Sechs Wochen zu früh ins Leben
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Wissenswertes für werdende Eltern

Rund um die Schwangerschaft

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Frühchen Leonie

Sechs Wochen zu früh ins Leben

Sie ist eine kleine Kämpferin und für ihre Eltern ein großes Wunder: Leonie. Als eines von deutschlandweit jährlich rund 67.000 Frühchen bringt ihre Mutter Isabell sie nach 34 Wochen und fünf Tagen sowie mit einem Geburtsgewicht von gerade einmal 1.950 Gramm am 24. September 2020 im Helios Klinikum Meiningen auf die Welt. Rund sechs Wochen zu früh und verbunden mit einer Vorgeschichte, die zu Tränen rührt.

Leonies Mama Isabell ist eine fröhliche junge Frau, die sich im September 2020 darauf freut, die letzten Wochen ihrer Schwangerschaft zu genießen. Sie ist dankbar, dass es Leonie in ihrem Bauch so gut geht und es die beiden gemeinsam schon acht Wochen weiter geschafft haben als Isabell mit Leonies Geschwisterchen vor ihr. Die junge Mutter war 2019 schon einmal schwanger. In der 26. Schwangerschaftswoche traten jedoch plötzlich starke Schmerzen auf und sie brachte ihr Baby tot auf die Welt. Nichts hatte vorher darauf hingedeutet, umso trauriger waren die Eltern über das abrupte Ende der Schwangerschaft. Es dauerte,
die Schmerzen zu verarbeiten.

Schnell wieder schwanger

Doch dann wurde Isabell unerwartet schnell wieder schwanger. Sie freute sich, war noch vorsichtiger im Umgang mit der Schwangerschaft und gab zusätzlich auf sich und ihre kleine Leonie acht. Gemeinsam schafften Isabell und ihr ungeborenes Baby einen Meilenstein nach dem anderen. Bei einer der Routineuntersuchungen stellt der Frauenarzt zu Beginn der 34. Schwangerschaftswoche dann an einem Montag aber fest, dass Isabell, anstatt zuzunehmen, bereits vier Kilogramm abgenommen hat. Auch Bluthochdruck wird der jungen Frau attestiert. Sie erhält daraufhin Blutverdünner.

Schmerzen führen sie ins Krankenhaus

Doch der kann die nun immer wieder stärker auftretenden Beschwerden nicht wirklich lindern. Schließlich begibt sich Isabell am Mittwoch ins Krankenhaus und wird am Abend wieder entlassen, nachdem sich ihre Beschwerden verringert haben. Doch über Nacht geht es der jungen Frau immer schlechter. Isabells Mann ist bei der Arbeit und kann ihr in dieser Zeit nicht beistehen. Doch als die Schmerzen immer stärker werden, wendet sich Isabell an ihre Schwiegermutter, die mit dem jungen Paar in einem Haus wohnt. Diese erkennt sofort den Ernst der Lage und ruft am frühen Donnerstagmorgen einen  Krankenwagen. Die Notfallsanitäter stellen bei der jungen Frau schon im Rettungswagen einen extrem hohen Blutdruck fest und die Werte des CTG im roten Bereich bestätigen die dringliche Lage, die schnelles Handeln erfordert.

Notkaiserschnitt

Frühchen im Krankenbett
Leonies plötzlicher Start ins Leben war für die Eltern ein großer Schreck – vor allem, weil sie bereits einen Schicksalsschlag verarbeiten mussten | Foto: Privat

Im Helios Klinikum Meiningen angekommen entscheidet sich das Team des Frau-Mutter-Kind-Zentrums aus Hebammen und Ärztinnen und Ärzten der Gynäkologie und Pädiatrie in Abstimmung sofort zu
einem Notkaiserschnitt. Alles geht Hand in Hand. Zu diesem Zeitpunkt atmet Leonie bereits nicht mehr. Sie wird nach der Entbindung sofort reanimiert und unter dem pädiatrischen Chefarzt Christoph Ehrsam und der Leitenden Oberärztin Svetlana Shopova-Mircheva intensiv überwacht.

Und auch um die junge Mutter steht es nicht gut: Sie verliert während der Operation viel Blut. Unter Einfluss der starken Schmerzen und in Abhängigkeit der für sie extrem belastenden Situation hatte Isabell vergessen, die Ärztinnen und Ärzte darüber aufzuklären, dass sie seit Kurzem ein Blutverdünnungsmittel einnimmt. Das Ärzteteam der Gynäkologie und Geburtshilfe reagiert prompt und kann so der jungen Mutter das Leben retten.

„Wäre ich in einer anderen Klinik operiert worden, bin ich mir sicher, dass Leonie und ich nicht so gute Chancen gehabt hätten“, erzählt Isabell rückblickend. Die Beatmungsmaschine muss Leonie nach der Geburt nur einen Tag in Anspruch nehmen, dann schafft es die kleine Kämpferin trotz nicht vollständig entwickelter Reife die Atmung eigenständig zu übernehmen. Die folgenden beiden Wochen behandelt das Team der Pädiatrie am Helios Klinikum Meiningen Leonies niedrige Blutzuckerwerte und eine Neugeboreneninfektion, die durch einen Übertritt von Bakterien noch im Bauch der Mutter verursacht wurde.

Schwangerschaftsvergiftung

Erst im Nachhinein stellt sich heraus, dass die junge Mutter Isabell eine Schwangerschaftsvergiftung hatte – eine gefährliche Komplikation. Drei Tage kämpft die junge Frau nach der Notoperation noch mit dem Fieber, dann verbessert sich ihr Zustand. „Ich bin so froh, dass ich hier gelandet bin. Das gesamte Team hat so schnell gehandelt und mich auch nach der Geburt total unterstützt“, erzählt Isabell. Weil sie nach der Operation selbst sehr geschwächt war, halfen die Hebammen und Schwestern im Frau-Mutter-Kind-Zentrum Isabell zum Beispiel, die Milch für Leonie abzupumpen.

Das Thema Stillen hat im Helios Klinikum Meiningen einen hohen Stellenwert. Deshalb wird jede Mutter unter fachkundiger Anleitung dabei unterstützt, wenn der Wunsch zu stillen vorhanden ist. Nicht zuletzt deshalb ist Isabell froh, dass die Rettungskräfte sie nach Meiningen gebracht haben und sie so mit Leonie trotz der anfänglichen Komplikationen, der damit einhergehenden Frühgeburt und ihrer eigenen Krankengeschichte das Klinikum nach gut zwei Wochen bereits verlassen konnte.

Heute ist Leonie fünf Monate alt und von den Strapazen der Geburt ist der kleinen Kämpferin nichts mehr anzusehen: Ihr Lachen steckt an und das allein ist wohl Dank genug für alle, die sie bei ihrem verfrühten Start ins Leben begleitet und unterstützt haben.