Wie funktioniert ein Medizinisches Versorgungszentrum?
Das Breite Spektrum der MVZ

Wie funktioniert ein Medizinisches Versorgungszentrum?

Ein „Medizinisches Versorgungszentrum“ ist eigentlich nichts anderes als die gemeinhin bekannte Arztpraxis, allerdings gibt es einige Unterschiede zu den klassischen Arztpraxen, in denen ein Arzt mit seinem Team selbstständig tätig ist. Was ein MVZ genau ist, zeigen wir hier.

Seit 2003 besteht in Deutschland die Möglichkeit, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu gründen. MVZ sind ärztlich geleitete Einrichtungen, in denen Ärzte als Angestellte oder Vertragsärzte tätig sind. Medizinische Versorgungszentren können nur von bestimmten Trägern gegründet werden, dazu gehören insbesondere zugelassene Ärzte und Krankenhäuser. Jedes MVZ muss einen Ärztlichen Leiter haben, der selbst in diesem MVZ tätig ist. Ein ähnliches Modell gab es bereits in der DDR unter dem Begriff Poliklinik.

Beide Modelle verfolgen einen ähnlichen Ansatz: Mediziner der gleichen oder unterschiedlicher Fachrichtungen bieten an einem Standort ärztliche Leistungen an und teilen sich Ressourcen, um so eine bestmögliche und gebündelte Patientenversorgung zu gewährleisten. Bei Helios gibt es mehr als 120 MVZ an über 230 Standorten. Rund 3.000 Mitarbeiter sind im Geschäftsbereich Ambulante Medizin tätig, darunter Mediziner, Medizinische Fachangestellte und Verwaltungspersonal. Neben haus- und fachärztlicher Versorgung bieten die MVZ bei Helios auch gesonderte und spezialisierte fachärztliche Leistungen wie radiologische, strahlentherapeutische und labordiagnostische Leistungen an.

Ist das MVZ auch eine Praxis?

Grafik Stetoskop und Haken
MVZ = Medizinisches Versorgungszentrum | Grafik: Helios

Eine Arztpraxis ist nach Definition der Kassenärztlichen Vereinigungen deklariert als „Tätigkeitsort des Vertragsarztes an seiner Betriebsstätte“. Eine Arztpraxis in diesem Sinne ist auch ein Medizinisches
Versorgungszentrum – das MVZ kann also auch Praxis genannt werden.

Arzt bleibt Arzt

Ein MVZ bietet ein Wissens- und Therapienetzwerk | Grafik: Helios

Ob Patienten sich für einen Arzt in einer traditionellen Praxis oder in einem MVZ entscheiden – die medizinische Versorgung bleibt gleich. Einen Unterschied in der Behandlung gibt es nicht.

Einem MVZ-Arzt bei Helios steht durch die Zugehörigkeit zu einem großen Gesundheitsdienstleister jedoch ein enorm großes Wissens- und Therapienetzwerk zur Verfügung. Durch die enge Verzahnung mit dem stationären Sektor können Patienten zudem von kurzen Wegen, geringer Wartezeit und gut eingespielten Abläufen profitieren.

Ressourcen sinnvoll einsetzen

Ärzte im MVZ haben weniger administrative Aufgaben | Grafik: Helios

Der Vorteil, als angestellter Arzt in einem MVZ tätig zu sein, liegt vor allem darin, dass sich angestellte Mediziner in einem MVZ weniger um administrative Aufgaben wie Personalsuche, Abrechnung oder die Beschaffung von Medizintechnik kümmern muss. Dafür arbeiten „hinter den Kulissen“ des MVZ in der
Regel Spezialisten, die diese Aufgaben übernehmen.

So bleibt den Ärzten mehr Zeit für die Behandlung ihrer Patienten und für Fort- und Weiterbildungen – und auch die Work-Life-Balance ist ausgeglichener. Gleiches gilt natürlich auch für die nicht ärztlichen Mitarbeiter, wie Medizinische Fachangestellte. Darüber hinaus muss der angestellte Arzt im MVZ keinen Kaufpreis für eine Arztpraxis und die erforderliche Ausstattung aufbringen und muss sich daher auch nicht längerfristig an einen Ort binden.

 

Bezahlte Weiterbildung im Verbund

Fort- und Weiterbildungen finden kontinuierlich statt | Grafik: Helios

Ob Arzt, Medizinische Fachangestellte oder Praxismanager: Auch Mitarbeiter in den ambulanten Einrichtungen von Helios können sich kontinuierlich fort und weiterbilden.

