Unser Schlafzyklus

Und nächtlich grüßen die Schlafstadien

Und nächtlich grüßen die Schlafstadien

Erholsamer Schlaf hat nicht nur mit seiner Dauer zu tun. Entscheidend ist die richtige Kombination unserer Schlafstadien. Schlafen ist nämlich kein linearer Vorgang, sondern wiederholt sich in Zyklen.

Unter einem Schlafzyklus versteht man einen kompletten Durchlauf der verschiedenen Schlafstadien. Ein Durchlauf dauert ungefähr 70 bis 110 Minuten und wiederholt sich mehrmals pro Nacht. Man kann grundsätzlich zwischen vier Schlafstadien unterscheiden:

Stadium 1: Das Einschlafen

Der Übergang vom Wachzustand zum Schlaf setzt im Normallfall nach wenigen Minuten ein. Die Muskelspannung am Kinn nimmt ab, während sich die Augen langsam rollend bewegen. 

 

Diese Phase kann typischerweise von ungewöhnlichen Bildern und Gedanken begleitet werden („hypnagoge" oder "hypnopompe Halluzinationen“). Oft schreckt man aus diesem Stadium auf und weiß nicht genau, ob man schon geschlafen hat oder nicht.  

Diese Phase macht etwa zehn Prozent des Schlafzyklus aus.    

Stadium 2: Der Leichtschlaf

In dieser Phase beginnt der eigentliche Schlaf. Die Muskelspannung ist geringer als im Wachzustand und die Aktivität der Augen ist jetzt vollkommen zurückgefahren.  

Das Bewusstsein zur Außenwellt ist noch rudimentär vorhanden, so dass wir häufiger aufwachen – bis zu 30 Mal pro Nacht. Wir vergessen es nur gleich wieder, wenn wir nicht mindestens eine bis drei Minuten wach sind.

Das häufige Aufwachen ist evolutionär sinnvoll: So konnte man sich früher vergewissern, dass die Umgebung noch sicher ist und das Feuer noch brennt.  

Dieses Stadium macht etwa die Hälfte unseres Schlafzyklus aus.

Stadium 3: Der Tiefschlaf

Die praktischsten Auswirkungen für die Gesundheit hat dieser eigentliche Kernschlaf. „Tiefschlaf ist unser Lebenselixier“, sagt Eger. "Alles andere ist mehr oder weniger Luxus." Im Tiefschlaf würden viele wichtige Vorgänge initiiert, etwa die Ausschüttung von Wachstumshormonen. „Wer als Kind dauerhaft zu wenig Tiefschlafabbekommt, bleibt später kleinwüchsig“, so Eger.  

In dieser Phase ist der ganze Körper auf Regeneration eingestellt. Darum ist es gar nicht so einfach, jemandem aus dem Tiefschlaf zu wecken. Wer trotzdem geweckt wird, tut sich mit dem Aufwachen besonders schwer.  

Etwa 20 Prozent eines Schlafzyklus verbringen Normalschläfer im Tiefschlafstadium.

Stadium 4: Der REM-Schlaf / Traumschlaf

REM steht für „Rapid Eye Movement“, also „schnelle Augenbewegung“. Denn im REM-Schlaf kommt es zu schnellen Augenbewegungen unter den geschlossenen Lidern, während unsere Muskulatur bis auf gelegentliche Zuckungen vollkommen entspannt ist.  

In vier von fünf Fällen, in denen Menschen aus dem REM-Schlaf geweckt werden, berichten diese davon, geträumt zu haben. Darum redet man auch vom „Traumschlaf“. Zudem werden Informationen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis übertragen.  

Etwa 20 bis 25 Prozent eines Schlafzyklus verbringen wir im REM-Schlaf.

Schlafstörungen identifizieren

Haben Schlafstörungen chronische Ursachen, lässt sich das durch eine Analyse der unterschiedlichen Schlafstadien sehr gut feststellen“, sagt Eger. „Etwa bei einer Nacht im Schlaflabor.“  

 

Tabelle: Körperaktivitäten beim Schlafen 

SchlafstadiumHirnstromwellenAktivität Augen Aktivität Kinnmuskeln
EinschlafenAlphas-, Beta- und Thetawellen (4-7 Hz)Langsame, rollende Augen-BewegungenMuskelspannung geringer als im Wachzustand
LeichtschlafSchlafspindeln (12-14 Hz) und K-KomplexeKeine Augen-BewegungenMuskelspannung geringer als im Wachzustand
TiefschlafDeltawellen (1-4 Hz)Keine Augen-BewegungenMuskelspannung geringer als im Wachzustand
REM-SchlafBeta-Muster mit Alpha und ThetawellenRasche Augen-BewegungenKeine Muskelspannung, gelegentliche Zuckungen

 

Im Rahmen einer Polysomnographie werden im Schlaflabor diverse Faktoren untersucht wie das Hirnstrombild (EEG), Herzrhythmus (EKG), Muskelspannung (EMG) und Augenbewegung (EOG).

Andreas Eger: „Die Kombination der vielen Messfaktoren ergeben ein individuelles Schlafprofil, an dem sich bestimmte Muster und Abweichungen vom Normalschlaf ablesen lassen.“