Hilfe bei Verbrennungen und Hitzekollaps
Kindernotfälle – Die Erste-Hilfe-Serie

Hilfe bei Verbrennungen und Hitzekollaps

Obwohl viele Eltern sehr genau darauf achten, dass ihr Kind nicht ungeschützt in der Sonne spielt, passiert es aufgrund der zarten Kinderhaut immer mal wieder: es entsteht ein Sonnenbrand oder sogar eine Hitzekollaps.

Kinder verbringen oft viel mehr Zeit im Freien als Erwachsene und erhalten dadurch bis zu ihrem 18. Geburtstag eine große Menge an Sonnenstrahlung. „Da zu viel Sonneneinstrahlung das spätere Hautkrebsrisiko deutlich erhöht und es zudem zu schmerzhaften Sonnenbränden, Hitzepickeln und Hitzschlägen führen kann, ist der Sonnenschutz überaus wichtig“ erklärt Dr. Marco Thiele, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in der Helios Klinik Jerichower Land.

Erste Hilfe bei Sonnenbrand

Grundsätzlich sollten Babys und Kinder im ersten Lebensjahr generell nicht der Sonne ausgesetzt werden. Sollte es dennoch zu einem Sonnenbrand kommen gilt es folgendes zu beachte:

Checkliste:

  • Bei sonnengereizter Haut hilft am besten Kühlen. Gut geeignet sind je nach Größe des Sonnenbrandes kalte Umschläge. Auch kalter Quark oder Joghurt, auf die betroffenen Stellen aufgetragen, wirkt kühlend. Dieser sollte nur verwendet werden, wenn das Baby es verträgt. Die kühle Feuchtigkeit auf der Haut lindert auch Schmerzen.
  • In der Apotheke gibt es spezielle Sonnenbrandgels oder -salben, die teilweise auch bei Babys angewendet werden dürfen. Hat das Baby einen leichten Sonnenbrand, wirkt Aloe-Vera-Gel oder für Babys geeignete After-Sun-Lotion ebenfalls kühlend und beruhigend auf die gereizte Haut. Nicht geeignet sind fetthaltige Cremes oder Salben.
  • Das Baby viel trinken lassen hilft, den Flüssigkeitsverlust durch den Sonnenbrand auszugleichen und die Heilung der Haut zu unterstützen. Bis der Sonnenbrand abgeheilt ist und sich die Haut regeneriert hat, sollte die Sonne für etwa zwei Wochen gemieden werden.
  • Wichtig: Äußerst vorsichtig vorgehen, wenn sich Blasen gebildet haben! Blasen können platzen und sich entzünden. Daher lieber ausschließlich kühlen und dann mit dem Baby zum Arzt gehen.

Sonnenbrand vorbeugen / Vorsorge

Kleines Kind mit Sonnenbrille am Strand. Es hält Sonnencreme in der Hand.
Auch mit UV-Schutz sollten Kinder nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein | Foto: Canva

Die wichtigste Maßnahme, dem Sonnenbrand beim Baby vorzubeugen ist der Sonnenschutz. Insbesondere während der Mittagszeit sollten Babys und Kinder grundsätzlich nicht der Sonne ausgesetzt werden und sich möglichst im Schatten aufhalten. Auch an bewölkten Tagen dringt noch Sonnenstrahlung durch, daher auch bei Bewölkung für ausreichenden Sonnenschutz sorgen. Lange Kleidung schützt Babys empfindliche Haut ebenfalls vor Sonnenbrand. Ideal ist spezielle Sonnenschutzkleidung, die sich teilweise auch zum Baden eignet. Im Sommer sollten Babys und Kleinkinder Hütchen mit breiter Krempe oder Mützen mit Nackenschutz tragen. Freiliegende Hautflächen können mit Sonnencreme speziell für Babys eingecremt werden, besonders Gesicht, Hals, Nacken und Handflächen.

Wichtig: Das Kind mindestens 30 Minuten vor Sonneneinwirkung eincremen und nach jedem Wasserkontakt. Der Lichtschutzfaktor sollte mindestens 20 betragen.

Hitzepickelchen und Wärmeausschlag

Oftmals entstehen bei Kindern unter den Achseln, am Windelrand oder im Genick kleine Hitzepickelchen. Die sogenannten Schweißbläschen entstehen in Hautspalten oder an Stellen, an denen Kleidung reibt. Gefährlich und schmerzhaft sind sie nicht, aber sie sind ein deutliches Zeichen dafür, dass es einem Kind viel zu warm ist und die Gefahr eines Hitzschlags besteht.

Damit sich die Hitzepickel wieder zurückbilden und sich der Wärmehaushalt des Kindes wieder normal regulieren kann, sollte man beachten:

Das sollte beachtet werden:

  • sich in einen luftigen Raum bzw. an die frische Luft (in den Schatten) begeben
  • zu warme Kleidungsstücke entfernen
  • die betroffenen Stellen leicht kühlen (kein Eis verwenden!)
  • auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, da zu viel Wärme schnell zu Flüssigkeitsverlust und somit zu Kreislaufproblemen führen kann.

Sollte das Kind Fieber bekommen oder hält der Ausschlag länger als zwei Tage an, sollte sicherheitshalber ein Kinderarzt aufgesucht werden.

Hitzekollaps bei Kindern

Kinder spielen am Strand in den Wellen.
Kinder sollten sich nur kurz in der prallen Sonne aufhalten | Foto: Canva

Ein Hitzekollaps (Hitzeerschöpfung) entsteht durch starkes Schwitzen bei hohen Temperaturen. Wird gleichzeitig zu wenig getrunken, verliert der Körper Flüssigkeit und Salze (Elektrolyte). Dies bedeutet für den Kreislauf eine enorme Belastung, die zum Kreislaufzusammenbruch führen kann. Besonders gefährlich ist es, wenn Kinder in der Hitze Sport treiben.

Was sind die Anzeichen für einen Hitzekollaps?

  • Das Kind zeigt Anzeichen von Erschöpfung und fühlt sich abgeschlagen.
  • Das Kind ist reizbar oder gleichgültig.
  • Die Haut ist blass und kalt-schweißig.
  • Normale Körpertemperatur
  • Rascher Puls
  • Bewusstseinseintrübung bis zur Bewusstlosigkeit

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Das Kind schnell an einen kühlen, schattigen Ort bringen.
  • Das Kind flach lagern.
  • Ist das Kind ansprechbar und zeigt normale Reaktionen, sollten ihm, falls es diese annimmt, eine gering salzhaltige Flüssigkeit angeboten werden. Auch isotonische Getränke sind geeignet.
  • Bei Bewusstlosigkeit: Das Kind in die stabile Seitenlage bringen und sofort den Rettungsdienst verständigen.

„Zusammenfassend sollten Babys und Kleinkinder im ersten Lebensjahr überhaupt nicht der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Es reichen bereits 10 Minuten starke Sonne aus, damit sich das Kind verbrennt“ fügt Dr. Thiele hinzu.