Notaufnahme international – ein Überblick
Vorbereitet im Ausland

Notaufnahme international – ein Überblick

Wer im Urlaub erkrankt oder einen Unfall hat, sollte wissen, dass die Notfallversorgung weltweit sehr unterschiedlich funktioniert – und auch unterschiedlich gut ist.

Das Grundproblem in internationalen Notaufnahmen ist ähnlich wie in Deutschland: Zu viele Patienten, auch mit weniger schweren Beschwerdebildern, stellen sich dort vor, wo Notaufnahmen bereits überlastet sind. Angebote für weniger schwere Notfälle werden oft nicht ausreichend angenommen oder sind schlichtweg zu wenig bekannt.

Alternativen zur Notaufnahme, Notrufnummern, die Frage nach der Versicherung und was Sie bei einem Unfall im Ausland bei der Einlieferung in die Notaufnahme wissen sollten, stellen wir Ihnen in unserem Beitrag anhand von ein paar Beispielen vor.

USA: Der Emergency Room als Sicherheitsnetz

Weißes Hausicon mit runder Flagge der USA auf violettem Hintergrund
911 – die Notrufnummer in den USA | Foto: Helios

Notaufnahmen (Emergency Rooms, ER) sind das einzige medizinische Angebot in den USA, das alle Menschen nutzen können – auch wenn sie nicht krankenversichert sind. Deshalb haben sie eine besondere Bedeutung als Sicherheitsnetz im Gesundheitssystem. Der Anreiz ist groß, auch mit weniger schweren Erkrankungen oder Verletzungen in den ER zu gehen. Viele beschreiben die Qualität der Versorgung als sehr gut. Hier wird genauestens hingeschaut, um Fehler zu vermeiden. Denn Schadensforderungen gegenüber Ärzten und Krankenhäusern können in Amerika schnell in die Millionen gehen.

Insgesamt sind die Behandlungskosten im internationalen Vergleich jedoch genau deswegen enorm hoch. Außerdem führt die gute Qualität zunehmend auch krankenversicherte Menschen in die Notaufnahmen, die keinen Termin bei ihren Hausärzten oder Spezialisten erhalten. Das führt zu längeren Wartezeiten.

Für den Fall, dass Sie während einer USA-Reise in die Notaufnahme müssen, sollten Sie vorab Folgendes wissen:

Kosten:

In der Notfallambulanz wird Ihnen jedes Krankenhaus sämtliche Kosten berechnen, selbst wenn es sich nur um eine kleine Platzwunde handeln sollte. Für die Behandlung und etwa ein Antibiotikum oder Schmerzmittel können bereits mehrere Hundert Dollar anfallen. Bevor die medizinische Versorgung losgeht, wird ein pauschaler Betrag berechnet, den der Patient sofort begleichen muss. Das geht entweder bar oder per Kreditkarte.

Wichtig:

Heben Sie alle Rechnungen auf und lassen Sie sich genauestens dokumentieren, was gemacht wurde. So können Sie sich das Geld später von Ihrer Reisekrankenversicherung oder womöglich der Krankenkasse erstatten lassen. Informieren Sie sich vorab auch über einen möglichen Rücktransport. Denn sollte ein längerer Klinikaufenthalt nötig sein, könnten Sie die Behandlung vielleicht besser in der Heimat fortsetzen.

Weitere Infos:

Je nach Hospital werden Sie möglicherweise erst einmal von einer Krankenschwester (Nurse) behandelt. Bitte nicht wundern, das ist ganz normal in den USA. Krankenschwestern benötigen in den USA einen Universitätsabschluss und eine sogenannte License des jeweiligen Bundesstaates, um arbeiten zu dürfen. Durch diese Vorgaben haben sie zum Teil mehr Befugnisse als Pflegekräfte in Deutschland. In den meisten Fällen versichert sich abschließend noch einmal ein Arzt, dass es Ihnen gut geht.

Notfallnummer:

911

Großbritannien: Pflegekräfte behandeln leichtere Notfälle

Weißes Hausicon mit runder Flagge von Großbritannien auf violettem Hintergrund
999 lautet die Notrufnummer in Großbritannien | Foto: Helios

In Großbritannien gibt es drei verschiedene Anlaufstellen für Notfallpatienten.

In den Krankenhäusern sind Urgent Care Center (UCC) eingerichtet, die wie deutsche Notaufnahmen funktionieren. Zusätzlich gibt es Walk in Center (WIC) und Minor Injuries Units (MIU) für weniger schwere Fälle. Die Center sind immer dann geöffnet, wenn Arztpraxen geschlossen sind und die Notfallambulanz nicht unbedingt notwendig ist.

Für welchen Notfall welche Anlaufstelle die richtige ist, entscheiden Callcenter (landesweite Rufnummer: 111). Um Verletzungen und den Behandlungsbedarf einzuschätzen, werden Patienten hier nach einem Leitfaden befragt. Für lebensbedrohliche Fälle gibt es den Notruf 999. Da ein Anruf im Callcenter nicht verpflichtend ist, leiden die UCC unter großem Patientenaufkommen.

