Kinder Kerzen Katastrophen
Erste Hilfe unterm Weihnachtsbaum

Kinder Kerzen Katastrophen

"Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen". Viele Menschen wünschen sich hierfür echte Kerzen. Doch Vorsicht: In der Weihnachtszeit kommt es immer wieder zu Verbrennungen, gerade bei Kindern. Wir haben nachgefragt, was es aus medizinischer Sicht und für den Schutz der eigenen Familie zu beachten gibt.

Dr. Thomas Ringle, Chefarzt der Kinderchirurgie im Helios Klinikum Pforzheim betont die Wichtigkeit des Themas und erklärt im Interview, was Eltern zur Ersten Hilfe und Vorbeugung bei Verbrennungen und Verbrühungen wissen sollten.

Welche sind in der Vorweihnachtszeit die häufigsten Brandverletzungen bei Kindern?

Am häufigsten verletzen sich Kinder in dieser Zeit in der Küche, vor allem beim Plätzchenbacken. Auch Kerzenlicht wirkt gerade auf kleinere Kinder so faszinierend, dass sie in die Flammen fassen und es so häufig zu Verbrennungen an Händen oder Fingern kommt. Beim Adventskaffeeklatsch ist ebenfalls Vorsicht geboten, denn Kleinkinder und Babys schlagen gerne nach der Kaffeetasse.

In welchem Alter gibt es die meisten Brandverletzungen?

Mann mit Brille und Arztkittel lächelt in Kamera
Dr. Thomas Ringle, Chefarzt Kinderchirurgie, im Helios Klinikum Pforzheim | Foto: Helios

Laut Statistik erleiden am häufigsten Kleinkinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren Brandverletzungen. Der Entdeckungsdrang ist in dieser Altersgruppe groß, jedoch können die Kleinen Gefahren noch nicht richtig einschätzen.

Lassen sich Verbrennungen in Schweregrade unterteilen?

Ja, Verbrennungen werden in drei Schweregrade eingeteilt:

Grad I: Die Haut ist gerötet, wie etwa bei einem Sonnenbrand. Es reicht normalerweise, wenn Eltern sie mit einer Salbe behandeln.

Grad II: Offene oder geschlossene Brandblasen. Sie wird mit speziellen Salben und Verbänden behandelt. Meistens kann die Verbrennung so folgenlos und narbenfrei abheilen.

Grad III: Komplette Zerstörung der Haut und sichtbarer Gewebeschaden. Hier ist eine OP notwendig. Die Narben der Verbrennungen bleiben ein Leben lang sichtbar. Sie müssen über eine gewisse Zeit mit Kompressionsverbänden nachbehandelt werden.

Was ist die sogenannte Handflächenregel?

kleines Mädchen mit Weihnachtsmütze zündet Kerzen an
Kerzen können schnell zur Gefahr für kleine Kinder werden. | Foto: Canva

Die Handflächenregel dient dazu, um relativ genau abschätzen zu können, wie groß die Fläche der Verbrennung im Verhältnis zur Körperoberfläche ist. Hierbei entspricht die Fläche der Hand des verbrannten Kindes, inklusive der gespreizten Finger einem Prozent der eigenen Körperoberfläche. Diese Prozentzahl sollte beim Notruf unter der 112 direkt mitgeteilt werden, sodass eine Ersteinschätzung leichter fällt.

Wie können Eltern bei Verbrennungen ihres Kindes Erste Hilfe leisten?

Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren. Es sollte lauwarmes (nicht kaltes!) Wasser von ca. 20 Grad für etwa 20 Minuten über die Verbrennung fließen. Aber Achtung: Ist das Kind jünger als drei Jahre, darf KEINE Kühlung durchgeführt werden, auch nicht mit lauwarmem Wasser, da das Kleinkind sonst auskühlen könnte. Verbrannte Kleidungsstücke sollten, wenn möglich, entfernt werden. Die verbrannten Hautbereiche sollten steril abgedeckt werden. Bei ausgeprägten Verbrennungen scheuen Sie sich nicht davor, den Rettungsdienst zu rufen.Gerade bei Kleinkindern sollten Eltern immer einen Arzt aufsuchen, wenn sich das Kind verbrannt hat. Die Haut kann leicht geschädigt werden, da sie besonders dünn ist.