Nachgefragt

7 Mythen rund um Antibiotika

<strong>7 Mythen</strong> rund um Antibiotika

Während die einen sie gerne sofort einnehmen, verzichten andere lieber auf sie – Antibiotika. Wundermittel bei Krankheit oder Ursache von multiresistenten Bakterien? Um Antibiotika ranken sich viele Gerüchte und Halbwahrheiten. Wir bringen Licht ins Dunkel und schaffen Klarheit.

Dr. Sabine Recknagel-Friese, ABS Expertin und Fachärztin für Anästhesiologie im Helios Klinikum Erfurt und Priv.-Doz. Dr. Irit Nachtigall, Regionalleiterin Hygiene Ost haben für uns sieben Mythen rund um Antibiotika einem Wahrheitscheck unterzogen und erklären, was stimmt und wann es sich um einen Mythos handelt.

  1. Antibiotika helfen gegen Erkältung, Grippe und Co.

    Mann putzt Nase, hat Decke über Schulter gelegt und sieht krank aus
    Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infektionen | Foto: Canva

    Jein! Antibiotika helfen ausschließlich bei bakteriellen Infektionen. Eine Grippe, Erkältung, Husten oder Rachenentzündung lassen sich mit Antibiotika nicht behandeln, da sie durch Viren entstehen. Antibiotika bewirken hier nichts. Unsere Empfehlung: Rät Ihnen ein Arzt bei einer Erkältung oder Grippe zu Antibiotika, sollten Sie besser nochmal nachfragen. Denn: „Je mehr und häufiger die weit verbreiteten Antibiotika für die falsche Erkrankung eingesetzt werden, umso mehr werden Resistenzen gefördert“, sagt Priv.-Doz. Dr. Irit Nachtigall.

  2. Antibiotika machen resistent

    Nicht ganz. Vielmehr ist es so, dass sich nicht der menschliche Körper an Antibiotika gewöhnt, sondern die Bakterien selbst. Korrekt ist daher, dass manche Bakterien gegen Antibiotika resistent werden. Die resistenten Erreger können Infektionen verursachen, bei denen einstig hilfreiche Medikamente nicht mehr wirken. Grund dafür sind unter anderem zufällige Mutationen im Erbgut der Erreger, die sich weiterverbreiten, aber die Erreger können sich die Resistenzen auch unter einander weitergeben. Unsere Empfehlung: Wichtig ist, dass Antibiotika nicht unnötig verschrieben und eingenommen werden. Holen Sie sich im Zweifel eine Zweitmeinung ein und hinterfragen Sie die Notwendigkeit bei Ihrem Arzt.

  3. Antibiotika bei Besserung der Symptome absetzen

    Besser nicht. Zwar wirken viele Antibiotika schnell und senken die Zahl der krankmachenden Erreger stark herab, allerdings sind die Bakterien noch nicht komplett beseitigt. Auch wenn die Symptome bereits nachgelassen haben. Unsere Empfehlung: Generell gilt, nehmen Sie das Antibiotikum solange und in der Dosis, die von Ihrem Arzt verordnet wurde. Wenn Sie sich wieder richtig gesund fühlen, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt, ob Sie die Therapie eventuell verkürzen können. Und bitte lagern sie nicht verbrauchte Reste nicht zu Hause und greifen ohne Verordnung bei neuen Symptomen darauf zurück. Reste sind immer zu entsorgen.

  4. Antibiotika hemmen die Wirkung der Pille

    Frauenhand hält Antibabybille in den Fingern
    Antibiotika kann die Wirkung der Antibabypille mindern | Foto: Canva

    Das kann richtig sein. Die Wirkung der Pille kann während der Einnahme von Antibiotika gemindert sein. Da antibiotische Medikamente einen negativen Einfluss auf die Darmflora haben, kann dies die Aufnahme der Hormone beeinträchtigen. Bitte besprechen Sie dies ggf. mit ihrem verordnenden Arzt. Unsere Empfehlung: Um nicht ungewollt schwanger zu werden, bieten Kondome einen zusätzlichen Schutz.

  5. Antibiotika und Milch vertragen sich nicht

    Jein. Entscheidend ist der Wirkstoff des Antibiotikums. Bestimmte Wirkstoffe können mit dem Kalzium aus der Milch im Magen und Darm schwer lösliche Verbindungen eingehen. Das behindert die Aufnahme des Antibiotikums ins Blut und lässt sie schwächer wirken. Unsere Empfehlung: Besprechen sie auch dieses Problem mit ihrem Arzt. Gegebenenfalls verzichten Sie zwei Stunden vor und nach der Einnahme des Antibiotikums auf Milch. Das gilt auch für kalziumreiches Mineralwasser und Milchprodukte wie Käse, Quark oder Joghurt. „Grundsätzlich sollte Antibiotika immer mit einem großen Schluck Leitungswasser eingenommen werden“, so Dr. Recknagel-Friese.

  6. Antibiotika gehören in die Hausapotheke

    Medizinschrank mit knapp geöffneter Tür
    Antibiotika nur in Absprache mit dem Arzt nehmen | Foto: Canva

    Das ist falsch. Antibiotika sind verschreibungspflichtig und sollten nicht eigenständig dosiert werden. Ihr Arzt muss im konkreten Krankheitsfall entscheiden, ob ein Antibiotikum sinnvoll ist und gegen welche Bakterien es wirken soll. Unsere Empfehlung: Heben Sie übrig gebliebene Antibiotika nicht auf oder geben Sie diese an Dritte weiter. Denn auch bei ähnlichen Symptomen können sich die Erreger unterscheiden.

  7. Antibiotika schwächen das Immunsystem

    Das ist falsch. Besonders bei chronischen Krankheiten, in höherem Alter, bei Stress oder bei einer schweren Infektion schafft es das Immunsystem nicht immer, gegen alle Krankheitserreger vorzugehen. Antibiotika unterstützen die körpereigenen Abwehrkräfte, indem sie Bakterien angreifen und abtöten. Unsere Empfehlung: Nehmen Sie Antibiotika nur in Absprache mit Ihrem Arzt ein. Da die Art des Antibiotikums und die Dauer der Einnahme vom Bakterium abhängen, sollten Sie keine Eigentherapie mit alten Antibiotika vornehmen. 

Antibiotika: Wissen Sie Bescheid?

Testen und erweitern Sie Ihr Wissen rund um Antibiotika. Wir wünschen Ihnen viel Spaß!