit". Denn durch die fehlenden Präsenzeiten im Büro und die Verlagerung des Arbeitsplatzes in das eigene Homeoffice besteht zunehmend das Risiko, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben immer weiter verschwimmen. Von einer stabilen Work-Life-Balance kann an diesem Punkt oftmals nicht mehr die Rede sein. Eine Entwicklung, der Forscher und Wissenschaftler dramatische Folgen attestieren – tragen ein erhöhter Leistungsdruck sowie Unzufriedenheit und Überforderung doch bereits ohne den Einsatz digitaler Tools maßgeblich zu psychischen Leiden wie einem Burnout oder einer Depression bei. Im Falle eines besonders hohen Konsums digitaler Medien sprechen Experten zudem bereits seit einigen Jahren von einem digitalen Burnout

Werden digitale Burnouts durch das Arbeiten im Homeoffice nun also tatsächlich noch begünstigt?

Darüber sind sich Forscher und Experten uneinig. Nicht von der Hand zu weisen sind allerdings die sowohl technischen als auch mentalen Herausforderungen, vor die viele Arbeitnehmer im heimischen Büro gestellt werden. Einige der Faktoren, die Mitarbeiter im Homeoffice zunehmend unter Druck setzen, sind beispielsweise:

  • Die ständige Erreichbarkeit:
    Arbeitnehmer, die von zuhause aus arbeiten, sind oftmals dem Druck ausgesetzt, ständig digital erreichbar sein zu müssen. Ob per E-Mail, per Videoanruf oder im gemeinsamen Team-Chat mit den Kollegen und dem Chef - die Anforderung, Aufgaben, Anfragen und Absprachen jederzeit zu bearbeiten und zu beantworten, kann die Konzentration und damit die Effektivität der Beschäftigten auf Dauer mehr mindern statt steigern. 
  • Die digitale Leistungsüberwachung:
    Während der Chef oder die Teamleiterin im Büro jeden Mitarbeiter schnell und auf direktem Weg persönlich ansprechen kann, ist dies im Home Office nicht möglich. Ob ein Arbeitnehmer tatsächlich acht Stunden vor dem Computer sitzt, lässt sich ebenfalls nur mit entsprechender technischer Ausstattung nachvollziehen. Die Ungewissheit, ob und inwiefern die eigene Leistung virtuell überprüft wird, kann jedoch dennoch für Stress und permanenten Druck bei den Mitarbeitern, die mit dem Modell Remote Work arbeiten, sorgen. 
  • Die Beschleunigung der Arbeitsleistung: 
    Dank Smartphone, Tablet und Laptops sind Arbeitnehmer nicht mehr an einen festen Arbeitsplatz gebunden und können in Home Office dauerhaft auf ihren Arbeitsbereich zugreifen. Zudem können Sie in kurzer Zeit mehr Informationen aufnehmen, da diese über verschiedene Kanäle eingespielt werden. Während Mitarbeiter also noch an einem Projekt arbeiten, erreichen sie parallel schon die Informationen für eine neue Aufgabe. Folglich wachsen besonders im Home Office die To-do-Listen und der Druck steigt - während die Qualität der Arbeitsleistung möglicherweise leidet. 
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Home Office – so klappt's:

Um die Arbeit im Home Office für jeden Mitarbeiter möglich, aber auch bestmöglich erträglich zu machen, sollten Arbeitgeber klare Regelungen treffen und ihre Beschäftigten somit vor den Risiken eines digitalen Burnouts schützen. Schließlich können dem Thema Home Office bei all den teils gefährlich anmutenden "Nebenwirkungen" einige positive Effekte und Vorteile nicht abgesprochen werden. Denn mittels eines verantwortungsbewussten und richtigen Umgangs mit Smartphone, Tablet und Computer kann die Homeoffice-Lösung Unternehmen entlasten und sie zudem flexibler und innovativer machen.

Diese Maßnahmen schützen

Wenn Arbeitgeber ihren Beschäftigen zugestehen, vom Home Office aus zu arbeiten, sollten sie auf regelmäßige Absprachen zur Arbeitszeit, zu dem richtigen Verhalten am virtuellen Arbeitsplatz und der Grenze zwischen Arbeit und Privatleben bestehen. Arbeitnehmer können sich vor den Risiken eines eventuellen digitalen Burnouts zudem durch einige kleine, aber effektive Maßnahmen schützen. So ist besonders das Smartphone einer der verbreitetsten Zeitfresser, der für Ablenkung und damit für eine verminderte Konzentration sorgt. Zu diesem Ergebnis kam auch der Informatikprofessor Alexander Markowetz, der gemeinsam mit seinem Team eine App entwickelt hat, die das Verhalten von Smartphone-Nutzern analysiert. Das Ergebnis ist ebenso eindeutig wie erschreckend: Im Durchschnitt befassen sich viele Nutzer etwa drei Stunden täglich mit ihrem Handy.

Unser Tipp:

Verbannen Sie das private Smartphone aus dem Arbeitszimmer und teilen Sie sich täglich eine bestimmte Anzahl an Minuten zu, in denen Sie Nachrichten und Benachrichtigungen auf Ihrem digitalen Gerät lesen. Wir geben zu – für die Umsetzung dieser Maßnahme ist ein hohes Maß an Selbstdisziplin notwendig. Allerdings nimmt Ihr Job einen großen Teil Ihres Lebens ein und sollte Ihre Gesundheit folglich nicht beeinträchtigen – ganz gleich, ob Sie im Büro oder im Home Office arbeiten.