Krankhafte Schlafstörungen

Symptome, Krankheitsbilder, Behandlungswege

Symptome, Krankheitsbilder, Behandlungswege

Viele Schlafprobleme lassen sich auf Faktoren von außen zurückführen. Woran aber merke ich, wenn ich an einer krankhaften Schlafstörung leide? Und welche typischen Krankheitsbilder und Behandlungswege gibt es?

Gelegentlich schlecht zu schlafen ist nicht ungewöhnlich. Bei vielen Menschen schafft schon die Verbesserung der Schlafhygiene eine deutliche Verbesserung.

Die Schlafmedizin listet aber zahlreiche Schlafstörungen auf, die nicht auf äußere Faktoren, vorübergehende Ausnahmesituationen oder andere Erkrankungen zurückzuführen sind.

Ist meine Schlafstörung harmlos oder gefährlich?

„Allgemein gilt: Nachtprobleme sind Tagprobleme“, sagt Andreas Eger, der Technische Leiter des Schlafmedizinisches Zentrums im Helios Amper-Klinikum Dachau. „Wirkliche Schlafstörungen manifestieren sich in irgendeiner Form in einem eingeschränkten Tagesgeschehen."

Einige Betroffene bekämen beispielsweise ihren morgendlichen Blutdruck selbst nach ärztlicher Nachforschung nicht in den Griff. Andere seien nach durchwachten Nächten irgendwann nicht mehr arbeitsfähig. „Wenn ein Mensch häufig die ganze Nacht kein Auge zumacht, dann sieht man es ihm auch an“, so der Schlafmediziner. Zeigen sich solche Störungen am Tag nicht, liege in der Regel auch keine Schlafstörung vor.

Deutliche Hinweise auf eine tiefersitzende Erkrankung liegen laut Eger vor, wenn wochenlange Schlafstörungen dazu führen, dass Betroffene zum Beispiel:  

  • nicht leistungsfähig sind
  • unter Depressionen leiden
  • sich schlecht konzentrieren können
  • häufiger in Sekundenschlaf verfallen
  • unter erhöhtem Blutdruck leiden, ohne die Ursachen dafür zu kennen 

Oft ist den Patienten selbst gar nicht bewusst, dass hinter ihrer Müdigkeit schwerwiegendere Probleme stecken. „Gerade Männer kommen häufig zu uns ins Schlaflabor, weil die Partnerin sie auf Störungen oder Aussetzer in der Atmung hinweist.“ Ein unregelmäßiges Schnarchen, bei dem auf stille Atemaussetzer ein explosionsartig lautes Schnarchen folgt, könne beispielsweise auf ein gefährliches Schlafapnoe-Syndrom hinweisen. Eger: „Süffisant könnte man sagen: Verheiratete leben länger.“

Vom Hausarzt zum Schlaflabor

Andreas Eger, Technischer Leiter des Schlafmedizinisches Zentrums im Helios Amper-Klinikum Dachau

Wer solche Anzeichen bei sich feststellt, sollte zunächst seinen Hausarzt aufsuchen. „Dieser wird Sie dann in aller Regel an einen Lungenarzt oder HNO-Arzt überweisen, der ein sogenanntes ambulantes Screening macht“, sagt Eger. Patienten bekommen dabei mit einem Gurt eine Art Kästchen umgeschnallt. Mit daran befestigten Sensoren wird gemessen, ob der Patient schnarcht, Atemaussetzer hat oder nicht genügend Sauerstoff bekommt.

Ist dieser erste Befund positiv, wird in der Regel ein Termin im Schlaflabor empfohlen, um der Sache weiter nachzugehen. „Schlafmediziner können mit gezielten Fragen schon viel herausfinden“, sagt Eger. „Etwa ob eine Störung eher in der ersten oder eher in der zweiten Nachthälfte auftritt.“ Im ersten Fall komme die Störung eher aus dem Tiefschlaf, im zweiten eher aus dem REM-Schlaf.

Mit umfangreichen Messungen zum individuellen Schlafprofil

Im Schlaflabor schlafen Patienten eine Nacht unter Beobachtung. Dabei werden sie mit diversen Messgeräten verkabelt und detailliert untersucht – von Hirnströmen (EEG), Augenbewegungen (EOG) und Muskelspannung (EMG), über die Atmung an Mund und Brustkorb, bis hin zu Puls, Sauerstoffgehalt im Blut (Pulsoxymetrie) und CO2-Gehalt (Kapnografie). Zusätzlich liefern Video- und Tonbandaufnahmen Informationen über das Schlafprofil des Patienten.  