Der Geschäftsbereich Ambulante Medizin stellt jährlich einen Betrag in Höhe von über 1,1 Millionen Euro für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen seiner Mitarbeiter zur Verfügung. Innerhalb des großen Helios Netzwerks sind zudem Hospitationen in anderen Helios Einrichtungen möglich.

Im Gespräch mit Enrico Jensch: Neue Ressourcen entdecken

Wenn es darum geht, Trends im Gesundheitswesen zu setzen, Veränderungen zu erkennen und Strategien dafür zu entwickeln, ist Helios oft Vorreiter. Ein Beispiel ist die Gründung des Geschäftsbereichs Ambulante Medizin 2018. Enrico Jensch erklärt, was „Ambulantisierung“ bedeutet und wie Helios sich dazu strategisch positioniert.

Moderne Medizin bedeutet für Patienten, dass Eingriffe schonender, Diagnostik genauer, Klinikaufenthalte kürzer und die Behandlungen möglichst sektorübergreifend werden. Doch was bedeutet dieser Fortschritt für uns als Anbieter moderner Medizin? Je effektiver und schonender eine Operation durchgeführt werden kann, desto schneller können Patienten wieder in ihr häusliches Umfeld zurückkehren.

Diesen medizinischen Fortschritt unterstützen wir bei Helios seit Jahren, mit der hervorragenden Arbeit unserer Fachgruppen und der exzellenten Pflege der Patienten. Doch auch die Kostenträger bewerten im Zuge dieses Fortschrittes Operationen und Verweildauern neu. Das bedeutet vereinfacht, dass wir heute für den gleichen stationären Eingriff weniger Geld erhalten als noch vor ein paar Jahren. Die Verweildauern verkürzen sich und die Chance bzw. die Erwartung, Operationen ambulant zu erbringen, nimmt zu.

Als zuständiger Geschäftsführer für das operative Geschäft bei Helios habe ich mich daher vor gut zwei Jahren für die Etablierung eines eigenständigen Geschäftsbereichs für ambulante Medizin stark gemacht.

Mit der Stärkung unserer ambulanten Standorte schließen wir den Kreis in der ganzheitlichen Patientenversorgung – wir kreieren sektorübergreifende Versorgung für unsere Patienten.

Enrico Jensch, Geschäftsführer Operatives Geschäft (COO)

Eingriffe, die bislang in einer Klinik durchgeführt werden mussten, können heute auch ambulant erfolgen. Unser Ziel ist es also, stationäre Ressourcen für Behandlungen einzusetzen, die wir vollumfänglich vergütet bekommen, und ambulante Ressourcen bedarfsgerecht zu schaffen, um dort ambulante Eingriffe wirtschaftlich und qualitativ hochwertig durchführen zu können. Mit der Stärkung unserer ambulanten Standorte schließen wir den Kreis in der ganzheitlichen Patientenversorgung – wir kreieren sektorübergreifende Versorgung für unsere Patienten. Die Verschiebung dieser Gesundheitsleistungen von der Klinik in ambulante Einrichtungen wird unter dem Begriff „Ambulantisierung“ zusammengefasst.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland auf den hinteren Rängen, wenn es um die Ambulantisierung stationärer Eingriffe geht. Um dem unumkehrbaren Trend schon heute Rechnung zu tragen, bündeln wir unsere ambulante Expertise in einem eigenständigen Bereich, der als starker Partner an der Seite der Kliniken steht.

Aber welche Eingriffe können ambulant durchgeführt werden?

Darüber haben sich die Fachgruppen bei Helios Gedanken gemacht und einen Katalog von Operationen definiert, für die es kein Kliniksetting benötigt. Im Vordergrund steht natürlich die Patientensicherheit. Wo immer diese auch mit ambulanten Ressourcen gegeben ist und der Umfang des Eingriffs keinen Klinikaufenthalt erfordert, soll eine OP zukünftig in einer unserer geeigneten ambulanten Einrichtungen erfolgen.

Entscheidend ist, dass Ambulantisierung nur funktionieren kann, wenn Kliniken und ambulante Einrichtungen noch enger zusammenarbeiten und verzahnt sind. Je besser Mediziner in den Kliniken wissen, wo es zukünftig ambulante OP-Ressourcen gibt, desto besser können sie Patienten auf diese Möglichkeiten hinweisen. Und je besser ambulante Operateure unsere stationären Ressourcen auch für ambulante Eingriffe nutzbar machen können, desto effektiver und effizienter wird eine Patientenversorgung – über die Sektorengrenzen hinaus. Daran arbeiten wir in der Geschäftsführung und in den Regionalleitungen intensiv.