Hyposensibilisierung bei Wespen- und Bienengiftallergien © Foto: Canva
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Wie handeln im Notfall?

Notfallmedizin

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ab Herbst sinnvoll

Hyposensibilisierung bei Wespen- und Bienengiftallergien

Wespen- und Bienengiftallergien kommen im Erwachsenenalter häufiger als Arznei- oder Nahrungsmittelallergien vor. Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 20 Personen an den Folgen einer Allergie gegen Wespen- und Bienengift.

Insektengift ist bei Erwachsenen der häufigste Auslöser einer potenziell lebensbedrohlichen allergischen Reaktion (anaphylaktischer Schock). Patient:innen können sich mit einer so genannten Hyposensibilisierung immunisieren lassen. Der Erfolg der Maßnahme wird mit einem provozierten Wespen- oder Bienenstich überprüft.

Erfolgskontrolle durch einen provozierten Stich

Wespenstachel auf Haut
Wie die Therapie wirkt, zeigt ein erzwungener Wespenstich unter Aufsicht | Foto: Canva

„Ein halbes Jahr nach Beginn der Therapie testen wir den Erfolg durch die Provokation eines Stichs durch eine Wespe oder Biene, je nachdem, auf welches Gift der Patient allergisch reagiert“, berichtet Dr. Adib-Tezer. „Das machen wir natürlich unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, falls die Immuntherapie noch nicht die gewünschte Wirkung zeigt.“ Das bedeutet, dass der Notfallkoffer für Allergiker:innen bereitsteht und ein Notfallteam jederzeit gerufen werden kann. Ein solcher Notfall ist glücklicherweise noch nie eingetreten. Manchmal zeige der Test, dass die Dosis der Immuntherapie erhöht werden muss.

Der schützende Effekt der Immunisierung ist jedoch mit 96 Prozent gegen Wespengift und 84 Prozent gegen Bienengift insgesamt sehr hoch.

Ein halbes Jahr nach Beginn der Therapie testen wir den Erfolg durch die Provokation eines Stichs durch eine Wespe oder Biene, je nachdem, auf welches Gift der Patient allergisch reagiert.

Dr. med. Hanan Adib-Tezer Oberärztin, Leiterin des interdisziplinären Allergiezentrums | Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden

Unterschiedlich ausgeprägte Reaktionen auf Insektengift

Rund 40 Prozent der Erwachsenen und etwa die Hälfte der Kinder in Europa sind gegen Insektengifte sensibilisiert, jedoch nicht jede:r gleich stark.

Die Ausprägung der Sensibilisierung wird in ...

... fünf Anaphylaxie-Grade unterteilt:

  • Grad 0: lokal begrenzte Hautreaktion
  • Grad 1: leichte Allgemeinreaktion mit ausgebreiteter Hautreaktion, Juckreiz, Quaddeln, Schleimhautreaktionen, Unruhe und Kopfschmerz
  • Grad 2: ausgeprägte Allgemeinreaktion mit Kreislaufstörung, Luftnot, Urin- und Stuhldrang
  • Grad 3: bedrohliche Allgemeinreaktion mit Schock, Bronchospasmus, Atemnot, Bewusstseinstrübung
  • Grad 4: vitales Organversagen mit Atem- und Kreislaufstillstand

gluehbirne

Wussten Sie schon?

In Deutschland sind überwiegend die gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die deutsche Wespe (Vespula germanica) verbreitet. Durch die klimatischen Veränderungen gibt es nun auch vermehrt Feldwespen-Arten (Polistes Spezies), die ursprünglich in wärmeren Regionen der Welt beheimatet sind.

Wann lohnt eine Immuntherapie?

Reaktionen des Grades vier betreffen bis zu 7,5 Prozent der Erwachsenen. Eine Immuntherapie empfehlen Ärzt:innen ab dem Anapyhlaxie-Grad 1, wenn es zu Augen- und Lippenschwellungen sowie Quaddeln am Körper kommt. Empfehlung nach Leitlinie ab Anaphylaxie Grad II oder ab Anaphylaxie Grad eins+ Einschränkung der Lebensqualität oder Vorhandensein von Risikofaktoren, zum Beispiel Berufe wie Gärtner u. a., Asthma, Herz- Kreislauferkrankungen, Mastozytose etc. Bei gesteigerter Lokalreaktion und beruflicher Exposition kann eine Immuntherapie erwogen werden.

„Gärtner:innen, Imker:innen und Personen, die in einer Bäckerei arbeiten, sind besonders gefährdet, gestochen zu werden. Diesen Berufsgruppen rate ich schon zu einer Hyposensibilisierung, wenn sie nur zu größeren schmerzhaften Schwellungen neigen“, so Dr. Adib-Tezer.

Ein Notfallset gehört unbedingt dazu

Allergiker sollten in jedem Fall ein Notfallset bestehend aus Kortison, Antihistaminika-Tabletten und einem Adrenalin-Autoinjektor bei sich tragen, wenn sie unterwegs sind. Das gibt die Allergologin ihren Patient:innen schon nach dem ersten Besuch im Allergiezentrum zusammen mit dem Hauttestergebnis und dem Allergiepass mit. Denn die Reaktion auf den nächsten Stich könne deutlich heftiger ausfallen, betont Dr. Adib-Tezer.

Wespen- und Bienenstiche vermeiden tet sind. und behandeln

Sich vor Stichen schützen:
Im Freien nicht aus Getränkedosen trinken, wildes Um-sich-Schlagen und hastige Bewegungen vermeiden, Essen und Getränke abdecken, auf Parfüm verzichten. Wespen sind im Spätsommer und Herbst sowie bei schwülwarmer Witterung besonders aggressiv.

Nach einem Stich:
Wenn möglich, den Stachel schnell durch Wegkratzen entfernen, nicht zusammendrücken. Wenn eine Allergie bekannt ist, Notfallmedikamente einnehmen.

Anzeichen eines Allergieschocks:
Eine Anaphylaxie kündigt sich nach nach wenigen Minuten durch Juckreiz an den Händen aber auch unter den Achseln oder in den Ohren an. Es entwickeln sich Quaddeln (Nesselfieber) am Körper. Dagegen wirken Kortison und Antihistaminika-Tabletten. Der Adrenalin-Pen kommt zum Einsatz, wenn Halskratzen, Probleme mit der Atmung, Schwindel und Herz-Kreislauf-Probleme auftreten. Wenn kein Notfallpack zur Hand ist, sofort den Notruf 112 anrufen!