Trigeminusneuralgie im Überblick

In Deutschland leiden schätzungsweise 3,4 Millionen Menschen an schweren chronischen Schmerzen. Die Trigeminusneuralgie, ein Nervenschmerz im Gesicht, zählt dabei zu den stärksten Schmerzen, die ein Mensch empfinden kann.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie, medizinisch Tic douloureux, ist ein sehr intensiver, plötzlich einschießender Schmerz. Oft wird er auch als brennender oder elektrisierender Schmerz beschrieben. Er dauert nur wenige Sekunden, kann aber bis zu 100-mal täglich auftreten. Die Lebensqualität der Betroffenen ist stark eingeschränkt.

In Deutschland leiden rund 10 von 100.000 Menschen an der Trigeminusneuralgie [1]. Frauen sind dabei fast doppelt so häufig betroffen wie Männer. Meist tritt der Gesichtsschmerz einseitig und erst ab dem 50. Lebensjahr auf [2]. Der Erkrankungshöhepunkt liegt zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr.

Typisch für die Erkrankung ist, dass sie periodisch auftritt, das heißt: Auf beschwerdefreie Phasen können immer wieder Phasen mit häufigen und schweren Schmerzen folgen.

Der Trigeminusnerv verzweigt in drei Hauptäste | Grafik: Helios

Anatomie und Funktion des Nervus trigeminus 

Der Trigeminusnerv (lateinisch: nervus trigeminus, „Drillingsnerv“) ist der fünfte Hirnnerv des Menschen. Seinen Namen trägt er, weil er in drei Hauptäste verzweigt:

  • den Augenast (1. Trigeminusast)
  • den Oberkieferast (2. Trigeminusast)
  • den Unterkieferast (3. Trigeminusast)

Aufgabe des nervus trigeminus ist es, sensible Informationen aus dem ganzen Gesicht an das Gehirn zu leiten. Umgangssprachlich wird er auch als „Fühlnerv“ bezeichnet, da der Mensch ihn benötigt, um zu riechen, zu schmecken oder eine Berührung im Gesicht zu fühlen. Nicht zuletzt leitet der Trigeminusnerv auch Reize an die vier Kaumuskeln weiter und aktiviert sie dadurch.

Von den Schmerzen sind meist die Bereiche des zweiten und dritten Trigeminusastes betroffen. Am häufigsten treten die Nervenschmerzen im Unterkieferast auf, seltener im Oberkieferast und fast nie im Augenast [3]. Medizinisch gesehen zählt die Trigeminusneuralgie zu den neuralgischen Schmerzsyndromen.

Formen der Trigeminusneuralgie

Grundsätzlich wird zwischen der sogenannten klassischen Trigeminusneuralgie (früher „idiopathisch“ für „selbständig, unabhängig von anderen Krankheiten“ [3]) und der symptomatischen Trigeminusneuralgie unterschieden. Während die Ursache für die klassische Trigeminusneuralgie noch weitgehend ungeklärt ist, sind die Auslöser der symptomatischen Form (Link Symptome) bereits gut erforscht.

Wie entsteht eine Trigeminusneuralgie? 

Im Gegensatz zur symptomatischen Trigeminusneuralgie, deren Auslöser etwa Multiple Sklerose oder eine Tumorerkrankung sein können, ist die Ursache für die klassische Form der Neuralgie bisher nicht bekannt. In den meisten Fällen entsteht der Schmerz, weil es zu einem Gefäß-Nerven-Kontakt zwischen dem Nervus trigeminus und einem Blutgefäß, meist der Arteria cerebelli, kommt. Dieser Kontakt führt zu einem Druck auf den Nerven und löst damit dessen Fehlfunktion aus.

Warum bekommt man eine Trigeminusneuralgie?

Da die von der klassischen Form der Neuralgie betroffenen Patienten meist im höherem Lebensalter sind, besteht die Annahme, dass die beteiligten Blutgefäße durch eine Arteriosklerose, also die Ablagerungen von Cholesterin und Fetten, verändert sind [1]. Von der symptomatischen Form können auch jüngeren Menschen betroffen sind.

Wie lange dauert eine Trigeminusneuralgie? 

Circa 30 Prozent der Betroffenen leiden nur einmalig an einer Trigeminusneuralgie [3]. Meist tritt sie jedoch wiederholt auf. In diesen Fällen können sich immer wieder Wochen und Monate mit heftigen Gesichtsschmerzen mit beschwerdefreien Intervallen abwechseln.

Im ersten Jahr der Behandlung ist die Neuralgie durch Medikamente in der Regel gut beherrschbar. Anschließend verschlechtert sich das Krankheitsbild oft wieder, sodass im Verlauf bei jedem zweiten Patienten eine operative Therapie, beispielsweise mit perkutanen Verfahren oder der mikrovaskulären Dekompression, nötig wird [3].

Welche Ärzte behandeln den Gesichtsschmerz?

In der Regel wird die Erkrankung von Ärzten der Neurologie oder Neurochirurgie behandelt. Um anfangs andere Ursachen auszuschließen, werden meist auch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Augenärzte und Zahnärzte hinzugezogen.