Kids save lives – Lebensretter von Morgen
Projekt zur Schülerreanimation der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach

Kids save lives – Lebensretter von Morgen

2013 kollabierte ein Schüler im Sportunterricht. Die Lehrerin alarmiert sofort den Notarzt, doch bis die rettende Hilfe eintraf, verstrichen wertvolle Minuten. Minuten, die den 18-Jährigen für immer gezeichnet haben: Aufgrund schwerer Hirnschäden ist er heute zu 100 Prozent schwerbehindert.

Die Hilfe durch Ersthelfer vor Ort trägt entscheidend zur Verbesserung der Überlebensquote bei. Aus diesem Grund möchten die Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach an den Schulen im Landkreis Miltenberg das Projekt „Kids save lives“ etablieren. Dabei werden Wiederbelebungsmaßnahmen als Unterrichtseinheiten im Schulalltag integriert.

Ersthelfer früh schulen

Quelle: www.grc-org.de

Beim plötzlichen Kreislaufstillstand oder plötzlichen Herztod außerhalb des Krankenhauses stehen die Chancen zum Überleben schlecht. Da Hirnzellen nur 4 bis 5 Minuten ohne Sauerstoff unbeschadet überstehen, kommt der Rettungsdienst in aller Regel zu spät. Unter realistischen Bedingungen vergehen vom Moment des Kollapses bis zum Beginn der Maßnahmen durch den Rettungsdienst mindestens 7 Minuten. Den größten Einfluss auf eine Verbesserung der Überlebensquote hat daher der Ersthelfer vor Ort.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist in Deutschland die Quote der Wiederbelebung durch Ersthelfer allerdings niedrig. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei 10 bis 20 Prozent, wohingegen sie in Skandinavien bei 40 bis 70 Prozent liegt. Hier gehören Wiederbelebungsmaßnahmen zum schulischen Programm dazu. Die Schüler werden über Jahre wiederholt und sinnvoll aufbauend geschult. Hemmungen werden schon im Kindesalter abgebaut. Die positiven Auswirkungen sind deutlich sichtbar.

Laienreanimation in die Schule bringen

Reanimationstag 2019 in Erlenbach: Andrea Becker führt gemeinsam mit Dr. Florian Bofinger die Herz-Druck-Massage und die Verwendung des Defibrillators vor.

Die Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach sehen hier akuten Handlungsbedarf. Drei öffentliche Reanimationstage im vergangenen Jahr waren eine erste Konsequenz zugunsten der Laienreanimation. Doch damit nicht genug: Mit Andrea Becker als Verantwortliche wollen sie das Vorhaben, Laienreanimation nachhaltig im Landkreis zu etablieren, auf die nächste Ebene heben. Mit dem Projekt "Kids save lifes" soll Wiederbelebung in die Schulen des Landkreises Miltenberg gebracht werden.

Andrea Becker ist Fachkrankenschwester für Intensivmedizin und Leiterin des Notfallmanagements an der Helios Klinik Erlenbach. Zudem ist sie als Reanimations-Instruktor für den Europäischen Rat der Wiederbelebung (ERC) tätig und hält Reanimationskurse für alle Mitarbeiter der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach. Seit fast 10 Jahren arbeitet sie auf der Intensivstation des Erlenbacher Krankenhaus. Notfälle gehören für sie zum Alltag: "Ich erlebe jeden Tag hautnah die Auswirkungen von ausbleibenden Notfall-Maßnahmen – aber auch, wenn schnell und richtig gehandelt wird", erklärt Andrea Becker, "die ersten Minuten sind entscheidend für die Zukunft des Betroffenen."

Ich erlebe jeden Tag hautnah die Auswirkungen von ausbleibenden Notfall-Maßnahmen – aber auch, wenn schnell und richtig gehandelt wird. Die ersten Minuten sind entscheidend für die Zukunft des Betroffenen.

Andrea Becker, Fachschwester für Intensivmedizin und Leiterin des Notfallmanagements | Helios Klinik Erlenbach

In 17 Jahren Intensiverfahrung hat sie viel gesehen und erlebt. Kids save lives ist für die 38-Jährige ein Herzensprojekt. Als treibende Kraft hinter den Reanimationstagen ist für sie klar: der Bedarf ist sichtbar!

Bei "Kids save lives" werden zuerst die Biologie- und Sportlehrer in Wiederbelebungsmaßnahmen geschult. Im Unterschied zum Erste-Hilfe-Kurs, der oftmals schon lange zurückliegt, beinhaltet der zertifizierte Basic Life Support (BLS)-Kurs auch das Training mit dem Defibrillator. Als vierstündiges Simulationstraining werden die Fertigkeiten gezielt geübt und kontinuierlich überprüft. Die geschulten Lehrkräfte können ihre Fähigkeiten dann in Form von zwei Unterrichtseinheiten pro Jahr an Schüler ab der 7. und 8. Jahrgangsstufe weitergeben. Als Aufbaukurs werden sie alters- und fähigkeitengerecht über die Schulzeit hinweg an die Reanimation herangeführt. Ziel ist es, dass sie bei Verlassen der Schule mehrfach die Herz-Druck-Massage üben konnten.

Kinder sollten schon im jungen Alter an das Thema Reanimation herangeführt werden. Sie sind die Lebensretter von Morgen.

Sven Axt, Klinikgeschäftsführer Helios Klinik Erlenbach

Pilotphase ab März 2020

Die Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach stehen bereits seit 2019 in engem Austausch mit Christine Büttner, der Schulleiterin des Hermann-Staudinger-Gymnasiums in Erlenbach. Als Pilotschule werden im März 2020 alle Biologie- und Sportlehrer des Gymnasiums angeleitet und als Multiplikatoren ausgebildet, um im nächsten Schuljahr selbst Schüler im Reanimieren unterrichten zu können.

Am Mittwoch, den 22. Januar 2020 wurde das Projekt im Schulleiterjahresgespräch des Landkreises Miltenberg vorgestellt. Ziel ist es, ein flächendeckendes Kurskonzept zu etablieren und noch weitere Schulen im Landkreis ins Boot zu holen. "Kinder sollten schon im jungen Alter an das Thema Reanimation herangeführt werden. Sie sind die Lebensretter von Morgen", betont Klinikgeschäftsführer Sven Axt die Bedeutung des Projekts. Hemmungen und Berührungsängste können schon im Jugendalter abgebaut, Fertigkeiten trainiert und Handlungsabläufe verinnerlicht werden. Dabei ist das Konzept so angelegt, dass sogar Grundschulkinder an das Thema herangeführt werden können. Die Schulungskosten für "Kids save lives" übernehmen die Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach. Die Schulen tragen lediglich die Kosten für das Schulungsmaterial – ein Schulungsdefibrillator sowie Trainingspuppen.

Der GRC-Vorstandsvorsitzende, Prof. Dr. Bernd W. Böttiger, über die Initiative KIDS SAVE LIVES – die Schülerausbildung in Wiederbelebung.