Was passiert beim Prostata abtasten?
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Alles rund um Prostatakrebs

Prostatakrebs

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Tastuntersuchung kurz erklärt

Was passiert beim Prostata abtasten?

Männer mit einem Alter über 45 Jahre sollten eine jährliche Prostata-Vorsorge durchführen lassen. Diese umfasst neben einem Bluttest auch eine Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm und zählt heutzutage in Deutschland zur wichtigsten Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs.

Im medizinischen Kontext wird die Untersuchung auch als digital-rektale Untersuchung bezeichnet. Oftmals wird der Begriff "digital" dabei von Patienten mit dem Computer oder der digitalen Datenverarbeitung in Verbindung gebracht. Die Erklärung des Begriffs ist jedoch viel einfacher: "digitus" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Finger".

Kann man seine Prostata selbst abtasten?

„Die eigene Prostata selbst abzutasten, ist nicht einfach und nicht empfehlenswert, sondern sollte einem erfahrenen Mediziner überlassen werden“, sagt Dr. Mohamed Al-Mwalad, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie und Ärztlicher Direktor in der Helios Klinik Cuxhaven.

Krankhafte Veränderung der Prostata sind ohne langjährige Erfahrung in dem Bereich nicht gut zu beurteilen.

Die eigene Prostata selbst abzutasten, ist nicht einfach und nicht empfehlenswert, sondern sollte einem erfahrenen Mediziner überlassen werden.

Dr. Mohamed Al-Mwalad, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie und Ärztlicher Direktor | Helios Klinik Cuxhaven

Erkrankungen mit der Tastuntersuchung der Prostata erkennen

Grafische Darstellung Tastuntersuchung bei  Verdacht auf Prostatakrebs
Digtale-rektale Untersuchung (DRU) zur Früherkennung von Prostatakrebs | Grafik: Helios Gesundheit

Viele Männer scheuen sich vor einer Prostata-Vorsorgeuntersuchung, jedoch kann eine aufgeschobene Untersuchung im zunehmenden Alter schwerwiegende Folgen haben. Bei Prostatakrebs handelt es sich um die bei Männern am häufigsten auftretende Krebsart.

Eine rektale Untersuchung ist eine der wichtigsten Methoden, die ein Arzt zur Überprüfung der Prostata einsetzt. Dabei führt der Arzt einen Finger in den Enddarm ein, um sie nach einem Tumor oder möglichen Unregelmäßigkeiten abzutasten. Dazu könnten Symptome gehören, die mit Prostatakrebs, einer Vergrößerung oder einer Entzündung der Prostata in Verbindung gebracht werden. Lassen sich beispielsweise Knoten oder Verhärtungen feststellen, könnten das Hinweise auf eine Diagnose wie eine bösartige Veränderung sein.

„Aufgrund der anatomischen Lage der Prostata in direkter Nähe zum Enddarm ist die rektale Tastuntersuchung am besten geeignet“, so der Chefarzt. Der Urologe kann mit der Untersuchung über den Anus die Prostata und das untere Ende des Enddarms (Rektum) untersuchen. Dafür wird der Zeigefinger mit einem Gummihandschuh oder einem Fingerling überzogen. Die Befeuchtung des Fingers mit Gleitgel ermöglicht ein schmerzfreies und leichtes Einführen in den After.

Zur Beurteilung der Größe sowie Abgrenzung gegenüber der Umgebung kann in der gleichen Sitzung mit einem speziellen Gerät eine Ultraschalluntersuchung der Prostata erfolgen – die sogenannte transrektale Prostata Sonographie. Stellt der Facharzt im Rahmen der Untersuchung Auffälligkeiten fest, die auf ein Prostatakarzinom hindeuten, erfolgt im nächsten Schritt eine gezielte Prostatabiopsie. Diese findet in der Regel ultraschallgesteuert durch den After und ohne Narkose statt.

Die Untersuchungen durch den Arzt haben unter anderem das Ziel, eine bösartige Veränderung des Prostatagewebes (Prostatakrebs) von der gutartigen Prostatavergrößerung abzugrenzen. Eine gutartige Vergrößerung hat nichts mit Prostata-Krebs zu tun. Zur Diagnostik gehören zunächst die Messung des Harndrucks und die Ultraschalluntersuchung der Harnblase und der Prostata.

Aufgrund der anatomischen Lage der Prostata in direkter Nähe zum Enddarm ist die rektale Tastuntersuchung am besten geeignet.

Dr. Mohamed Al-Mwalad, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie und Ärztlicher Direktor | Helios Klinik Cuxhaven

Prostata-Untersuchung beim Urologen

Mann im Labor
Der PSA-Wert wird im Labor bestimmt | Foto: Canva

Die Untersuchung wird meist im Liegen durchgeführt. Sie sollten dabei in Seitenlage die Beine an den Körper heranziehen. Unter Verwendung von Handschuhen und Gleitmittel führt der Untersucher nun vorsichtig den Zeigefinger in den After ein. Durch die Vorderseite des Enddarms kann die Prostata nun ertastet werden.

Bei dem PSA-Test wird dem Patienten Blut entnommen und dieses hinsichtlich des prostataspezifischen Antigens (PSA) untersucht. Insofern eine überdurchschnittliche Konzentration des Antigens vorliegt, kann dies auf eine Erkrankung der Prostata, vor allem auf das Vorliegen eines Prostatakrebses, hindeuten. In der Regel und unter Berücksichtigung bestimmter Einflussfaktoren gilt ein PSA Wert von ≥ 4 ng/ml als pathologisch.

Das PSA-Screening ist aktuell kein Bestandteil der gesetzlichen Früherkennung und muss als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) vom Patienten selbst getragen werden.

Neben der Tastuntersuchung gehört zur Vorsorge beim Urologen ebenfalls ein PSA-Test sowie ein transrektaler Ultraschall. Die Ultraschalluntersuchung wird im Anschluss an die Tastuntersuchung durchgeführt. Dabei wird eine Sonde eingeführt, welche die Prostata mithilfe von Ultraschallwellen untersucht. 

Laut der aktuellen Leitlinien soll im Rahmen der Früherkennung eine Prostatabiopsie bei Vorliegen von mindestens einem der folgenden Kriterien empfohlen werden:

  • kontrollierter PSA-Wert von ≥ 4 ng/ml bei der erstmaligen Früherkennungs-konsultation unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren
  • karzinomverdächtiges Ergebnis bei der digital-rektalen Untersuchung
  • auffälliger PSA-Anstieg (ohne Wechsel des Bestimmungsverfahrens)