„Man muss die Arbeit definitiv mögen“
Arbeiten im Ausnahmezustand

„Man muss die Arbeit definitiv mögen“

Was reizt Mediziner eigentlich an der Notfallmedizin? Wir haben nachgefragt! Alter Hase und junge Nachwuchsmedizinerin im Interview.

Prof. Dr. med. Christian Wrede, Chefarzt der Notfallmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch, ist seit über 20 Jahren leidenschaftlicher Notfallmediziner. Er engagiert sich im Bereich Weiterbildung für Notfallmediziner und setzt dabei deutschlandweit einen neuen Maßstab in dieser Ausbildung. Seine Kollegin, Assistenzärztin Simona Koprdova, ist seit fast zwei Jahren in der Notfallmedizin tätig. Was reizt Mediziner eigentlich an der Notfallmedizin? Alter Hase und junge Nachwuchsmedizinerin im Interview.

Älterer Arzt und jüngere Ärztin im regen Austausch
Zwei Generation von Notfallmedizinern im Austausch | Foto: Helios

1. Gibt es spezielle Eigenschaften, die ein Notfallmediziner mitbringen muss? Was für ein Typ Mensch muss man für diesen Beruf sein?

Koprdova: Man muss schnell, effektiv und unter Druck arbeiten können. Ja, man muss die Arbeit definitiv mögen.

Prof. Wrede: Ich glaube schon, dass man ein gewisser Typ für die Notfallmedizin sein muss. Interdisziplinäres Denken und Neugier, zupackendes, aber reflektiertes Handeln sowie Empathie für die Patienten und ihre Schicksale sind hilfreiche wie gleichermaßen notwendige Eigenschaften für einen guten Notfallmediziner.

2. Was reizt Sie an Ihrem Beruf besonders?

Koprdova: Mich reizt vor allem die Vielfalt, die Suche nach der richtigen Diagnose, die Möglichkeit etwas relativ schnell zu bewirken ... zu verändern.

3. Was bringt Sie selbst an Ihre Grenzen?

Koprdova: Die Nachtdienste am Wochenende.

Prof. Wrede: Notfallmedizin findet rund um die Uhr statt. Zwei Drittel der Patienten kommen außerhalb der regulären Arbeitszeiten. Die Dienstbelastung der dauerhaft in der klinischen Notfallmedizin tätigen Kollegen ist daher sehr hoch. Leider haben wir noch keine guten Lösungen, wie die Notaufnahme trotz allem auch dauerhaft ein attraktiver Arbeitsplatz sein kann. Das ist eine der Grenzen, die ich wahrnehme und die für mich schwierig zu überwinden ist.

4. Wie kamen Sie zu der Entscheidung die Richtung als Notfallmediziner einzuschlagen? War das schon immer ein Traum von Ihnen?

Koprdova: Im Rahmen meiner internistischen Weiterbildung musste ich mehrere Stationen durchlaufen und schließlich habe ich festgestellt, dass mir die Notfallmedizin am besten gefällt.

Prof. Wrede: Als ich vor über 20 Jahren als Assistenzarzt etwa ein Jahr in der internistischen Notaufnahme des Universitätsklinikums Regensburg tätig war, hat mich bereits das breite Spektrum der Medizin in einer Notaufnahme fasziniert. Damals waren Notaufnahmen aber noch fest den Fachgebieten zugeordnet, eine Karriere primär in der klinischen Notfallmedizin damals in Deutschland undenkbar. Dies hat sich erfreulicherweise in den letzten Jahren geändert.