Gesunde Ernährung für Kleinkinder
Das richtige Essverhalten lehren und fördern

Gesunde Ernährung für Kleinkinder

Von der Muttermilch, über den ersten Brei, bis hin zum eigenen Teller am Esstisch – die Ernährung von Kindern im ersten Lebensjahr wandelt sich stetig und legt den Grundstein für ein gesundes Aufwachsen.

Heike Oehrle ist seit über 35 Jahren Hebamme in der Helios Mariahilf Klinik in Hamburg und weiß als Expertin genau, was eine gesunde Ernährung für Kleinkinder ausmacht. Sie gibt hilfreiche Tipps von der Stillzeit bis zur ersten festen Nahrung.

Stillzeit bedeutet Bindung

Kleines Baby an der Brust der Mutter
Stillen bietet dem Kind eine optimale Ernährung im ersten Lebensjahr | Foto: Canva

Stillen hat neben der idealen Versorgung des Säuglings mit wichtigen Nährstoffen noch eine weitere wichtige Funktion: Es fördert die Bindung zwischen Mutter und Kind. Beide lernen voneinander. Das Baby merkt, dass seine Signale ernst genommen werden, es fühlt Geborgenheit und Sicherheit, und die Mutter lernt, die Bedürfnisse ihres Kindes zu sehen und zu erfüllen. Stillen ist für Säuglinge also genau das Richtige. Dennoch muss jede frisch gebackene Mutter für sich selbst entscheiden, ob sie stillen möchte.

"Jede Frau sollte aus eigener Überzeugung stillen", ist Heike Oehrle wichtig. "Wenn eine Frau nicht stillen kann oder möchte, ist Pre-Nahrung die beste Alternative". Dennoch gilt, dass Muttermilch Bio-Food ist und durch nichts imitiert werden kann – auch Pre-Nahrung ist nur an Muttermilch angeglichen. Im Falle von Allergien in der Familie empfiehlt die erfahrene Hebamme Pre-HA-Nahrung. Bei diesem besonderen Muttermilch-Ersatz ist das Eiweiß so weit aufgespalten, dass der Darm diese nicht mehr als Milcheiweiße erkennt und besser verdaut.

Säuglinge sollten fünf bis sechs Monate voll gestillt werden, danach beginnt man Löffelchen für Löffelchen mit Beikost.

Heike Oehrle, Hebamme | Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Beikost: der Weg von flüssig zu fest

Kleiner Junge im Hochstuhl isst Brei und hat Brei im Gesicht.
Der ersten Essversuche können auch mal daneben gehen | Foto: Canva

Die Stillzeit ist mit der Einführung der Beikost aber noch nicht zu Ende. Als Hebamme empfiehlt Heike Oehrle mindestens bis zum ersten Geburtstag weiter zu stillen: "Gerne auch darüber hinaus, wenn Mutter und Kind das wollen".

Die Beikost wird also schrittweise eingeführt. Für jede neue Mahlzeit benötigen Kinder zwischen drei und vier Wochen, bis die Beikost eine Still- oder Flaschenmahlzeit ersetzt. Gestartet wird mit einem Gemüse-Kartoffel-Brei, in einem zweiten Schritt wird diese Mischung dann als zweiter Brei um Fisch und Fleisch ergänzt. An dritter Stelle folgt ein Obst-Getreide-Brei. "Hier sollte man darauf achten, sowohl glutenfreies als auch glutenhaltiges Getreide zu füttern", ergänzt Heike Oehrle, "damit sich das Kind ausgewogen und gesund ernährt." Unter jede Breimahlzeit sollte außerdem pro 100 Gramm Brei auch ein Esslöffel Raps- oder Leinen-Öl gerührt werden. Das Fett im Öl sorgt dafür, dass der Körper der Kleinen die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K besser aufnimmt. Die sind vor allem für das Wachstum eines Babys wichtig.

Mutter mit Kind in der Küche
Selbstgemachter Brei mit saisonalem Gemüse enthält viele Nährstoffe | Foto: Canva

Gegen Ende der Beikost-Einführung sollte ein Milch-Getreide-Brei am Abend folgen. Mit diesen vier Mahlzeiten kommen Kinder in ihrem ersten Lebensjahr gut durch den Tag. Kuschelige Stillmahlzeiten zwischendurch oder in der Nacht ergänzen aber weiterhin den Essensplan bis zum ersten Geburtstag. Dabei sollten frisch gebackene Eltern gerne zu selbstgekochtem Brei greifen: "Bei frischen, saisonalen Gemüse ist selbst kochen der bessere Weg,", empfiehlt die Expertin. Ist das nicht möglich, können aber auch Gläschen auf dem Baby-Ernährungsplan stehen. "Dann ist es wichtig, dass der Brei möglichst einfach gehalten ist; also eine Gemüsesorte mit Kartoffeln. Eine Menüvielfalt brauchen Kinder in ihrem ersten Lebensjahr nicht", ergänzt sie.

Manche Eltern entscheiden sich statt Brei auch für Baby-led-weaning, kurz Blw. "Gemeint ist damit eine vom Kind gesteuerte Entwöhnung von der Muttermilch bzw. dem Fläschchen", erklärt Heike Oehrle. Bei dieser Methode bieten Mama und Papa ihrem Nachwuchs das eigene Essen in kindgerechter Größe an. Das Kind entscheidet dann selbst, ab wann und was es vom Teller der Großen mitessen möchte. Hier dauert es meist ein wenig länger bis die Babys Still- und Flaschenmahlzeiten durch feste Nahrung ersetzen, dafür sind sie dann gleich an das "normale" Essen gewöhnt und überspringen den Übergang vom Brei zur Familienmahlzeit.

