Schilddrüsenvergrößerung – Ursachen und Symptome © Foto: Canva
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Struma erkennen

Schilddrüsenvergrößerung – Ursachen und Symptome

Ist die Schilddrüse krankhaft vergrößert, nennt sich das Struma oder Kropf. Die Schilddrüsenvergrößerung ist die häufigste Erkrankung der Schilddrüse. In Deutschland weist mehr als ein Drittel der Bevölkerung eine leichte Struma auf.

Der Begriff Struma bedeutet lediglich Vergrößerung der Schilddrüse, je nach Ursache kann dies mit einer normalen, einer Über- oder einer Unterfunktion einhergehen. 

Welche Symptome bei einer Schilddrüsenvergrößerung typisch sind und welche Ursachen dahinter stecken können, weiß Prof. Dr. Peter Lamesch, Chefarzt der Klinik für Chirurgie in der Helios Klinik Schkeuditz.
 

Welche Symptome treten bei einer Schilddrüsenvergrößerung auf?

"Patienten bemerken kleine Strumen und kleine Knoten meist nicht selbst, da diese keine Beschwerden verursachen. Erst mit zunehmenden Größenwachstum kommt es früher oder später zu lokalen Beschwerden am Hals", so Prof. Dr. Peter Lamesch. Solche lokalen Beschwerden sind etwa ein Kloß-, Enge-, oder Druckgefühl, aber auch ein störender Räusperzwang.

Sollte die Schilddrüse auf die Speiseröhre drücken, kann es zu Schluckstörungen kommen. Drückt sie auf die Luftröhre, können zusätzlich Atembeschwerden oder Luftnot auftreten.

Eine Struma kann auch nach innen, hinter das Brustbein wachsen. Die sogenannte retrosternale Struma kann Symptome seitens des Herz-Kreislauf-Systems oder der Atmung hervorrufen.

"Viele Patienten haben sich aufgrund des langsamen Wachstums mitunter an ihre Strumen gewöhnt und trotz sehr großer und sichtbarer Schilddrüse keine oder nur mäßige Beschwerden", erklärt der Chefarzt.

Beschwerden je nach Größe und Ausdehnung sind:

  • Druckgefühl
  • Engegefühl
  • Schluckstörung
  • Räusperzwang
  • Luftnot

Patienten bemerken kleine Strumen und kleine Knoten meist nicht selbst, da diese keine Beschwerden verursachen. Erst mit zunehmenden Größenwachstum kommt es früher oder später zu lokalen Beschwerden am Hals.

Prof. Dr. Peter Lamesch, Chefarzt der Klinik für Chirurgie | Helios Klinik Schkeuditz

Wie sieht eine Struma aus?

Ärztin tastet Schilddrüse ab
Durch das Abtasten der Schilddrüse gewinnt der Arzt einen ersten Eindruck | Foto: Canva

"Eine Struma kann so dezent sein, dass sie sich nicht immer mit bloßem Auge erkennen oder mit den Fingern abtasten lässt", sagt Prof. Dr. Peter Lamesch. Derart dezente Befunde lassen sich mit Hilfe der Sonographie objektivieren.

Die krankhafte Vergrößerung der Schilddrüse lässt sich anhand klinischer Parameter in 3 Stadien einteilen.

Stadium Ia: Eine Vergrößerung in der Nähe des Kehlkopfes ist tastbar, aber nicht sichtbar.

Stadium Ib: Eine Vergrößerung ist tastbar und bei einer Rückwärtsneigung des Kopfes sichtbar.

Stadium II: Eine Vergrößerung ist sichtbar, ohne dass der Kopf in den Nacken gelegt wird.

Stadium III: Eine stark vergrößerte Schilddrüse liegt vor, die bereits aus weiter Entfernung sichtbar ist.

Ursachen für eine Struma

Die häufigste Ursache für einen Kropf in Deutschland ist Jodmangel. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Jodmangelstruma.

Mögliche andere Ursachen sind autonome Schilddrüsenknoten, Autoimmunerkrankungen bedingt durch endogene Antikörper, Medikamente, die einen Kropf verursachen können, wie Lithium, Entzündungen, die mit dem Begriff Thyreoiditis bezeichnet werden, sowie Primärtumore und in seltenen Fällen Metastasen, zum Beispiel beim Nierenzellkarzinom.

