Interview mit Dr. Dominic Fenske

Schlaftabletten - nicht das beste Mittel der Wahl!

Dr. Fenske ist der Leiter aller Helios Apotheken und entscheidet strategisch, welche Arzneimittel in unseren Kliniken zum Einsatz kommen.

  

Die Akutkliniken von Helios haben wie andere Krankenhäuser auch eigene Apotheken, die die Stationen, Praxen, Ambulanzen und weitere Abteilungen mit Medikamenten und anderem medizinischem Bedarf versorgen. Wir haben Dr. Dominic Fenske, Leiter des Zentralen Dienstes Apotheken bei Helios und Leiter der Apotheke des Helios Klinikums Erfurt zu Schlafmedikamenten während des Krankenhaus-Aufenthaltes befragt.

 

 

Anlässlich der Aktionen rund um das Thema „Gesunder Schlaf“ bei Helios haben Sie und Ihre Kollegen die Schlafmittel genauer angeschaut, die Helios Ärzte den Patienten verordnen – was fiel Ihnen dabei auf?  

 

Es werden sehr unterschiedliche Medikamente eingesetzt – eigentlich fast alle Substanzen, die es auf dem Markt gibt. Dabei werden relativ häufig so genannte „Benzodiazepine“ verordnet, wenn Patienten nicht gut schlafen können.

 

Viele dieser „Benzodiazepine“ werden künftig in den Helios Apotheken gar nicht mehr ausgegeben und andere nur noch niedrig dosiert angeboten – warum?

 

Solche Substanzen haben zwar meist eine gute Wirkung beim Einschlafen, jedoch verbunden mit erheblichen Nachteilen und Nebenwirkungen. Ein wichtiges Problem ist, dass sie abhängig machen. Der Körper gewöhnt sich daran und die Patienten brauchen nach einer Weile immer höhere Dosierungen, um einschlafen zu können. Auch psychisch entsteht der Eindruck, dass man nicht mehr ohne sie schlafen kann. Daher müssen wir sehr verantwortungsvoll mit der Verschreibung umgehen und die Patienten gut aufklären – auch wenn sie die Klinik verlassen und vielleicht den Hausarzt um die Verschreibung von Schlaftabletten bitten. Ein zweites Problem ist, dass diese Substanzen je nach Halbwertzeit über die Nacht hinaus wirken. Am Morgen sind Patienten teilweise noch müde und das auch körperlich. Man kann sagen, sie sind oft etwas „wackelig“ auf den Beinen. Das kann zu schweren Stürzen führen, weil sich Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit verringern.

 

Dennoch werden diese Präparate nicht ganz aus dem Angebot genommen …

 

Nein, denn bei bestimmten Krankheitsbildern und Patienten haben sie durchaus ihre Berechtigung. Wenn beispielsweise Ängste oder Schmerzen die Patienten vom Schlafen abhalten und andere Mittel nicht helfen. Wichtig ist, sie nur über eine kurze Dauer zu verordnen und das richtige Präparat für das jeweilige Schlafproblem zu finden. Manche Patienten schlafen nur schlecht ein, kommen aber danach gut durch die Nacht. Diese brauchen andere Mittel als solche, die Nachts immer wieder aufwachen. Daher können Helios-Ärzte weiterhin unterschiedliche Substanzen verordnen.

 

Braucht man denn überhaupt Medikamente zum Schlafen?

 

Insgesamt gilt, dass Schlafmedikamente und zumal „Benzodiazepine“ nicht das Mittel der Wahl sind, wenn Patienten schlecht schlafen. In jedem Falle sollten Patienten tagsüber wach bleiben und die Schlafumgebung gut gestalten. Wenn es dennoch schwer fällt, einzuschlafen, können pflanzliche Mittel gut wirken. Hierfür haben unsere Apotheken Baldrian als Wirkstoff an der Hand.