Kosten:

In Großbritannien ist jede Klinik verpflichtet, Notfallpatienten kostenlos aufzunehmen und zu versorgen. Das gilt auch für Urlauber. Sollte es zu einem längeren Krankenhausaufenthalt kommen, tritt die Auslandskrankenversicherung in Kraft. Denken Sie also vor Ihrer Reise daran, eine abzuschließen.

Weitere Informationen:

Das UCC eines jeden Krankenhauses ist rund um die Uhr geöffnet und muss die unmittelbare Gesundheitsversorgung auch für Touristen gewährleisten. Im UCC findet eine ambulante Versorgung statt. Verletzungen oder Krankheiten, die schwerwiegender sind, werden zur weiteren Behandlung im Emergency Department (Notfallstation) aufgenommen.

In England gibt es außerdem noch die sogenannten „Advanced Nurse Practitioners“. Diese Pflegekräfte haben eine vertiefende Ausbildung absolviert. Sie können dadurch die komplette medizinische Versorgung eines Patienten eigenständig übernehmen: von der Untersuchung über Diagnose und Behandlung bis hin zum Verschreiben von Medikamenten.

Notfallnummer:

999

Dänemark: Callcenter als „Türhüter“ für Notaufnahmen

Weißes Hausicon mit runder Flagge von Dänemark auf violettem Hintergrund
Die 112 gilt auch in Dänemark für Notfälle | Foto: Helios

Im dänischen Notfallsystem gibt es zwei Besonderheiten, die Sie kennen sollten: Zum einen gibt es in jeder Region Callcenter, die Patienten in Notsituationen anrufen müssen. Dort sind geschulte „Nurses“ (Krankenschwestern) mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung sowie einer zusätzlichen Ausbildung und immer auch ein Notarzt im Dienst. Die „Nurses“ fungieren als „Türhüter“ und leiten die Patienten je nach Schwere ihrer Erkrankung in die richtige Einrichtung. Zum anderen bieten die Kliniken Notfallzentren, in denen 24 Stunden sowohl ambulante als auch stationäre Fälle behandelt werden. Patienten werden hier nur aufgenommen, wenn sie zuvor das Callcenter oder bei Lebensgefahr den Notruf unter 112 angerufen haben.

Kosten:

Krankenhäuser in Dänemark sind verpflichtet, auch Touristen im Falle plötzlicher Krankheit, eines Unfalls oder einer Geburt zu behandeln. Ein eventueller Rücktransport muss jedoch selbst beglichen werden.

Weitere Informationen:

In Dänemark befinden sich an vielen öffentlichen Plätzen und Ferienhausanlagen Defibrillatoren, die im Notfall bei Kammerflimmern und anderen Herzrhythmusstörungen genutzt werden können, bis der Rettungsdienst eintrifft. Sie sind durch das Wort „Hjertestarter“ (= Herzstarter) markiert und können auch durch Ersthelfer eingesetzt werden.

Außerhalb der normalen Hausarztsprechzeiten (16:00 bis 8:00 Uhr) erreicht man über die Telefonnummer +45 7013 0041 den ärztlichen Notdienst, zum Beispiel bei kleineren Verletzungen. Ansonsten gilt es natürlich, bei lebensbedrohlichen Zuständen den Krankenwagen zu alarmieren.

Notfallnummer:

112

Schweiz: Notfallcenter nur sechs Stunden pro Tag geöffnet

Weißes Hausicon mit runder Flagge von Dänemark auf violettem Hintergrund
Nicht zu verwechseln: 144 für den normalen Notruf, 1414 für die Luftrettung | Foto: Helios

Die Notfallversorgung in der Schweiz ist sehr heterogen organisiert. In der Nähe von Krankenhäusern gibt es primärärztliche Notfallzentren, in denen Patienten mit geringem Risiko in der Zeit von 17:00 bis 23:00 Uhr behandelt werden. Außerhalb dieser Zeiten sind niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser zuständig.

Kosten:

Es empfiehlt sich, für Reisen ins Ausland eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. In der Schweiz ist vieles teurer als in Deutschland. Das gilt auch für die Arzt- und Krankenhauskosten. Europäische Urlauber, die in einem EU-Mitgliedsland erkranken oder zum Beispiel einen Autounfall haben, können die Kosten getrost ihrer gesetzlichen Krankenkasse überlassen. Das ist auch in Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) wie der Schweiz, so.

Für ambulante Behandlungen kann Patienten jedoch eine Kaution in Rechnung gestellt werden. Ist ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus (Spital) nötig, sollte die Auslandskrankenversicherung greifen, ansonsten bleiben Sie im schlimmsten Fall auf den Kosten sitzen.

Eine Übersicht der EU- und EWR-Staaten, in denen Sie die Europäische Krankenversicherungskarte nutzen können, finden Sie auf der offiziellen Website des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen.

Weitere Informationen:

Anders als in anderen europäischen Ländern können Patienten in der Schweiz auch die Luftrettung selbst über eine eigene Nummer verständigen.

Notfallnummer:

144

 

NOTFALLNUMMER LUFTRETTUNG:

1414