Als Lillys Beine versagten
Entzündung des Rückenmarks erfolgreich behandelt

Als Lillys Beine versagten

Die sechsjährige Lilly aus Berlin-Marzahn konnte von einem Moment auf den anderen nicht mehr laufen, beide Beine waren gelähmt. Die Familie macht sich sofort auf den Weg ins Krankenhaus, damit Lilly schnellstmöglich geholfen werden kann.

Als wir Lilly gemeinsam mit ihrer Mutter und Oma zum Gespräch treffen, erleben wir ein aufgewecktes, junges Mädchen, das nicht aufhören kann sich zu bewegen. Nichts scheint mehr auf die Phase in Lillys Leben zu deuten, als ihre Beine plötzlich versagten und Lilly nicht mehr laufen konnte.

An diese Zeit kann sich Mutter Sandra noch ganz genau erinnern:  
„Es war in der Nacht von Ostersonntag zu Ostermontag. Da hatte Lilly in der Nacht Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich. Wir dachten uns erst, dass es Wachstumsschmerzen sind. Das kommt ja ab und zu mal vor.“ Am nächsten Morgen ging es Lilly nicht wirklich besser, zudem musste sie sich in der Nacht auch übergeben. Doch selbst da hat Lilly sich nicht abbringen lassen, zu Oma und Opa in den Garten nach Berlin-Karow zu fahren, schließlich ist ja Ostern. „Und dann beim Ostereiersuchen ist sie zusammengebrochen, die Beine sind einfach weggesackt“, sagt Mutter Sandra.

Ab diesen Moment konnte Lilly dann nicht mehr laufen und die Eltern sind sofort ins Klinikum gefahren. Dort wurde Lilly erst einmal gründlich untersucht.
„Ich habe mich so hilflos und ängstlich gefühlt, weil ich nicht wusste, was mit meinem Kind los ist“, berichtet die Mutter. Durch die zunehmende Lähmung der Beine und einem Harnverhalt wurde in erster Linie an das Vorliegen eines Guillain-Barré-Syndroms gedacht. Bei diesem Syndrom entwickelt sich ohne erkennbare Auslöser innerhalb von Tagen eine aufsteigende Lähmung. Die Lähmung schließt häufig auch die Atemmuskulatur und Hirnnerven ein.

Das war für mich erstmal ein Schock, weil ich einfach nicht wusste, was auf mich zukommt.

So berichtet Lillys Mutter Sandra

In einer Kernspintomographie (MRT) des Rückenmarks zeigte sich eine spindelförmige Verletzung. Die zusätzliche Analyse der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit zeigte, dass MOG-Antikörper (Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein) im Serum vorhanden sind. Damit war gesichert, dass eine Entzündung des Rückenmarks (MOG-positive Myelitis) bei Lilly vorlag.  

Dr. med. Daniel Haselbusch, Leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch, gemeinsam mit seiner kleinen Patientin Lilly Lietz.

„Diese Form der Erkrankung ist relativ selten. Das MOG ist ein wichtiger Bestandteil der Hülle um die Nervenbahnen des zentralen Nervensystems. Die Nervenfasern werden normalerweise von einer schützenden Hülle umgeben, die aus Fett und Eiweiß besteht – dem Myelin. Diese Hülle sorgt für eine schnelle Weiterleitung der elektrischen Signale. Wenn bei Kindern nun eine hohe Konzentration von Antikörpern gegen MOG im Blut nachgewiesen wird, deutet das darauf hin, dass diese Schutzschicht der Nervenbahnen „angegriffen“ wird“, sagt Dr. med. Daniel Haselbusch, Leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Es erfolgte eine Kortisontherapie, unter der es Lilly kontinuierlich besserging und sie bereits nach drei Tagen Therapie wieder frei laufen konnte. Bei der Nachkontrolle im Juni dieses Jahres ergab das Elektro-Enzephalogramm (EEG), mit dem die Hirnstromwellen gemessen werden, keine Auffälligkeiten. Jedoch wurde abermals ein erhöhter Wert der MOG-Antikörper nachgewiesen und ein erneuter Rückfall ist somit nicht ausgeschlossen. Die nächste Kontrolle ist für Oktober angesetzt.

„Wir bedanken uns bei der Kinderstation, die sich immer liebevoll und ganz ausgezeichnet um Lilly gekümmert haben. Auch seitens der Ärzte, vor allem von Dr. Haselbusch und Dr. Hundsdörfer, wurde sich immer viel Zeit genommen. Wie die beiden sich um Lilly gekümmert haben, das war unglaublich toll und ich bin so unendlich dankbar“, sagt Mutter Sandra. Lillys Oma sagt ergänzend: „An ihrem freien Wochenende sind die beiden ins Klinikum gekommen, um nach Lilly zu schauen. Das hat uns die Tränen in die Augen getrieben. Sie hätte keine besseren Ärzte haben können.“
„Lilly ist aktuell wieder ganz die Alte“, sagt Mutter Sandra lächelnd – „ein aufgewecktes junges Mädchen – ein richtiger Wirbelwind.“ Mittlerweile besucht die Sechsjährige die erste Klasse und ist ein stolzes Schulkind.