Psychoonkologin Gritt Schiller begleitet Patienten beim Kampf gegen den Krebs
Neuen Mut schöpfen

Psychoonkologin Gritt Schiller begleitet Patienten beim Kampf gegen den Krebs

Und plötzlich ist alles anders. Die Diagnose Krebs löst bei Betroffenen und ihren Angehörigen oftmals intensive Reaktionen aus. Um Zustände der Angst, Hilflosigkeit und Ungewissheit besser verarbeiten zu können, haben Patienten im Helios Klinikum Berlin-Buch die Möglichkeit, psychoonkologische Beratung und Betreuung in Anspruch zu nehmen und mit Hilfe geschulter Experten neuen Mut zu schöpfen.

Das Leben neu ordnen: Die psychologische Betreuung von Krebspatienten

Das Leben von Krebspatienten ändert sich oftmals von einem auf den anderen Tag. Ist die Diagnose erst einmal gestellt, folgen eine Vielzahl an Untersuchungen, Gespräche mit dem behandelnden Arzt sowie vorbereitende Maßnahmen für die anstehende Therapie. Zeit, um die Situation zu verarbeiten und sich mit dem Ausmaß und den Folgen der Erkrankung auseinander zu setzen, bleibt oftmals kaum. Dabei ist insbesondere das seelische Gleichgewicht ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Kampf gegen den Krebs.

„Krebs verändert den Alltag der Patienten und der betroffenen Familien extrem und darauf muss sich jeder erst einmal einstellen und seinen ganz eigenen Weg finden“

, erklärt Gritt Schiller.

Die studierte Psychologin ist im Helios Klinikum Berlin-Buch als Psychoonkologin tätig und betreut Patienten in der Onkologie, dem Sarkomzentrum und der Strahlentherapie. Derzeit absolviert sie zwei Zusatzausbildungen.

Sie erzählt: „Meine Aufgabenbereiche umfassen die Mitbetreuung der Patienten und Angehörigen in allen Phasen des Krankheitsverlaufs. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist außerdem die Begleitung der Patienten im Sterbeprozess und die Unterstützung der trauernden Angehörigen. Es geht darum, die Patienten in diesen Phasen angemessen zu unterstützen, Hilfestellung zu leisten bei der Bewältigung von Krisen und sie bei Entscheidungsfindungen und der oft schmerzlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben zu begleiten.“ Und auch für die Angehörigen der Krebserkrankten haben Gritt Schiller und ihre Kollegen stets ein offenes Ohr. „Die Angehörigenarbeit ist enorm wichtig für das Verständnis der aktuellen Situation“, betont die Psychologin und fügt hinzu: „Die Hilfe der Angehörigen ist für den Patienten oft der Anker, um die anstehenden Anstrengungen meistern zu können.“

Hilfe gegen Hilflosigkeit: Reden hilft

Viele Patienten befinden sich nach der Diagnosestellung zunächst einmal in einer akuten Schocksituation. Gritt Schiller erklärt: „Im Vordergrund steht dann, dass die Patienten Zeit und Raum bekommen, über ihre jetzige Lebens- und Krankheitssituation laut nachdenken zu dürfen und darüber zu sprechen.“ Gemeinsam mit ihren Kollegen unterstütze sie ihre Patienten vor allem bei der akuten Krankheitsverarbeitung. Dazu zähle auch das langfristige Management der Erkrankung.

„Es geht darum, emotionale Belastungen, die durch die Krankheit ausgelöst werden können, zu erkennen und zu lindern, also konkret die Reduktion von Ängsten und Depressivität“

, fügt sie hinzu,

„Das spielt auch eine Rolle bei der Behandlung von psychischen Begleitaspekten durch die medizinische Diagnostik und Behandlung wie zum Beispiel Fatigue, Konzentrationsstörungen und Körperbildveränderungen.“

Der Kontakt zu den Psychoonkologen im Helios Klinikum Berlin-Buch erfolgt meist über die Mediziner in den einzelnen Abteilungen. Anhand eines Fragebogens wird ermittelt, wie hoch der momentane psychologische Betreuungsbedarf eines Patienten ist. Dennoch sei das psychoonkologische Gespräch ein Angebot, welches die Patienten nutzen, aber auch ablehnen könnten. Um eine vertrauensvolle Ebene zu den Betroffenen herzustellen, sei es besonders wichtig, diese Tatsache zu respektieren.

„Nicht selten haben Patienten und Angehörige Scheu, sich auf ein psychologisches Gespräch einzulassen“, berichtet Gritt Schiller, „viele gehen davon aus, dass Krebs nur eine körperliche Erkrankung ist und sie psychisch nicht belastet sind.“ Im Laufe der Behandlung würden jedoch viele Betroffene erkennen, dass es neben den medizinischen Aspekten auch um das eigene Erleben und Handeln ginge und die psychologische Hilfe zur Aktivierung der eigenen Ressourcen sehr sinnvoll sein kann. „Viele Patienten erlernen erst im Laufe der Krankheit, ihre Wünsche und Bedürfnisse so zu artikulieren, dass sie von ihrem Umfeld wahrgenommen werden“, weiß die Expertin, „und es benötigt von allen Seiten Geduld.“

Um für ihre Patienten oft als Stütze und Begleiterin fungieren zu können, hat Gritt Schiller eine ganz eigene Taktik entwickelt:

„Ich sorge dafür, dass ich meinen Humor nicht verliere und offen bleibe für die kleinen Dinge im Leben. Wichtig ist auch, dass ich Menschen an meiner Seite habe, mit denen ich sprechen, weinen und lachen kann. Das Leben ist nämlich mehr als nur Krankheit und Schmerz. Daran sollten wir uns öfter erinnern.“