Jodmangel

Der menschliche Körper benötigt Jod, um die Schilddrüsenhormone T3 und T4 produzieren zu können. Dazu muss das Spurenelement regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden. In Jodmangelgebieten, wozu Deutschland lange gezählt hat, sind die hier produzierten Lebensmittel arm an diesem Spurenelement. Ein Ausgleich ist durch den Einsatz von jodiertem Speisesalz möglich. Die Jodversorgung in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren besser geworden, diese wird aber immer als grenzwertig eingeschätzt. 

Bei einem anhaltenden Jodmangel produziert die Speiseröhre zu wenig T3 und T4. Durch das Absinken der Schilddrüsenhormonwerte im Blut schüttet die Hirnanhangsdrüse vermehrt das Hormon TSH (Thyroidea-Stimulierendes Hormon) aus, welches der Schilddrüse signalisiert, die Hormonproduktion zu steigern.

Morbus Basedow

Bei der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow bildet der Körper bestimmte Abwehrstoffe, wodurch die Hormonproduktion der Schilddrüse gesteigert wird. Dies führt zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Betroffene können zudem eine entzündliche Erkrankung der Augenhöhlen entwickeln.

Medikamente

Einige Medikamente können ebenfalls zu einer Kropf-Bildung führen. Dazu zählen etwa Antidepressiva mit dem Wirkstoff Lithium sowie Mittel gegen eine Schilddrüsenüberfunktion.

Zysten in der Schilddrüse

"Zysten in der Schilddrüse sind meist harmlos und lassen sich bereits im Ultraschall sehr gut als solche erkennen", sagt Prof. Dr. Peter Lamesch. Es handelt sich bei Zysten um ein mit Flüssigkeit gefüllten und von einer Gewebekapsel umgebenen Hohlraum.

Erscheinungsformen einer Struma

Neben der Größe des Kropfes gibt es noch weitere Kriterien zur Einteilung.

Struma diffusa

Die Struma diffusa ist eine gleichmäßig vergrößerte Schilddrüse, bei der es zu keiner zusätzlichen Knotenbildung kommt.

Struma nodosa (Schilddrüsenknoten)

Die Struma nodosa ist gekennzeichnet durch knotige Areale, die sich vom normalen Schilddrüsengewebe unterscheiden.

Bei der Struma nodosa gibt es selten nur einen Knoten, viel häufiger sind gleich mehrere Knoten nebeneinander zu finden. Es kann sogar sein, dass die gesamte Schilddrüse nur noch aus Knoten besteht.

Schilddrüsenadenom

Ein Schilddrüsenadenom entsteht aus einer Wucherung der epithelialen Schilddrüsenzellen und besitzt eine umgebende Kapsel.

Es wird unterschieden zwischen Adenomen, die Jod aufnehmen und Schilddrüsenhormone produzieren (autonome Adenome) und solchen, die dies nicht tun. Autonome Adenome sind im Szintigramm als "warme" oder "heiße" Knoten erkenntlich. Nicht jodspeichernde Adenome hingegen werden als "kalte" Knoten bezeichnet.

Struma maligna

Schilddrüsenkrebs wird als Struma maligna bezeichnet. Die Krebsart ist im Vergleich zu Knoten in der Schilddrüse selten, man schätzt, dass 0,1 Prozent aller Knoten der Schilddrüse bösartig sind. Wie bei anderen Krebsarten gilt auch hier: je früher der Krebs erkannt wird, desto besser die Heilungschancen. In 80 bis 90 Prozent der Fälle sind es Tumore, die sich gut behandeln lassen und demzufolge auch eine günstige Prognose haben.

Diagnostik Schilddrüsenvergrößerung: Was wird gemacht?

Patienten können zunächst in die hausärztliche Praxis gehen, wo sie in der Regel an einen Endokrinologen für die weitere Diagnostik überwiesen werden.

Abtasten

Eine vergrößerte Struma erkennt der Facharzt oft schon mit bloßem Auge. Ist die Struma nur leicht vergrößert, gewinnt man allein durch das Austasten der Schilddrüse am Hals einen ersten Eindruck.

Ultraschalluntersuchungen

Frau beim Ultraschall der Schilddrüse
Der Ultraschall ist eine gängige Untersuchung der Schilddrüse | Foto: Canva

Für ein genaueres Bild folgt eine Sonografie, also eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. Hiermit lässt sich die exakte Größe und das Volumen der Schilddrüse bestimmen. Zudem lässt sich häufig erkennen, ob es sich um eine Struma nodosa (Schilddrüsenknoten) oder Struma diffusa (Schilddrüsenwachstum ohne Knotenbildung) handelt.

