Impfungen beim Baby und Kind: Das raten Experten
Kleiner Pieks, große Wirkung

Impfungen beim Baby und Kind: Das raten Experten

Von Tetanus über Keuchhusten bis hin zu Kinderlähmung: Viele lebensgefährliche Infektionskrankheiten können heutzutage erfolgreich durch eine frühzeitige Impfung verhindert werden. Die ersten Standardimpfungen werden ab der sechsten Lebenswoche empfohlen.

Alles was Sie über Impfungen bei Kindern und Jugendlichen wissen sollten, erfahren Sie von unseren Experten Dr. Sigrid Lyding, Chefärztin für Kinder-und Jugendmedizin im Helios Klinikum Bad Saarow und Prof. Dr. Stefan Wirth, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Helios Universitätsklinikum Wuppertal.

Welche Impfungen stehen bei meinem Kind an?

Der richtige Zeitpunkt für Standardimpfungen ist im sogenannten Impfkalender der STIKO festgelegt. Die STIKO ist die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut und wird vom Bundesgesundheitsministerium berufen.

Die Empfehlung der STIKO wird einmal im Jahr auf ihre Richtigkeit und Aktualität geprüft und zum Teil geändert. Der Impfkalender reicht vom Säuglingsalter bis zum Senior, also über die gesamte Lebensspanne.

Impfen beim Baby oder Kind – wie funktioniert's?

Impfungen enthalten entweder einen Bruchteil des Erregers, oder einen Erreger, der selber nicht krankmachen kann, dem echten Erreger aber sehr ähnlich ist. 

Das Immunsystem baut nach Kontakt mit der Impfung Abwehrstoffe (Antikörper) auf. Wird ein Mensch mit dem echten Erreger infiziert, machen die gebildeten Abwehrstoffe diesen unschädlich, oder verhindern dessen Ausbreitung.

Dr. Sigrid Lyding, Chefärztin der Kinder- und Jugendmedizin | Helios Klinikum Bad Saarow

Impfungen werden in der Regel in den Muskel gespritzt oder oral, also über den Mund, eingenommen.

Die meisten erzeugen einen guten Schutz schon nach der ersten Impfung. Durch eine Wiederholung im richtigen Abstand wird der Schutz gegen die Infektion verstärkt und hält jahrelang, wenn nicht sogar das ganze Leben.

Standards im Kindes- und Jugendalter

Im Säuglings- und Kleinkindalter werden Impfungen bei den Vorsorgeuntersuchungen für das gelbe U-Heft besprochen und meistens auch durchgeführt. Daraus ergibt sich ein Impfplan. Die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung werden vor jeder Injektion besprochen.

Die erste Schutzimpfung ist bereits für die sechste Lebenswoche vorgesehen. Sie wird oral verabreicht und schützt vor dem Rotavirus. Ohne Impfung kann eine Infektion im Säuglingsalter sehr gefährlich sein.

Wenn der Säugling zwei Monate alt ist, steht die erste Kombinationsimpfung an: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus Influenza B, Hepatitis B, Kinderlähmung (Polio) und Pneumokokken. Als Kombinationsimpfung wird die gleichzeitige Verabreichung mehrerer Impfstoffe bezeichnet, die sich gegen verschiedene Erreger richten. Diese Impfstoffe heißen Kombinationsimpfstoffe.

Ärztin untersucht kleines Mädchen. Beide lachen.
Frau Dr. Lyding bei der Arbeit | Foto: Helios

Ab dem ersten Geburtstag sollte dann eine Immunisierung gegen Meningokokken C (Hirnhautentzündung), Windpocken, Masern, Mumps und Röteln (MMP-Impfung) folgen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Kombinationsimpfung. "Im Alter von 14 Monaten sollte ein Kind die sogenannte Grundimmunisierung erreicht haben", sagt Dr. Sigrid Lyding.

Einige Impfungen müssen im Jugend- und/oder Erwachsenenalter aufgefrischt werden. Dazu zählen zum Beispiel der Schutz gegen Tetanus und Diphtherie alle 10 Jahre. Wurden Impftermine im Kindesalter vergessen oder verpasst, können fehlende Impfungen, wie Hepatitis B oder die Masernimpfung nachgeholt werden. Um dies zu vermeiden, empfehlen unsere Experten, den Impfpass sehr sorgfältig zu führen.

Besondere Impfungen im Kinder-und Jugendalter, wie zum Beispiel eine Impfung gegen Grippe-Viren oder eine Immunisierung gegen Windpocken sowie Reiseimpfungen sollten individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Impfschutz für die Gesundheit von allen

Eine vollständige Grundimmunisierung schützt nicht nur das Kind selbst. Auch andere Kinder in der Kita oder der Schule, wie auch die Geschwister und Eltern, sind dadurch vor Krankheiten besser geschützt. "Wenn 95 Prozent aller Personen, die miteinander Kontakt haben oder miteinander leben, geimpft sind, nennt man das Herdenimmunität", erklärt Frau Dr. Lyding. Dabei ist vor allem wichtig, dass auch Erwachsene ihren eigenen Impfpass im Blick haben und gegebenenfalls Impfungen auffrischen lassen.

