Krebspatienten gestalten Therapie am Tablet
Keine Furcht vor Tabuthemen

Krebspatienten gestalten Therapie am Tablet

Wie Patienten der Klinik für Onkologie im Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin mit Unterstützung einer elektronischen Erfassung aktiv die eigene Therapie mitgestalten.

Ein Tablet mit digitalem Fragebogen als Ersatz für das Arztgespräch? „Auf keinen Fall“, erklärt Chefarzt Dr. Markus Schuler, der mit seinem Team Patienten in den Bereichen Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im Helios Klinikum Emil von Behring behandelt.

Die tägliche Visite ist das Maß aller Dinge. Die selbstberichteten Informationen der Patienten vom Tablet können unsere Arbeit allerdings sinnvoll ergänzen. Denn es kann einen Unterschied machen, ob der Arzt fragt oder ob der Patient die gleiche Frage eigenständig beantwortet.

Dr. Markus Schuler, Chefarzt der Onkologie | Helios Klinikum Emil von Behring

Weit über körperliche Beschwerden hinaus

Dabei werden auch Fragen gestellt, die vermeintlich nichts mit der Erkrankung oder deren unmittelbarer Behandlung zu tun haben, die jedoch wesentlich zur Lebensqualität und Zufriedenheit beitragen können. So wird zum Beispiel nach finanziellen Schwierigkeiten oder nach Veränderungen in der Partnerschaft oder in der Sexualität gefragt.

„Wenn es um Tabuthemen geht, fällt es vielen Patienten leichter, ihre Antworten allein in ein Tablet zutippen.“ Mit den Antworten kann der behandelnde Arzt schneller, umfassender und damit besser behandeln und neben der medizinischen Versorgung zum Beispiel auch den Sozialdienst oder die psychoonkologische Betreuung hinzuziehen.

Patienten noch stärker im Fokus

Patientin Laurette Thiele beantwortet den Fragebogen | Foto: Helios

Laurette Thiele findet den Fragebogen gut. Sie wird in Berlin-Zehlendorf behandelt und meint: „Als ich die Fragen das erste Mal gelesen habe, dachte ich, die interessieren sich ja für mich als Menschen und nicht nur als Patientin.“

Für Dr. Schuler steht fest: „Patienten wie Frau Thiele helfen mit ihren Antworten dabei, eine möglichst umfassende Analyse zu erhalten. Sie können somit aktiv mitgestalten.“ Das sieht Laurette Thiele genauso, wenn sie es auf die typische Berliner Art mit den Worten „Da kann man nix gegen sagen!“ auf den Punkt bringt.