Laboruntersuchungen

Im Labor wird der TSH-Spiegel im Blut untersucht. Die Bestimmung dieses Steuerhormons erlaubt eine Einschätzung des Funktionsstatus der Schilddrüse. Infolge eines Jodmangels kann er beispielsweise erhöht sein.

Szintigrafie

Die nuklearmedizinische Untersuchung dient dazu, kalte von warmen und heißen Knoten zu unterscheiden. Ob ein Knoten kalt, warm oder heiß ist, hängt davon ab, ob und wie viel Jod er bei der Szintigrafie aufnimmt. Ein wichtiges bildgebendes Verfahren zur Differenzierung des Funktionsstatus.

Warme Knoten sind immer gutartig, kalte Knoten können bösartig sein. Entgegen einer immer noch weit verbreiteten Meinung bedeutet kalter Knoten nicht, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt.  

Welche Behandlungen bei Struma?

"Die Behandlung richtet sich immer nach der zugrundeliegenden Erkrankung und kann medikamentös, nuklearmedizinisch und operativ erfolgen", sagt Prof. Dr. Peter Lamesch.

Medikamente

Ist der Verdacht einer bösartigen Erkrankung der Schilddrüse ausgeschlossen, können Betroffene Schilddrüsenhormone und/oder Jod einnehmen. Diese können zur Verkleinerung der Schilddrüse beitragen.

Operation

Haben Patienten bereits sehr lange eine Struma, reicht eine medikamentöse Behandlung meist nicht mehr aus. In solchen Fällen ist die Operation das Mittel der Wahl, um die Schilddrüse komplett oder subtotal zu entfernen. Wenn nach intraoperativer Einschätzung möglich, kann ein Teil der Drüse belassen werden, sodass der Patient nicht auf eine lebenslange Hormontherapie angewiesen ist. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, ist die lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen notwendig.

Abpunktion

Patienten mit großen symptomatischen Zysten kann durch eine Punktion der Zystenflüssigkeit die Beschwerden reduziert werden. Allerdings kommt es häufig zu einem Rezidiv (Rückfall), die Zysten füllen sich wieder und verursachen erneut Beschwerden. 

Radiojodtherapie

Liegt ein erhöhtes Operationsrisiko vor oder tritt die Struma nach medikamentöser Behandlung immer wieder auf, kommt die Radiojodtherapie zum Einsatz. Hierbei wird dem Patienten ein radioaktives Jod-Isotop verabreicht, welches sich in der Schilddrüse ansammelt. Durch das Jod-Isotop wird das Gewebe der Schilddrüse teilweise verkleinert, wodurch sich ihr Volumen um bis zu 50 Prozent reduziert.

Häufig gestellte Fragen bei Schilddrüsenvergrößerung

Rund um die vergrößerte Schilddrüse gibt es viele Fragen. Prof. Dr. Peter Lamesch beantwortet die Wichtigsten in aller Kürze:

Aktiv kann man selbst nichts gegen eine vergrößerte Schilddrüse tun und sich selbst therapieren.

Für den Morbus Basedow besteht ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Erkrankungsverlauf. Eine medikamentöse Therapie sollte nur durch einen Internisten bzw. einen Endokrinologen verordnet werden.

Per se führt eine vergrößerte Schilddrüse allerdings nicht zu einer Gewichtszunahme. Grundsätzlich kann es bei einer Schilddrüsenunterfunktion zu einer Gewichtszunahme kommen, bei der Schilddrüsenüberfunktion hingegen zu einer Gewichtsabnahme.

Eine globale Prognose lässt sich nicht geben, da es grundsätzlich von der Grunderkrankung der Patientin oder des Patienten abhängt.

Im Allgemeinen lässt sich einer Schilddrüsenerkrankung durch Jodanreicherung des Speisesalzes vorbeugen. Aber: Die Folgen einer erhöhten Jodeinnahme werden aktuell unter anderem mit der Zunahme von Autoimmunerkrankungen diskutiert.

Nicht immer erkennbar

Ein Kropf ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, da Betroffene meist viele Jahre später erste Beschwerden wahrnehmen. Ursachen für die Struma können vielseitig sein, sodass die Abklärung durch einen Internisten bzw. Endokrinologen erfolgen sollte. Dieser kann eine geeignete Therapie festlegen.