Notwendig sind Impfraten von über 95 Prozent, um Krankheiten wie die Masern zu eliminieren. Ziel muss es nun allerdings sein, die Impfprävention insgesamt zu stärken. Denn die Notwendigkeit, Impfraten zu steigern, ist bei einer Reihe von Krankheiten noch deutlich dringlicher, zum Beispiel bei Keuchhusten.

Prof. Dr. Stefan Wirth, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin | Helios Klinikum Wuppertal

Rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung stehen laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) dem Thema Impfen kritisch gegenüber. Prof. Dr. Wirth sieht hier die Herausforderung. Dieser Bevölkerungsanteil sei "zwar skeptisch gegenüber Impfungen, in der Praxis aber zumeist diskussionsbereit und letztlich offen gegenüber Impfungen. Diese Eltern gilt es mit guten Informationen vom Impfen zu überzeugen.“

HPV: Impfen bei Mädchen und Jungen

Seit 2007 gibt es die Möglichkeit und die klare Empfehlung, Mädchen und Jungen ab dem neunten Lebensjahr gegen HPV (Humanes Papillomavirus) impfen zu lassen. Die Impfung gilt als gut verträglich und wurde in den letzten zwölf Jahren über 270 Millionen Mal verabreicht. Die Virus-Infektion wird durch Sexualkontakt übertragen und heilt meistens aus. Die Viren bleiben aber weiterhin im Genitalbereich nachweisbar und ansteckend, selbst, wenn sich die Betroffenen kerngesund fühlen. Die Infektion mit HPV kann Mädchen und Jungen betreffen, oder aber Frauen und Männer. Folgeerkrankung der HPV-Infektion sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen Tumore im Genitalbereich bei Frauen und Männern sowie Tumore im Mundbereich.

Mögliche Nebenwirkungen beim Impfen

Ein Kind wird am Oberarm geimpft
Nach einer Impfung kann eine leichte Rötung oder Schwellung der Impfstelle auftreten | Foto: Canva

Je nach Impfstoff tritt bei etwa 20 Prozent der Geimpften eine leichte Rötung oder Schwellung der Impfstelle auf. Diese ungefährlichen Impfreaktionen an der Einstichstelle zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert. Diese Irritationen klingen in der Regel nach wenigen Tagen wieder ab.

Zu weiteren möglichen Nebenwirkungen zählen leichte Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder auch Übelkeit und Durchfall. Diese betreffen weniger als 10 Prozent der Geimpften. Diese Krankheitsanzeichen dauern in der Regel nicht länger als zwei Tage und sind ebenfalls ungefährlich.

Nach Impfungen mit Lebendimpfstoffen, wie dem Mumps- Masern-, Röteln-Impfstoff kann selten eine schwache Form der Masern auftreten. Die Ausprägung ist allerdings nur leicht und nicht ansteckend.

Allgemein gilt Impfen als sehr sicher. Die Verträglichkeit von Impfstoffen wird bei der Zulassung genau überprüft und auch im Nachgang überwacht. Jede Impfkomplikation, die stärker ausfällt als üblich, wird in Deutschland gründlich erfasst, sorgfältig analysiert und untersucht.

Wer trägt die Kosten?

In Deutschland ist die Kostenübernahme für Standardimpfungen für alle Versicherten der Gesetzlichen Krankenkassen geregelt. Immer vorausgesetzt, die jeweilige Impfung wurde vorher genau auf ihre Sicherheit geprüft. Versicherte von Privaten Krankenkassen erhalten in Deutschland in der Regel ebenfalls alle Standardimpfungen erstattet.

Vorsorge im Erwachsenenalter

Vorsorge im Erwachsenenalter

Auch gesunde Kinder werden regelmäßig von ihren Eltern zu Kinderärztinnen und -ärzten gebracht, um die Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen. Die Eltern achten damit in der Regel darauf, dass ihre Kinder die Grundimmunisierung erhalten. Aber wer sorgt sich so um die Erwachsenen? Die meisten Erwachsenen sehen ihre Ärztin oder ihren Arzt nur im Krankheitsfall.

Die Folge ist, dass viele Erwachsene aus der Grundimmunisierung herausgewachsen sind. Es fehlen dann zum Beispiel regelmäßige Auffrischimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus. Generell gilt, dass jeder, der nicht weiß, ob er oder sie bereits geimpft ist, oder aber zehn Jahre nicht geimpft wurde, eine Impfung in Anspruch nehmen sollte.

Vorsorge im Alter

Vorsorge im Alter

Das Immunsystem im Alter funktioniert genau wie das Immunsystem eines jungen Menschen. Im Alter aber kommen einige Erkrankungen oder aber auch Medikamente hinzu, die empfindlicher für Erkrankungen machen. Die Seniorin und der Senior werden zudem nicht mehr genauso schnell gesund, wie junge Menschen. Durch Impfungen gegen Pneumokokken, Gürtelrose und Grippe sind Seniorinnen und Senioren gegen besonders schwere Erkrankungsverläufe geschützt. Die regulären Auffrischungsimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus sollten beibehalten werden.