Klinikaufenthalt auf der Überholspur
Fast Track

Klinikaufenthalt auf der Überholspur

Beim Fast-Track-Verfahren profitieren Patientinnen und Patienten von der Möglichkeit, am Tag der Operation direkt aufstehen zu können, und von weniger Schmerzen und einem kürzeren Krankenhausaufenthalt.

Dr. Thorsten Gehrke, Ärztlicher Direktor der Helios ENDO-Klinik, schätzt, dass rund 85 Prozent der Patientinnen und Patienten für die Methode infrage kommen.

Bisherige OP-Methoden zogen einen langwierigen Heilungsprozess nach sich. Mit der aktiven Einbeziehung der Patientin oder des Patienten kann der Prozess verkürzt werden. Wie sind Ihre Erfahrungen dazu?

Unsere Erfahrungen mit der präoperativen Patientenschulung, Prehabilitationssystemen und der sofortigen postoperativen Mobilisierung der Patientin oder des Patienten sind ausgesprochen gut. Wir haben diese Prozesse bereits vor vier Jahren in der ENDO-Klinik implementiert und konnten so schrittweise die durchschnittliche postoperative Aufenthaltsdauer von etwa sieben bis acht Tagen auf drei bis vier Tage senken. Neben den erwähnten Maßnahmen tragen hierzu allerdings noch spezielle intra- und postoperative Modifikationen der Schmerztherapie und der Gerinnungshemmung bei. Das Risiko vieler Komplikationen wie Thrombose, Embolie und Infektionen kann durch das Fast-Track System deutlich gesenkt werden.

Mann in weißem Poloshirt am Tisch
Dr. Thorsten Gehrke, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der ENDOKlinik in Hamburg | Foto: Sven Brügmann

Was erwartet die Patientinnen und Patienten, die nach dieser Methode operiert werden?

„Fast Track“ oder auch „Rapid Recovery“ führt dazu, dass die Patientin oder der Patient nach der Operation bedeutend schneller wieder selbstständig ist. Sie oder er kann sich selber anziehen, aus dem Bett steigen, zur Toilette gehen und Treppen steigen, ist also deutlich früher in der Lage, die alltäglichen Aktivitäten wiederaufzunehmen.

Und wie sieht das konkret aus?

Wir bieten bereits am Aufnahmetag unsere Patientenschulungen an. Dort lernen die Patientinnen und Patienten das Laufen mit den Gehstützen  – so gehen sie bereits gut vorbereitet in ihre Operation und kommen danach besser aus dem Bett und mit den Gehstützen zurecht. Wir verzichten weitgehend auf Katheder. Störende Blasenkatheder oder Drainageschläuche werden möglichst nicht verwendet. Sehr wichtig ist zudem ein effektives Schmerzmanagement, denn je weniger Schmerz eine Patientin oder ein Patient spürt, umso leichter fällt es ihr oder ihm, das Bewegungsprogramm nach der Operation zu absolvieren. Bereits am OP-Tag erfolgt die erste Mobilisation. Nur einen Tag nach der OP finden die ersten krankengymnastischen Übungen statt. Von da an hat die Patientin oder der Patient täglich Krankengymnastik und Mobilisationstraining. Wenn die Heilung gut verläuft und keine Komplikationen auftreten, können Patientinnen und Patienten bereits ab dem vierten Tag nach der Operation nach Hause oder direkt in die Rehabilitation entlassen werden. Der internationale Standard liegt bei zwei bis drei Tagen.

Für welchen Patientenkreis kommt die Fast-Track-Methode infrage?

Grundsätzlich kommt laut Studienlage nahezu jede Patientin und jeder Patient für Fast Track infrage. Dennoch spielen das Alter, die Adipositas und auch die soziale Situation der Person (alleinstehend) eine große Rolle. Auch multiple Neben- und Vorerkrankungen sind hier bedeutsam. In diese Gruppe fallen etwa zehn bis 15 Prozent unserer Patientinnen und Patienten. Diese kommen für das Fast-Track-System in der Regel nicht in Betracht, sondern durchlaufen einen längeren Krankenhausaufenthalt.

Patientenschulungen

Die Helios ENDO-Klinik bietet neben einer Vielzahl von Broschüren und Ratgebern auch Patientenschulungen an. Dort lernen Patientinnen und Patienten den Ablauf ihres Klinikaufenthaltes kennen und erhalten Verhaltensempfehlungen im Umgang mit den neuen Gelenkprothesen. Außerdem ermöglichen die Patientenschulungen den Patientinnen und Patienten, aktiv an der Bewältigung ihrer Erkrankung mitzuwirken. In der einstündigen
Gruppenschulung einen Tag vor der geplanten Operation erklären Pflegende die nächsten Schritte in der Klinik. Gleichzeitig beantworten sie Fragen zur OP-Vorbereitung, zur Patientensicherheit und zum Schmerz- und Wundmanagement.