Ahmad Shah darf bald nach Hause
Friedensdorfkind aus Afghanistan erfolgreich behandelt

Ahmad Shah darf bald nach Hause

Er kam mit nur einem Shirt und einer löchrigen Hose bekleidet im Februar 2019 in die Helios Klinik Leisnig. Selber laufen war für den damals fünfjährigen Ahmad Shah aus Kabul in Afghanistan aufgrund eines Bruches und schweren Infektion seines linken Schienenbeins unmöglich, er musste getragen werden. Und heute?

All das erscheint vergessen, beobachtet man den heute sechsjährigen Ahmad Shah dabei, wie er über den Gang der Kinderstation flitzt und Schwestern und Ärzte im Dienstzimmer mit spitzbübischem Grinsen auf Trab hält. Lediglich die in der Ecke stehenden Krücken und ein großes, weißes Pflaster erinnern äußerlich noch an die Operationen und den Leidensweg des Jungen. „Wir erfreuen uns alle jeden Tag an Ahmad Shahs Lebensfreude und Genesung“, sagt Reinhard Junghans, Departmentleiter der Unfallchirurgie und Orthopädie an der Helios Klinik Leisnig und Ahmad Shahs behandelnder Arzt.           

kleiner Junge und Frau lesen gemeinsam in einer Zeitschrift
Dr. Ulla Lieser hat sich viel Zeit für den 6-jährigen Ahmad Shah genommen. | Foto: Helios

Der Mediziner setzt sich seit vielen Jahren immer wieder für die Hilfsorganisation „Friedensdorf“ ein. Diese holt vor allem Kinder aus Angola und Afghanistan nach Deutschland, die schwere Verletzungen erlitten haben und nicht in ihren Heimatländern vor Ort behandelt werden können. Kliniken in Deutschland nehmen dann ein solches Friedensdorf-Kind auf und behandeln es unentgeltlich, bis es in sein Heimatland zurückkehren kann. Ahamad Shah ist so bereits das sechste Friedensdorf-Kind, das in Leisnig behandelt wurde.

„Wir mussten Ahmad Shah insgesamt fünf Mal operieren“, erzählt Reinhard Junghans. „Zusätzlich zur Schienenbeinfraktur litt er unter einer schweren Infektion durch einen multiresistenten Keim, die behandelt werden musste. Es war eine lange, mehrmonatige Therapie nötig“, so der Chirurg weiter.

Neben den medizinischen Eingriffen ist die Belastung für Kinder wie Ahmad Shah aber auch psychisch enorm, denn in der gesamten Zeit ihrer Behandlung und ihres Aufenthaltes in Deutschland, haben die Friedensdorf-Kinder keinen Kontakt zu ihrer Familie. „Natürlich versuchen wir dann den kleinen Patienten hier für die Zeit ein zu Hause zu geben“, erzählt Dr. Ulla Lieser, Oberärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Ahmad Shah war die ersten zwei Wochen sehr verschlossen und taute nur recht langsam auf“, erzählt sie weiter. „So oft wir Zeit hatten, haben wir uns mit ihm beschäftigt, waren bei ihm, haben ihm vorgelesen, mit ihm gespielt – und heute spricht und lernt er immer mehr Deutsch und ist fast wie ein Familienmitglied hier auf Station“, sagt sie, während sie durch Ahmad Shahs Haare strubbelt.

Der nahende Abschied in wenigen Tagen wird wohl für beide Seiten – den Jungen als auch das Team der Klinik – nicht leicht werden, hat man sich doch gegenseitig ins Herz geschlossen. „Aber sobald die Kinder gesund sind, gehen sie in das Friedensdorf nach Oberhausen, um dort wieder auf ihre Rückkehr in die Heimat vorbereitet zu werden – andere Kinder zu treffen, sich auf die einfacheren Lebensverhältnisse einzustellen und zum Beispiel auch ihre Sprache wieder aufzufrischen, die sie in der langen Zeit hier nicht gesprochen haben“, erklärt Reinhard Junghans das Prinzip des Friedensdorfes.

Aber bei allem Abschiedsschmerz überwiegt doch die Freude, dass es dem Sechsjährigen jetzt wieder gut geht und er als fröhlicher, gesunder Junge nach Afghanistan zurückkehren kann.

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Reinhard Junghans

Oberarzt und Leiter Department für Unfallchirurgie und Orthopädie
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