Do's und Dont's im ersten Lebensjahr

Ein Teller voller Nüsse
Nüsse sind im ersten Lebensjahr tabu: Erstickungsgefahr | Foto: Canva

"Vor dem ersten Geburtstag sind Honig und Nüsse im Baby-Ernährungsplan verboten", warnt Heike Oehrle. Da Honig ein Naturprodukt ist, kann er für die Kleinen nicht von Bakterien aus der Umwelt befreit werden. Der kleine Körper ist aber noch nicht fit genug, um diese selbst abzuwehren, und so ist Honig potentiell gefährlich für ein Baby. Bei ganzen Nüssen besteht in den ersten Lebensjahren noch Erstickungsgefahr für das Kind, sie sollten also auch tabu sein. Auch Süßigkeiten in Form von Schokolade, Gummibärchen und Co. sind für eine gesunde Kinderernährung absolute No-Go's. "Natürlich dürfen Kinder naschen. Dann aber gesunde Snacks wie frisches Obst, Dinkelstangen und andere leckere Alternativen", beruhigt die Hebamme.

Mann trägt ein Baby in einer Trage auf dem Rücken. Die beiden wandern im Wald.
Viel frische Luft und Tageslicht sorgt für einen ausgeglichenen Vitamin-D Haushalt | Foto: Canva

Mit der richtigen Ernährung, bekommen die Kleinen übrigens auch alle notwendigen Vitamine, die sie brauchen. In den ersten Monaten gelingt das über die Muttermilch. "Hier sollten die Mütter auf eine ausgewogene, frische und vitaminreiche Ernährung achten", so Oehrle. Denn in der Muttermilch sind immer nur die Nährstoffe vorhanden, die auch die Mutter selbst zu sich nimmt. Mit der Einführung der Beikost sollten dann frisches und saisonales Obst, gutes Öl und abwechslungsreiches Getreide wie Haferflocken und Dinkelgrieß auf dem Speiseplan stehen. Für die Bildung von Vitamin-D sollten Kinder schon in ihrem ersten Lebensjahr viel an der frischen Luft sein. Das UVB-Licht der Sonne bildet dann in der Haut der Kleinen selbst Vitamin-D, das besonders für das Knochenwachstum wichtig ist. Da Babys aber auch vor Verbrennungen und damit zu viel Sonnenlicht geschützt werden sollten, empfehlen Experten die zusätzliche Gabe von Vitamin D in Form von Tabletten oder Ölen im ersten Lebensjahr.

Und wie sieht es mit Allergien aus?

"Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten sind bei Säuglingen eher selten", weiß Heike Oehrle: "Wenn überhaupt, dann reagieren Babys vor allem auf Grundnahrungsmittel allergisch." Die häufigsten Auslöser sind also Kuhmilch, Hühnereiweiß, Fisch, Nüsse oder Weizen. Reagieren Familienmitglieder auf diese Lebensmittel allergisch, ist auch die Wahrscheinlichkeit einer Allergie beim Nachwuchs erhöht. Gerade dann ist ausschließliches Stillen in den ersten Lebensmonaten besonders wichtig. Gleichzeitig sollte die Mutter während der Beikost-einführung wenn möglich weiterstillen. "Auf diese Weise vertragen Babys die neuen Nahrungsstoffe besser und lebenslange Allergien können vermieden werden", sagt die Expertin.

Der 1. Geburtstag: Ein neuer Abschnitt beginnt

Kleines Mädchen sitzt an einem Tisch mit einer Geburtstagstorte.
Der erste Geburtstag stellt meist ein Meilenstein im Essverhalten von Kleinkindern dar | Foto: Canva

Spätestens zum ersten Geburtstag essen Kinder bei ihren Eltern mit. Der Brei wird also im Laufe der Monate immer gröber und ab dem 10. Lebensmonat können die Kleinen an die Familienkost herangeführt werden. Dabei bleiben die Mahlzeiten Momente des Miteinanders und des Austauschs. "Ich empfehle immer mindestens einmal am Tag als Familie gemeinsam zu esssen, das ist für die kindliche Entwicklung sehr wichtig", ergänzt Heike Oehrle.

Vegane und vegetarische Ernährung

Vegetarische Ernährung liegt im Trend. Und viele vegetarische Eltern wünschen sich eine entsprechende Kost auch für ihre Kinder. Dies ist für Heranwachsende allerdings nicht ideal. In der Ernährung von Kindern und Jugendlichen sollten pflanzliche Lebensmittel im Vordergrund stehen und reichlich verzehrt werden. Tierische Lebensmittel werden in moderaten Mengen als Quelle für spezifische Nährstoffe empfohlen. Das sind zum Beispiel Kalzium und Jodin in Milchprodukten, Eisen und Zink in Fleisch oder Jod und langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren in Seefisch. Das Konzept dieser "Optimierten Mischkost" vereint eine pflanzenbetonte Ernährung mit der Sicherheit einer ausreichenden Nährstoffversorgung.

Eine vegane Ernährung ist für Schwangere und Stillende nicht empfehlenswert. Auch Säuglinge, Kinder und Jugendliche sollten nicht vegan ernährt werden. Diese Gruppen haben aufgrund ihres gesteigerten Nährstoffbedarfs bei einer veganen Ernährung ein höheres Risiko für einen Nährstoffmangel.