Allergien und Kreuzallergien © Foto: Canva
Zur Artikelübersicht
Eine Allergologin klärt auf

Allergien und Kreuzallergien

Ist eine Kreuzallergie eine Allergie? Wie entstehen Allergien? Was passiert im Körper? Fragen rund um das Thema Allergien auf die Sie heute antworten erhalten.

Was ist eine Allergie und was passiert dabei im Körper?

Der Begriff „Allergie“ bezeichnet eine spezifische überschießende und krankmachende Immunreaktion gegen von außen einwirkende Substanzen, den so genannten Allergenen. Nach dem Kontakt mit einem Allergen erfolgt die Sensibilisierung des Immunsystems mit der Bildung allergenspezifischer Lymphozyten und Antikörper. Bei erneutem Allergenkontakt führt dies zu einer allergischen Reaktion des Organismus. Es können sich stark juckende Quaddeln am gesamten Körper, aber auch Schwellungen im Gesicht, an den Augenlidern und den Lippen bilden. Allergien manifestieren sich an ganz verschiedenen Stellen des Körpers. Oft sind Haut und Schleimhäute betroffen, im Rachen etwa kann das zur Luftnot führen. Es können auch Kreislauf- und Magen- Darmbeschwerden auftreten.

Hat sich das Vorkommen von Allergien in den letzten Jahren verändert?

Die Häufigkeit von Allergien hat deutlich zugenommen. In Deutschland sind etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung betroffen. Eine Hypothese besagt, dass Kinder, die in Städten mit wenigen oder gar keinen Geschwistern aufwachsen selten mit Umweltkeimen in Kontakt kommen. Sie entwickeln dadurch häufiger Allergien. Ein weiterer Einfluss sind Umweltfaktoren, insbesondere feinste Partikel in der Luft, die die Entstehung von Allergien begünstigen oder bestehende Allergien verstärken können. Auch der Klimawandel mit der globalen Erwärmung könnte für die Zunahme der Allergiehäufigkeit verantwortlich sein.

Was sind sogenannte „Kreuzallergien“ und welche Kombinationen treten häufig auf?

Rund 60 Prozent der Pollenallergiker:innen reagieren auf strukturverwandte Allergene in pflanzlichen Nahrungsmitteln. Es handelt sich dabei um die pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien, die auch als „Kreuzallergien“ bekannt sind. Birkenpollen-Allergiker:innen reagieren auf das Protein Bet v1 in den Pollen. Es gibt strukturverwandte Proteine im Kern- und Steinobst wie Äpfel, Pfirsiche oder Haselnüsse, die beim Verzehr zu milden Symptomen wie Juckreiz im Mund und Rachen oder geschwollenen Lippen führen. Gekocht oder gebacken sind diese Allergene meist gut verträglich. Gräserpollen-Allergiker:innen reagieren mitunter auf Hülsenfrüchte, Spinat, Melone, Tomate, Erdnuss und andere Lebensmittel.  Bei der Beifußpollenallergie sind „Kreuzallergien“ auf Sellerie, Karotten, Basilikum, Dill oder Muskatnuss möglich.

Welche modernen Therapieoptionen stehen heute zur Verfügung. Gibt es neue Verfahren?

Als etabliertes Verfahren zur Behandlung der Pollenallergie steht die Hyposensibilisierung als „Immuntherapie“ zur Verfügung. Sie ist allerdings nicht für die Behandlung von Kreuzallergien zugelassen. Derzeit können wir den Patient:innen mit einer Kreuzallergie nur eine ganzjährige Karenz also den Verzicht der allergieauslösenden Nahrungsmittel in roher Form empfehlen. Im vergangenen Jahr wurde eine orale Erdnuss-Immuntherapie für Patient:innen im Alter von 4 bis 17 Jahren mit einer schweren Erdnussallergie zugelassen.  

Bei der Behandlung der mittelschweren bis schweren Neurodermitis stehen derzeit mehrere Antikörper-Therapien zur Verfügung. Für die Behandlung der Nesselsucht als autoallergisches Krankheitsbild steht ein Anti-IgE als Antikörper zur Verfügung, der auch bei bestimmten Formen des Asthmas bronchiale eingesetzt werden kann.

Zukünftig werden wir eine deutlich stärker individualisierte Medizin erleben, die auf die immunologischen Besonderheiten des Einzelnen abgestimmt sein wird.

Sind Allergiker:innen besonders von Corona gefährdet, also als Risikopatient:innen zu betrachten?

Betroffene, die allergische Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis, Nahrungsmittelallergie, Insektengiftallergie, Nesselsucht, Kontaktekzeme und Arzneimittelexantheme in ihrer Vorgeschichte haben, sind nicht als Risiko-Patient:innen für Covid 19 zu betrachten. Auch eine Immuntherapie stellt kein Risiko für Covid 19 dar. Darüber hinaus besteht für die oben beschriebenen Allergiker:innen keine Kontrainindikation für eine Covid-19-Impfung mit einem dafür zugelassenen Impfstoff.