Von Eulen und Lerchen

Schlafverhalten und Schlaftypen

Schlafverhalten und Schlaftypen

Warum ist Schlafen gesund? Wie viel Schlaf brauchen wir? Wen bezeichnet man als „Eule“ oder „Lerche“? Und was passiert eigentlich, während wir schlafen? Die wichtigsten Fakten rund um unser Schlafverhalten.

Beim Schlafen liegen wir stundenlang bewegungslos im Bett und nichts passiert - könnte man meinen. "Weit gefehlt", sagt Schlafmediziner Andreas Eger, Technischer Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums im Helios Amper Klinikum Dachau. "Schlaf ist lebenswichtig für uns, Körper und Geist sind dabei hochaktiv."

Warum wir überhaupt schlafen, ist bis heute nicht genau geklärt. Was man allerdings weiß: Schlaf ist lebensnotwendig und nicht einfach die passive Kehrseite des aktiven Wachzustandes. Im Gegenteil - bestimmte Körperfunktionen sind sogar sehr aktiv:

Besonders in den ersten Schlafstunden werden Hormone produziert, die wichtig für Wachstum, Wundheilung und Zellregeneration sind. Gleichzeitig sinkt im Schlaf der Spiegel des Stresshormons Cortisol.

Das Immunsystem schüttet im Schlaf vermehrt Abwehrzellen aus. Ein höheres Schlafbedürfnis bei Infektionen ist also eine sinnvolle Reaktion des Körpers.

Im sogenannten Leichtschaf (mehr zu Schlafstadien) werden wichtige von unwichtigen Informationen getrennt. Insbesondere im REM-Schlaf werden die wichtigen Informationen gefestigt. Ist die REM-Schlafphase gestört, werden Gedächtnisinhalte schlechter gespeichert. Wer also viel getrunken hat, erinnert sich später schlechter.

Im Schlaf weiten sich die Zellzwischenräume im Gehirn, wodurch das Nervenwasser besser fließen kann. Schadstoffe werden so einfacher abtransportiert, etwa solche, die bei Alzheimer entstehen.

Schlafverhalten: Wie viel Schlaf brauchen wir?

Verteilung Schlafdauer in der Bevölkerung
Verteilung der notwendigen Schlafdauer in der Bevölkerung

Tagsüber wach sein, nachts schlafen – das halten viele für ganz selbstverständlich. Wir kommen jedoch nicht mit diesem Schlafverhalten auf die Welt: Neugeborene schlafen polyphasisch, also mehrmals über den Tag verteilt. Sie passen ihren Schlaf-/Wach-Rhythmus erst beim Älterwerden allmählich dem zweiphasigen Tag-Nacht-Rhythmus an.  

„Man geht daher davon aus, dass sich der Schlafrhythmus evolutionär den Tageszeiten angepasst hat“, sagt Eger. „Als zumeist tagaktive Lebewesen (Augentiere) werden wir also zur rechten Zeit müde.“  

Als „normal“ werde ein Schlafbedürfnis von etwa sechs bis acht Stunden pro Nacht betrachtet, so Eger. Knapp drei von vier Menschen fielen in diese Kategorie. Dabei ist es unerheblich, wann der Schlaf stattfindet. Die Bettgehzeit spielt für die Erholsamkeit fast keine Rolle. Ebenso wenig, ob der Schlaf nachts „in einem Ruck“ eingeholt oder über den Tag aufgeteilt wird, etwa mit einem zusätzlichen kurzen Mittagsschlaf.

Unterschiedliche Schlaftypen

In der Schlafmedizin werden laut Eger vor allem zwei Schlaftypen unterschieden:  

Langschläfer vs. Kurzschläfer

Wer mehr als acht oder weniger als sechs Stunden Schlaf benötigt, wird als Abweichler vom normalen Schlafverhalten betrachtet.  

Dabei schlafen Langschläfer nicht automatisch besser als Kurzschläfer: Wichtig für einen gesunden Schlaf ist vor allem der Anteil des Tiefschlafes, der Wachstum, Immunisierung und Entgiftung fördert. Wer mit vergleichsweise wenig Schlaf auskommt, holt sich in der Nacht zumeist genauso viel Tiefschlaf wie Langschläfer.

Lerchen vs. Eulen

Zur Unterscheidung von Frühaufstehern und Spätaufstehern hat man Begriffe aus der Vogelwelt entlehnt: Typische Frühaufsteher (Lerchen) stehen – wie der Name schon sagt – früh auf und sind sofort munter, leistungsfähig und gut gelaunt. Sie gehen abends auch zeitiger ins Bett.  

Die Morgenmuffel (Eulen) kommen dagegen in der Frühe schlecht aus dem Bett und brauchen länger, um leistungsfähig zu werden. Dafür blühen sie abends richtig auf und können bis spät in die Nacht konzentriert arbeiten – oder feiern.  

Weitere Unterschiede

Darüber hinaus könne man weitere Typen unterscheiden, so Eger, zum Beispiel sensitive Schläfer und sehr tiefe Schläfer. Säuglinge und Kleinkinder etwa könnten so tief schlafen, dass nebenher Discomusik laufen kann. Bei anderen reiche schon das Ticken eines Weckers für einen gestörten Schlaf.  

Alters- und geschlechtsspezifische Faktoren spielen beim Schlafverhalten eine große Rolle: Ältere Menschen werden sensitiver und neigen eher zu Schlafstörungen. Kleinkinder und Säuglinge brauchen dafür mehr Schlaf als Erwachsene.  

„Im Alter dreht es sich dann wieder um“ sagt Eger: „Entgegen der landläufigen Meinung brauchen ältere Menschen wieder mehr Schlaf.“ Das gehe aber oft einher mit einem veränderten Schlafverhalten: Menschen in Rente hielten häufiger einen Mittagsschlaf, so dass die Menge des Schlafes insgesamt zunehme – sich aber unterschiedlich auf Tag und Nacht verteile.  

„Zudem wird der Schlaf oberflächlicher“, sagt Eger. „Die Anteile an Tiefschlaf und REM-Schlaf nehmen im Alter ab.“