Die auf diese Weise gewonnenen Daten erbeben ein aussagekräftiges Schlafprofil des Patienten, das sich aus Schlafqualität, Atmung und weiteren festgestellten Parametern zusammensetzt. An den Messungen können die Schlafmediziner eine ganze Menge ablesen, unter anderem:  

  • Wie lange braucht die Person, um einzuschlafen?
  • Wie viel Tiefschlaf und wie viel REM-Schlaf hat sie abbekommen?
  • Wie viele Schlafzyklen und Wachphasen gab es in der Nacht?
  • Funktioniert das Herz in der Nacht genau so gut wie am Tag?
  • Gab es etwa Rhythmusstörungen oder Aussetzer im Herzschlag (Asystolien)?
  • Wie funktioniert die Atmung in der Nacht?
  • Gab es Atemaussetzer oder andere Besonderheiten, etwa lang anhaltende Flachatmung (Hypoventilation)?
  • Lag die Muskelanspannung im erwarteten Bereich? 

„Eine unserer Kenngrößen ist die Zahl der sogenannten ‚Arousal‘“, sagt Eger. Dabei handelt es sich um eine kurze, unbewusste Aktivierung bzw. Störung der Gehirnströme, etwa durch Geräusche von außen oder auch durch eigenes Schnarchen oder Atemaussetzer. „Bei jedem dieser Arousal werden Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol ausgeschüttet“ so Eger. „Je mehr dieser Stresshormone ausgeschüttet werden, desto weniger erholsam ist der Nachtschlaf.“  

Die festgestellten Auffälligkeiten und Abweichungen erlauben anschließend sehr genaue Aussagen über die mögliche Diagnose.

Wichtige Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Betroffene dieser relativ neuen Diagnose beschreiben die Symptome oft, als finde beim Schlafen eine „Explosion im Kopf“ statt, mit einem lauten Knall.   „

Diese Betroffenen leiden zwar nicht unter Kopfschmerzen oder dergleichen“, so Eger. „Dafür aber unter einem riesigen Schrecken, der ihnen in die Glieder fährt.“  

Lange Zeit habe man diese Patienten gründlich untersucht, durchs MRT gejagt und mehr – ohne Erfolg. Der genaue Hintergrund ist bis heute unbekannt. Von außen ist diese „Explosion“ nicht nachweisbar, nur die Aufregung danach, ist im EEG als Arousal festzustellen.

„Störungen in der Atmung während des Schlafens sind die Butter-und-Brot-Diagnose“, sagt Eger. „Sie sind weit verbreitet, und es gibt viele verschiedene Arten.“ Häufig wird etwa das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert: Atemaussetzer im Schlaf. Eine Schlafapnoe begünstigt auch Folgeerkrankungen im Herz-Kreislauf-System wie Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt sowie chronische Erkrankungen wie Diabetes.

Solche Störungen werden oft mit einer Beatmungstherapie mithilfe einer CPAP-Maske behandelt (CPAP- Continuous Positive Airway Pressure). „Die Maske baut durch Überdruck eine stehende Luftsäule auf, gegen die Sie ausatmen müssen“, sagt Eger. „Wie eine Schiene aus Luft.“ Dabei werden die Atemwege offengehalten, die dadurch nicht mehr kollabieren können. Netter Nebeneffekt: Auch das Schnarchen verschwindet auf diese Weise.

„Es gibt auch weitere Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Eger. „Etwa Protrusionsschienen." Dabei handelt es sich um feste Schienen, die den Unterkiefer nach vorne verlagern, um die Atemwege zu erweitern. Für Menschen, die nur in Rückenlage schnarchen, gibt es auch spezielle Westen oder Bandagen, die verhindern, dass man in Rückenlage liegt: sogenannte RLV-Westen und RLV-Bandagen (RLV = Rückenlagevermeidung). Denkbar sind auch operative Maßnahmen.  

„Ein relativ neuer Trend sind ‚Zungengrund-Schrittmacher“, sagt Eger. „Dabei handelt es sich um einen modifizierten Schrittmacher in der Art eines Herzschrittmachers.“ Beim Atemzug straffe dieser den Zungengrund, so dass die Atemwege frei werden.

Bei Ursachen der Störungen wie Übergewicht oder Alkoholkonsum setzt die Behandlung natürlich bei den Ursachen selbst an, sprich: beim Abnehmen oder Reduzieren des Konsums.

Narkolepsie, im Volksmund auch „Schlafkrankheit“, ist eine sehr seltene Störung der Schlaf-Wach-Regulation. Betroffene sind unfähig, sich wachzuhalten – und schlafen zum Beispiel mitten im Gespräch ein. Nicht nur wegen den immensen Gefahren im Alltag, etwa im Straßenverkehr, schränkt diese Krankheit die Lebensqualität dieser Betroffenen massiv ein.  

