Wenn Lichtmangel unglücklich macht
Die dunkle Jahreszeit

Wenn Lichtmangel unglücklich macht

Verregnete Tage und lange, kalte Nächte. Wenn im Herbst und Winter die Tage kürzer werden, muss sich auch unser Körper darauf einstellen. Doch was genau heißt das?

Vielen Menschen bereitet diese Umstellung jedoch große Schwierigkeiten, oftmals geht damit ein Stimmungswandel einher. Aus wohliger Sommerlaune wird ein„Herbstblues“ oder gar eine Winterdepression, die mitunter ärztlich behandelt werden muss. Wie man sich davor schützen und Licht dabei helfen kann, erklärt Dr. Thomas Schwaiger, Chefarzt der Psychiatrie und Psychotherapie Tagesklinik der Helios Kliniken Mansfeld-Südharz.

Wie äußert sich eine Winterdepression?

Vielen Menschen schlägt der Winter aufs Gemüt. Tendenziell geht es ihnen in der dunklen Jahreszeit schlechter als im Sommer. Viele Menschen igeln sich ein, sind lieber zu Hause und machen es sich gemütlich. Ein solches Bedürfnis nach Ruhe und Selbstbesinnung ist ganz normal. Bei einigen ist es jedoch mehr als das. Sie reagieren auf die Verkürzung und Verdunklung der Tage schwermütig und leiden gar an einer Winterdepression. Dies ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung, die bei einigen Patienten regelmäßig in der dunklen Jahreszeit auftritt und ihren Höhepunkt von Dezember bis Februar erreicht.

Hervorgerufen wird sie hauptsächlich durch den vorherrschenden Lichtmangel. Kernsymptome der Betroffenen sind dabei eine gedrückte Stimmung, der Verlust von Freude und Interesse, auch sind sie antriebslos. „Normalerweise haben Depressive ausgeprägte Schlafstörungen, Appetitmangel mit Gewichtsverlust und ein Morgentief. Bei der Winterdepression sieht es anders aus: Die Patienten schlafen mehr, jedoch ohne sich dabei zu erholen. Nicht wenige haben Heißhunger auf Kohlenhydrate und Schokolade. Möglicherweise ist dieser Heißhunger eine Art Selbstheilungsversuch: Denn Kohlenhydrate fördern die Produktion des Nervenbotenstoffes Serotonin“, erklärt Dr. Thomas Schwaiger.

Bei der Winterdepression sieht es anders aus: Die Patienten schlafen mehr, jedoch ohne sich dabei zu erholen. Nicht wenige haben Heißhunger auf Kohlenhydrate und Schokolade.

Dr. Thomas Schwaiger, Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie | Helios Klinik Hettstedt

Auf die Lichtstärke kommt es an

Kleines Mädchen in dicker Kleidung steht im Schnee und blickt in die Höhe.
Sonnige Tage im Hochgebirge im Schnee können bis zu 100.000 Lux ergeben. | Foto: Canva

Durch den Lichtmangel wird die Produktion des Hirnbotenstoffes Serotonin deutlich zurückgefahren, das gemeinhin für gute Stimmung und wache Aufmerksamkeit verantwortlich gemacht wird. Stattdessen wird ermüdendes Melatonin ausgeschüttet. Um diesen Prozess abzumildern oder gar zu verhindern, ist es wichtig, für eine ausreichende Lichtzufuhr zu sorgen. Die normale Zimmerbeleuchtung reicht hier jedoch nicht aus. Ihre Lichtstärke ist auf 100 Lux begrenzt.

Im Vergleich: Ein bewölkter Wintertag bringt schon 2.000 Lux, ein sonniger Tag im Hochgebirge im Schnee kann bis zu 100.000 Lux ergeben. „Für die Behandlung der Winterdepression reicht bereits eine Lichtstärke von 2.500 bis 10.000 Lux. Dafür gibt es spezielle Lichttherapiegeräte auf dem Markt. Sie erzeugen das sogenannte Full Spectrum Bright Light ohne die schädlichen UV-Strahlen. Es ist jedoch zu empfehlen, so viel wie möglich Zeit draußen im Hellen zu verbringen“, so der Mediziner.

Viel Bewegung und gesunde Ernährung

Bewegung und Ernährung helfen Körperliche Aktivität ist ein weiterer Baustein, um der winterlichen Trübsal zu entgehen. Bewegung hilft bekanntlich beivielen Erkrankungen, so auch bei der Winterdepression. So hat intensives Ausdauertraining sehr gute therapeutische und vorbeugende Effekte gegen depressive Störungen. Auch stimuliert es den Serotoninstoffwechsel im Gehirn.

„Die entscheidenden Faktoren sind Licht, Bewegung und auch die Ernährung. Deshalb ist es hilfreich, sich vollwertig zu ernähren und dabei insbesondere auf eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren zu achten. Diese sind zum Beispiel in Seefisch, Oliven, Walnuss und Distelöl enthalten. Wenn die genannten Maßnahmen jedoch nicht helfen, sollte ein Arzt aufgesucht werden“, empfiehlt Dr. Schwaiger allen Betroffenen.

4 Tipps für Glücksmomente in der dunklen Jahreszeit

Mann mit Hund an Leine im Herbstwald
Ein Spaziergang an der frischen Luft steigert die Laune und Abwehrkräfte. | Foto: Canva

Raus ins Leben

Drinnen ist es schön, aber draußen ist es besser. Also warm anziehen und raus vor die Tür. Das steigert die gute Laune und die Immunabwehr.

Genuss pur

Genießen, genießen, genießen – wann, wenn nicht in der dunklen Jahreszeit. Nun kommen wieder die leckeren Gerichte auf den Tisch. Aber nicht vergessen: Der nächste Sommer ist soweit nicht entfernt.

Saune mit Handtüchern und Saunaeimer
Saunabesuche stärken das Immunsystem. | Foto: Canva

Mal richtig schwitzen

Wenn es stürmt oder schneit, die Kälte in die Knochen zieht, ist es Zeit, sich richtig aufzuwärmen. Regelmäßige Saunagänge entspannen nicht nur, sondern stärken auch das Immunsystem.

Lüften

Wer gar keine Lust hat, rauszugehen, sollte öfters mal das Fenster öffnen. So tauschen Sie verbrauchte gegen frische Luft in der Wohnung aus. Auch dies steigert das Wohlbefinden.