Manfred Kaisers Kampf gegen den Krebs
Wie Zentrenbildung Behandlungsqualität und Patientensicherheit verbessert

Manfred Kaisers Kampf gegen den Krebs

Als Ratsherr und Aktiver in zahlreichen Vereinen und Initiativen steht Manfred Kaiser häufig im Rampenlicht der Duisburger Öffentlichkeit. Was bislang jedoch nur sein engster Freundes- und Bekanntenkreis weiß: Kaiser erkrankte 2015 an Krebs. Nach zwei Rezidiven und insgesamt vier Operation ist er aktuell krebsfrei und lebt trotz eines künstlichen Darmausgangs „ohne Einschränkungen“. Dies hat er auch der zunehmenden Zentrenbildung in der Medizin zu verdanken, die für eine neue Qualität in der medizinischen Behandlung sorgt.

Die Krankheitsgeschichte von Manfred Kaiser begann, wie Darmkrebs häufig festgestellt wird: Nach dem Urlaub bemerkte er Blut im Stuhl. Sein niedergelassener Arzt überwies ihn ins Helios Klinikum Duisburg, wo Kaiser sich einem gründlichen Check unterzog. Das Ergebnis: Neben Mastdarmkrebs am Ende des Schließmuskels wurden auch mehrere Leberherde festgestellt. „Im ersten Moment schockt diese Diagnose einen schon“, erinnert sich Kaiser. „Aber man kann nicht darauf warten, dass der liebe Gott einen zu sich holt, sondern muss etwas unternehmen.“

So ließ er sich die verschiedenen Optionen erklären, welche die Experten aus Chirurgie, Coloproktologie, Onkologie und Radiologie des Darmkrebszentrums am Helios Klinikum gemeinsam erarbeitet hatten und entschloss sich zu einer sofortigen Operation. „Zunächst sind wir die Leberherde durch die Entfernung der rechten Leber angegangen. Nach der Operation stellte sich heraus, dass es sich bei diesen Herden um lebereigene Tumore handelte, die unabhängig vom Mastdarmkrebs entstanden waren. Man kann hier also fast vom sprichwörtlichen ‚Glück im Unglück sprechen‘, dass wir dieser Erkankung durch den Mastdarmkrebs auf die Spur gekommen sind“, erinnert sich Dr. Norbert Hennes, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasiven Chirurgie (AVC) am Helios Klinikum Duisburg.

Nachdem Kaiser sich von dem Eingriff an der Leber erholt hatte, wurde der Mastdarmtumor entfernt. „Wir streben immer an, Schließmuskel erhaltend zu operieren, was bei Herrn Kaiser aufgrund der Lage und der Größe des Tumors leider nicht möglich war“, so Dr. Hennes. Aber Kaiser arrangierte sich schnell mit der neuen Situation: „Die Krankenschwester, die mich im Gebrauch des Stomabeutels unterwiesen hat, bestätigte mir schon bei ihrem dritten Besuch im Krankenzimmer, dass ich den Wechsel nun perfekt beherrschte. Ich habe keine Einschränkungen dadurch. Da Schwimmen eine große Leidenschaft von mir ist, habe ich mir einen entsprechenden Schwimmgürtel aus Neopren zugelegt. Und wenn ich ein weißes Hemd trage, zum Beispiel mit der Uniform beim Karneval, dann ziehe ich eine weiße Manschette an, damit man den braunen Beutel unter dem Hemd nicht durchscheinen sieht. Ich esse und trinke auch alles ohne Schwierigkeiten“, erklärt Kaiser. 

Leider ging sein Kampf gegen den Krebs noch in zwei weitere Runden: 2017 wurde im Rahmen der routinemäßigen Nachsorgeuntersuchungen eine Lungenmetastase entdeckt, die in der Thoraxchirurgie am Helios Klinikum ebenfalls operativ entfernt wurde. Im Mai 2019 fielen vier neue Herde in der Leber auf. Einer davon erstreckte sich entlang einer großen Vene. „Wir hatten die Sorge, dass der Tumor bereits mit dem großen, herznahen Gefäß verwachsen sein könnte, was bei der Operation einen kurzfristigen Gefäßersatz hätte erforderlich machen können“, so Dr. Hennes.

Er diskutierte die Problematik im Rahmen einer regionalen Tumorkonferenz: „Für uns stehen die Behandlungsqualität und die Sicherheit unserer Patienten an erster Stelle. Deshalb nutzen wir bei nicht alltäglichen Fragestellungen den Austausch innerhalb der regionalen Tumorkonferenz, um weiteres Expertenwissen in die Therapie-Optionen einzubeziehen und im Interesse unserer Patienten gegenseitig von unseren Erfahrungen zu profitieren.“ Für die anstehende Operation bot das Experten-Netzwerk nicht nur theoretische, sondern auch praktische Hilfestellung: Priv.-Doz. Dr. Christoph Wullstein, Chefarzt der AVC am Helios Klinikum in Krefeld, schlug vor, den Eingriff gemeinsam in Krefeld durchzuführen, da dort neben der AVC und der Gefäßchirurgie auch das Herzzentrum Niederrhein mit einer leistungsfähigen Herzchirurgie angesiedelt ist. „Im Prinzip greifen wir damit der politisch gewollten Zentrenbildung in der Medizin ein Stück weit voraus, wenn Patienten nicht am nächsten, sondern am besten Ort für ihre jeweilige Erkrankung behandelt werden“, sagt Dr. Hennes.

Und so musste auch Manfred Kaiser, der im Krankenhausausschuss des Landschaftsverbands Rheinland tätig ist, nicht lange überlegen und ließ sich von den beiden Chefärzten gemeinsam in Krefeld operieren. Erfolgreich: „Als ich wach wurde, standen Dr. Hennes und Dr. Wullstein gemeinsam an meinem Bett“, erinnert der Patient sich schmunzelnd. Ein Gefäßersatz war erfreulicherweise nicht erforderlich geworden und so konnte Kaiser nach wenigen Tagen an die Helios St. Johannes Klinik verlegt und wenig später von dort aus entlassen werden.   

Von dem Eingriff hat Kaiser sich gut erholt und ist aktuell tumorfrei. Für die Zukunft hat er einiges vor: „Meine Arbeit im Rat der Stadt Duisburg geht weiter. Bald stehen Neuwahlen an und neben meinen zahlreichen Ämtern bin ich nun auch als Lesepate im Kindergarten verpflichtet worden.“ Aber zunächst einmal fliegt er mit Ehefrau Rita in den Erholungsurlaub nach Ägypten, wo er am 31.12. seinen 71. Geburtstag feiern wird.