Das Ruder wieder selbst in die Hand nehmen
Psychoonkologie

Das Ruder wieder selbst in die Hand nehmen

Die Diagnose Krebs trifft Betroffene meist wie ein Hammerschlag. Sie löst viele Gefühle aus: Vertrauens- und Kontrollverlust, Betäubung und Todesangst. Psychoonkolgen können in dieser Situation helfen.

Ältere Dame sitz auf Stuhl, Frau in medizinischer Kleidung sitzt neben ihr und lächelt sie an
Psychoonkologin Dr. Silke Bertram kümmert sich um eine Krebspatientin | Foto: Andrea Schumann

Nach einer Krebsdiagnose ahnen die Patienten, dass sie in ihrem Leben etwas ändern sollten. Nur was und wie wissen sie meist nicht. „Eigentlich beginnt erst dann die richtig  schwierige Arbeit“, weiß Gynäkologin und Psychoonkologin Dr. Silke Bertram im Helios Klinikum Schleswig, „denn nach den körperlichen Strapazen beginnen die Patienten ihr Leben zu sortieren.

Sie stellen sich große Fragen: Warum ich? Wofür lebe ich? Was ist aus meinen Träumen geworden? Wo möchte ich hin?“ Die Expertin versucht jeden Einzelnen in seinem individuellen Umgang mit dem Krebs zu unterstützen. Die Erhaltung der Lebensqualität steht dabei an erster Stelle. Dr. Bertram möchte, dass die Patienten wieder Vertrauen zum eigenen Körper aufbauen, den Weg der Schuldfragen verlassen und sich hin zur Stärkung des weiteren Lebens wenden. „Die Patienten sollen die Erkrankung loslassen und sich Werkzeuge für den weiteren Weg mit ins Boot holen“, beschreibt sie diesen Prozess. Ziel ist es, das „Ruder“ auf dem Schiff wieder fest in die eigene Hand zu bekommen.

Die Patienten sollen die Erkrankung loslassen und sich Werkzeuge für den weiteren Weg mit ins Boot holen.

Gynäkologin und Psychoonkologin Dr. Silke Bertram | Helios Klinikum Schleswig

Sortieren und neue Wege finden

Hierfür bietet die Integrative Medizin zahlreiche Möglichkeiten, die auf den drei Säulen aus Schulmedizin, dem ganzheitlichen Menschenbild und der Komplementärmedizin wie etwa Naturheilkunde, Heilfasten und Entspannungsmethoden beruht. Während es einige Menschen schaffen, sich im Rahmen einer Gesprächstherapie mit einer Psychoonkologin neu zu sortieren und neue Wege zu finden, finden andere mithilfe einer Maltherapie, Hypnose oder Sport ihr Gleichgewicht. „Neben Yoga und Tai Chi können auch autogenes Training oder Meditation als Kraftquelle für die innere Ausgeglichenheit dienen“, so Dr. Bertram.