Der Hintergrund: Die Schlaf-Wach-Regulation wird durch einen bestimmten Zellhaufen vorgenommen, der den Neurotransmitter Orexin produziert: dem Nucleus suprachiasmaticus. „Wenn dieser Zellhaufen zu wenig oder gar kein Orexin mehr produziert, ist die Schlaf-Wach-Regulation gestört“, sagt Eger. „Betroffene schlafen dann einfach ein, vorwiegend in emotionaler Erregung, also bei Freude, Aufregung oder Ärger.“

Schlafwandeln kann abgegrenzt werden von einer Epilepsie und von einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung: „Tritt die Aktivität in der ersten Nachthälfte auf, handelt es sich zumeist um ein Schlafwandeln“, sagt Eger. „Treten sie in der zweiten Hälfte auf, ist eine REM-Schlafverhaltensstörung wahrscheinlicher.“  

Normalerweise besteht in der REM-Schlafphase eine motorische Entkoppelung: Die Trauminhalte werden zwar bewusst erlebt – aber der Körper ist wie gelähmt. „Bei einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist diese Entkoppelung bei den Betroffenen jedoch aufgehoben“, sagt Eger. „Sie leben ihren Traum wortwörtlich aus – und das kann verheerenden Folgen haben.“  

Wer im Traum um sich schlägt, schlage wirklich, so Eger. „Im besten Fall aufs Kopfkissen, im schlimmsten Fall auf den Bettpartner. Ich weiß von einem Fall in den USA, wo diese Verhalten den Tod des Partners zur Folge hatte.“

Unruhige Beine im Schlaf: Frauen leiden unter dieser Einschlafstörung häufiger als Männer. Die Betroffenen haben Missempfindungen in den Beinen. Durch das Bewegen der Beine würden die Beschwerden zwar gemindert, sagt Eger. „Das Gefühl ist aber oft so ungemütlich, dass das Einschlafen verzögert oder sogar verhindert wird.“

Man unterscheidet zwischen einem primären Restless-Legs-Syndrom, das im Alter oder aufgrund einer genetischen Veranlagung auftritt, und einem Restless-Legs-Syndrom, das auf sekundäre Ursachen zurückzuführen ist, etwa auf einen Eisenmangel. Daher leiden Frauen mit starker Monatsblutung auch häufiger unter RLS. Betroffene sollten also ihren Eisenstoffwechsel überprüfen lassen.

„Die Krankheit ist schon seit dem Mittelalter bekannt“ sagt Eger. „Behandelt wurden Krankheiten damals üblicherweise mit einem Aderlass, der zum Eisenmangel führte.“

Siehe "Nächtliche Atemstörungen"

Das Schlafwandeln im Kindesalter wird mittlerweile als gängige Erscheinung gewertet. Bei den meisten Menschen nimmt es beim Älterwerden ab. „Eltern können also darauf hoffen, dass es von alleine weggeht“, sagt Eger.  

Aus diesem Grund gebe es auch keine monosymptomatische Therapie, etwa durch Medikamente. „Sie sollten als Eltern aber dafür sorgen, dass es keine Selbst- und keine Fremdgefährdung geben kann“, so Eger. „Indem Sie etwa Fenster verschließen und das Kinderbett sichern.“  

Tritt das Schlafwandeln im Erwachsenenaltern noch auf, handelt es sich um eine Erkrankung, die diagnostiziert und behandelt werden sollte. Das Schlafwandeln ist eine Arousal-Störung, die direkt aus dem Tiefschlaf kommt: Betroffene befinden sich in der Tiefschlafphase, jedoch nimmt die Muskelanspannung bei ihnen nicht ab.

Tiefschlaf kennzeichnet sich durch langsamwellige Delta-Wellen aus, die im Wachzustand nicht wahrnehmbar sind. Steigt der der Anteil dieser Wellen im EEG über 20 Prozent, handelt es sich um Tiefschlaf.  

„Bei einer Patientin, die sich zuvor beim Schlafwandeln verletzt hatte, wollten wir das Schlafwandeln reproduzieren“, sagt Eger. Im Delta-Schlaf dieser Patientin sei im Schlaflabor ein regelrechter Delta-„Burst“ zu erkennen gewesen. „Der Anteil der Delta-Wellen stieg immer weiter an, bis schließlich die Muskelgruppen aktiviert wurden“, so Eger. „In diesem Moment beginnt das Schlafwandeln.“