Auf der Suche nach dem Krebs-Gen
Genomische Medizin

Auf der Suche nach dem Krebs-Gen

Jeder Krebs ist anders – deshalb gibt die neue personalisierte Therapie Krebspatienten Hoffnung. Sie hilft vor allem Lungenkrebspatienten. Voraussetzung: eine hervorragende molekulare Diagnostik.

Diese bietet die Lungenklinik Heckeshorn im Helios Klinikum Emil von Behring – und zwar so gut, dass die Klinik nun ins nationale Netzwerk Genomische Medizin aufgenommen wurde.

Tief durchatmen

Mann in Arztkittel und Mann in Jacket sitzen am Tisch und blicken auf Monitor
Dr. Daniel Misch bespricht mit seinem Patienten Dr. Gerhard Menn die weitere Therapie. | Foto: Thomas Oberländer

Jeden Morgen atmet Dr. Gerhard Menn erst einmal tief ein, um zu spüren, wie gut sich das anfühlt. Dann legt er seine, wie er sagt, „Glückspillen“ vor sich und zelebriert deren Einnahme. Dr. Gerhard Menn hat Lungenkrebs – eine schlimme Diagnose. Und doch hat er Glück im Unglück gehabt. Mehr noch: „Der Tumor von unserem Patienten trägt eine Mutation, die bei unter einem Prozent aller Lungenkrebspatienten vorkommt“, sagt Dr. Daniel Misch, Oberarzt an der Klinik für Pneumologie der Lungenklinik Heckeshorn. Damit gehört Dr. Gerhard Menn zu den 20 Prozent der Lungenkrebspatienten, die von einer zielgerichteten Therapie profitieren können.

Voraussetzung für eine zielgerichtete Therapie ist die moderne Molekulardiagnostik. Mit ihrer Hilfe suchen die Pathologen am Zehlendorfer Standort in den Tumorzellen gezielt nach jenen Gen-Veränderungen, die den Lungenkrebs wuchern lassen. Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Doch ist die Mutation gefunden, kann sie zielgerichtet behandelt werden. „Im Rahmen von Studien können wir Krebspatienten mit neuesten, noch nicht frei erhältlichen Medikamenten behandeln“, erklärt Dr. Daniel Misch, der auch Leiter des Studienbüros der Lungenklinik ist. Bei Dr. Gerhard Menn kommen spezifische Tyrosinkinaseinhibitoren – die von ihm so bezeichneten „Glückspillen“ – zum Einsatz. „Diese erhält er im Rahmen einer Studie, an der weltweit nur knapp 200 Patienten teilnehmen“, erklärt Dr. Daniel Misch.

Im Rahmen von Studien können wir Krebspatienten mit neuesten, noch nicht frei erhältlichen Medikamenten behandeln.

Dr. Daniel Misch, Leiter des Studienbüros der Lungenklinik | Helios Klinikum Emil von Behring

Aufnahme ins nationale Netzwerk Genomische Medizin

Auch wenn Chemotherapie und Strahlentherapie noch die häufigsten Therapieformen bei Lungenkrebs sind, gehört die Molekulardiagnostik in der Lungenklinik Heckeshorn schon zur Routine. Die Chancen und Möglichkeiten der genetischen Tumoranalyse am Zehlendorfer Standort findet Patient Dr. Menn beeindruckend. Damit ist er nicht allein: Das nationale Netzwerk Genomische Medizin (www.nngm.de) hat die Lungenklinik Heckeshorn gemeinsam mit dem Institut für Gewebediagnostik unter der ärztlichen Leitung von Priv.-Doz. Dr. Thomas Mairinger als erstes nicht universitäres Zentrum aufgenommen. Ziel dieses Netzwerks ist es, immer mehr Patienten innovative Therapien über die Molekulardiagnostik zu ermöglichen.

Krankenhausseelsorger Dr. Gerhard Menn ist sehr dankbar für die moderne Therapie und ergänzt mit einem Lächeln: „Berufsbedingt glaube ich ja auch an Wunder.“ Doch auch ganz irdisch zeigen sich schon erste Erfolge der Behandlung: „Acht Tage nach der ersten Tablette hat meine Frau festgestellt, dass ich weniger huste, und die Kontrollen belegen, dass der Tumor deutlich geschrumpft ist. Mir geht’s so gut wie das ganze Jahr 2019 nicht! Ich genieße das Leben und kann frei atmen. Gleichzeitig weiß ich, dass der Tumor nicht weg ist und noch ein langer Weg vor mir liegt.“ Ein Weg, auf dem ihn die Ärzte der Lungenklinik Heckeshorn und seine Glückspillen begleiten.

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